15. Dernauer Martinsmarkt bestens besucht - Parkplätze waren rar im Weindorf
„Martinsmarkt bedeutet Gemütlichkeit und Tradition“
Dernau. Wer am Wochenende einen Parkplatz in Dernau suchte, musste dies mitunter lange tun. Denn der Weinort war zum „15. Martinsmarkt der regionalen Genüsse“ bis in den letzten Winkel zugeparkt - Verhältnisse, wie es sie vor vielleicht zwei Jahrzehnten nicht einmal beim Winzerfest im September gab. Die wunderschöne Atmosphäre des vor 15 Jahren ins Leben gerufenen Marktes hat sich offensichtlich weithin herumgesprochen - wenn man die vielen Kölner, Düsseldorfer oder Koblenzer Kennzeichen als Maßstab nimmt.
Außerdem können sich die Dernauer auch immer auf das bekannt beste Wetter bei eigenen Großveranstaltungen verlassen - „nicht wahr, liebe Recher“, wie Ingrid Näkel-Surges vom Verkehrsverein in Richtung des westlichen Nachbardorfs stichelte. Dementsprechend fand die offizielle Eröffnung am Samstagnachmittag vor unzähligen Besuchern bei schönem Herbstwetter statt. Auch einen kleinen Seitenhieb auf den aktuellen Bahnstreik hielt sie parat: „Seien Sie versichert“, rief sie dem Publikum zu, „unsere Züge fallen nicht aus“ -
sie sprach damit die Rundgänge der Weinkönigin Julia Bell mit dem Verkehrsvereinsvorstand sowie den abendlichen Martinszug mit Entzünden der fünf Feuer an. Darauf wies sie besonders hin: „Eine Besonderheit unseres Martinsmarktes ist die Pflege des Brauchtums. Er wäre nicht denkbar ohne unsere fünf Rotten, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind und pünktlich zum Umzug die Feuer anfachen.“ Sie dankte den Rotten, aber auch St. Martin Friedhelm Hess, der 2013 in die großen Fußstapfen des unvergessenen Vorgängers Günther Müller getreten ist.
Spielszene der Mantelteilung
Während des Zugs am Abend bildete die Spielszene der legendären Mantelteilung am Spielplatz einen der Höhepunkte. Hier bat Karl Hubert Kreuzberg als „Armer Mann“ den St. Martin symbolisch um ein Stück vom wärmenden Mantel. Hess wie Kreuzberg sind übrigens Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Dernau, die den Umzug wie auch die Prämierung der von Dernauer Kindern geschaffenen Fackeln organisiert. Dafür dankte Ingrid Näkel-Surges vor allem Wehrleiter Jo Marner.
Bei der Eröffnung am Nachmittag schien das Pferd des heiligen St. Martin angesichts der Zuschauermenge anscheinend noch Lampenfieber zu haben und ließ erst einmal ein Bächlein fließen - „heiliges Wasser“, wie Näkel-Surges spontan bemerkte. Keine Nervosität war dagegen den Kirchdauner Musikanten anzumerken - kein Wunder, begleiten sie die Eröffnung und den Martinszug doch bereits seit der ersten Ausgabe des Markts im Jahre 2000. Für zünftige Stimmung bei der Eröffnung sorgten auch die Jagdhornbläser Corps Ahrtal.
94 Aussteller
Die Organisatoren vom Verkehrsverein freuten sich auch darüber, dass erneut 94 teilnehmende Aussteller dabei waren, darunter auch drei neue Höfe wie beispielsweise die gerade eröffnete Straußwirtschaft „In de Dischjass“ des Weinguts Gebrüder Bertram. Der Ausstellerrekord aus dem Vorjahr wurde damit eingestellt. Der Markt hat sich mittlerweile ausgeweitet bis zum Dorfplatz, über den Pfarrgarten und zur Kirche. Ortsbürgermeister Alfred Sebastian wies die Zuschauer auf das breitgefächerte Angebot des Markts hin. „Handwerk und Kunstgewerbe präsentieren ihr reichhaltiges Sortiment in höchster Qualität. Die einzigartige Vielfalt teils uralter Fertigungsmethoden ist neben dem vielfältigen kulinarischen Angebot das eigentliche Erfolgsgeheimnis unseres Martinsmarkts. Um es auf den Punkt zu bringen: Martinsmarkt bedeutet Gemütlichkeit und Tradition.“ Sebastian dankte vor allem dem Organisationsteam um Ingrid Näkel-Surges.
In der Tat ist der Dernauer Martinsmarkt mittlerweile etabliert und heute mehr als nur der kleine Bruder des Winzerfests. Es ist ein Markt mit einem ganz besonderen Flair, mit Handwerk, Kunstgewerbe, kulinarischem Angebot und Wein etwas für die ganze Familie. Mit einer Mischung aus vorweihnachtlichem Märchenland und einer Prise Weinfest übt er eine magische Anziehungskraft aus.
Wie auch in diesem Jahr: Tausende Besucher knubbelten sich zwei Tage lang in den Gassen des Weinorts. Sie genossen die stimmungsvolle Atmosphäre, die anziehenden Düfte, die offenen, liebevoll dekorierten Marktstände und ausstaffierten Innenhöfe. Gut kam bei den Gästen auch die Fackelwanderung am Freitagabend an. Die leuchtenden Fackeln in den ansonsten dunklen Weinbergen gaben dieser Wanderung eine ganz besonders urige Atmosphäre.
Schönes Erlebnis für die Kinder
Doch bei allem Trubel und dem auf die Gäste ausgerichteten Angebot kommen auch die Dernauer, allen voran die Kindergarten- und Grundschulkinder, nicht zu kurz. Denn beispielsweise der Martinszug ist ein für sie wunderschönes Erlebnis, wenn die Häuser und Straßen dekoriert und gesäumt sind von unzähligen Kerzen und Lichtern. Nicht lange bitten mussten die Kleinen dann zum Abschluss des Zugs an der Schule, um eine Tüte mit Spielzeug und Naschereien sowie einen Martinswecken zu erhalten. Dafür war in den Wochen zuvor im Dorf gesammelt worden. Wer Glück hatte unter den Kindern, der erhielt auch noch am Sonntag einen weiteren Weckmann vom St. Martin, der an diesem Tag zu Fuß in den Gassen unterwegs war.
Wenn auch das Wetter am Sonntag zwar passabel, aber nicht ganz so schön wie am Vortag war, konnten Gäste wie Einheimische an beiden Tagen nach Herzenslust an den vielen Ständen stöbern, sich kulinarisch verpflegen oder bei einem Glas Wein die urige Atmosphäre in einem der liebevoll gestalteten Winzerhöfe genießen und dort verweilen. Dazu zeigten Handwerker ihre Kunst.
Fünf mächtige Feuer
Doch noch einmal zurück zum Samstag. Wer das schönste Feuer hat, ob Haardte, Kiere, Ortesse, Baache oder eben Pattnöcke, da gehen die Meinungen von Ortsteil zu Ortsteil natürlich jedes Jahr weit auseinander, doch eines lässt sich eindeutig sagen: Wie immer hatten es alle Rotten geschafft, an diesem Samstag die mächtigen, wunderschönen Feuer pünktlich ab 18 Uhr in Brand zu setzen.
„Die Männer unserer fünf Rotten haben in den letzten Wochen Holz gesammelt und Schanzen gebunden, um heute ihre Böcke füllen zu können“, berichtete Weinkönigin Julia Bell. Sie begrüßte vor allem die Abgeordneten der Rotten, bevor sie den Martinsmarkt offiziell eröffnete. Einer hatte an diesem Tag noch etwas dazugelernt. „Ich musste feststellen, dass Dernau sogar noch mehr Feuer hat als Ahrweiler“, lachte der ehemalige Ahrweiler Ortsvorsteher und MdL Horst Gies als Vertreter des Landrats. „Man merkt, dass hier alle an einem Strang ziehen, in eine Richtung. So entsteht ein Mosaik, dass sich jedes Jahr ein Stück weiter verfeinert. Und die meisten Besucher sind daher nicht zum ersten Mal hier“, lobte Gies die Organisatoren des Martinsmarkts. Dessen Abschluss bildete am Sonntag das Orgelkonzert in der Pfarrkirche St. Johannes und die Verurteilung des Kirmesmanns Zachäus. Die fröhliche Zeremonie unter Federführung der Junggesellen endete, wie konnte es auch anders sein, mit dem Flammentod des lumpigen Gesellen.
Johannes Alfter aus Bonn zeigt auf dem Markt die hohe Kunst des Münzengravierens.
St. Martin Friedhelm Hess ist 2013 in die großen Fußstapfen des unvergessenen Vorgängers Günther Müller getreten.
