Rückführung der Kirchdauner Kirchturmsuhr
Nach 131 Jahren - Die Turmuhr läuft wieder
Kirchdaun. Die alte Kirchturmuhr aus dem 17. Jahrhunderts wurde wiedergefunden. 2009 erfuhr Andreas Schmickler, Heimatforscher aus Kirchdaun, durch Zufall von einem Bekannten, dass die alte Kirchdauner Kirchturmsuhr noch existierte. Nach Besichtigung und der Feststellung, dass es sich wirklich um die Kirchdauner Kirchturmsuhr handelte, bemühte er sich seitdem um die Rückführung nach Kirchdaun. Dank größerer Spenden von Kirchdauner Bürgern und der Unterstützung des Fördervereins für Archäologie, Kunst und Museumskultur e.V. konnte der Ankauf im Sommer dieses Jahres getätigt und die Uhr nach Kirchdaun zurückgebracht werden. Seit einigen Wochen befand sich ein aus Eisen geschmiedetes Gestell mit Zahnrädern zur Restaurierung bei Andreas Schmickler in Kirchdaun. Es handelt sich dabei um das Werk einer vorindustriellen Turmuhr, die einst im alten Kirchturm untergebracht, den Rhythmus des Lebens in Kirchdaun bestimmte. Die Kraft kam von zwei an Seilen befestigten schweren Steinen, die über zwei Walzen ihre Energie auf das Schlagwerk und das Uhrwerk mit einem Stundenzeiger übertrugen. Einmal am Tag musste sie aufgezogen werden. Nachforschungen haben ergeben, dass die Uhr, nachdem Mitte des 17. Jahrhunderts das Pendel erfunden worden war, im 18. Jahrhundert umgebaut und modernisiert wurde. Das genaue Alter der Uhr konnte bisher noch nicht bestimmt werden. Gesichert ist jedoch, dass aus Kostengründen 1883 das tägliche Aufziehen der Uhr eingestellt wurde. Noch im gleichen Jahr wurden die Gewichte (Steine) in der Kirchhofsmauer verbaut. Vielleicht wollte man sicherstellen, dass die Uhr auch in Zukunft nicht wieder in Betrieb genommen würde. Anschließend stand sie noch bis 1923 im alten Turm, der dann wegen Baufälligkeit nach über 800 Jahren abgerissen wurde und einem Neubau weichen musste. Der neue Turm wurde später nur bis auf halbe Höhe fertiggestellt, was zu dem unverwechselbaren Charakter der Kirchdauner Dorfkirche führte. Die Uhr kehrte nicht wieder in den Turm zurück, sondern landete schließlich in der alten Schmiede „Krahforst“ in der Brunnenstraße. 1969 kam sie von dort nach Heimersheim in die Hände eines Sammlers. Nach Reinigung und mühevoller Kleinarbeit, dem Ergänzen von Pendel und Gewichten funktioniert die Uhr nach 131 Jahren Stillstand wieder. Auch das Zifferblatt mit altem Zeiger und Ziffern glänzt wie in alten Zeiten. Die Uhr wird in Zukunft in der Taufkapelle (dem alten Chor) der Pfarrkirche Aufstellung finden, wo sie jederzeit besichtigt werden kann. Die Präsentation und Übergabe findet am Sonntag, 7. Dezember in der Pfarrkirche St. Lambertus in Kirchdaun statt.
