In Ahrweiler muss unterschiedlichen Interessen Rechnung getragen werden
„Nachfrage nach Barrierefreiheit müssen wir möglichst nachkommen“
Bürgermeister Guido Orthen sieht jedoch die Zuständigkeit nicht nur bei der Stadtverwaltung
Ahrweiler. Es wird kein neues Pflaster in der historischen Altstadt geben. Und es wird ein ständiges Ringen um Kompromisse nötig sein, um die verschiedenen Interessen von Behinderten und Nichtbehinderten, von alten Menschen und Geschäftsleuten möglichst weit zu berücksichtigen. Guido Orthen, Bürgermeister der Kreisstadt, blickt heute im Gespräch mit „Blick aktuell“ auf die Bemühungen, den Wünschen von Rollstuhlfahrern in Ahrweiler nachzukommen. Mit ihm sprach Werner Meyer.
Blick aktuell: Ahrweiler ist ein Kleinod, beliebt bei Bürgern und Gästen. Die historische Altstadt ist ein attraktiver Anziehungspunkt. Allerdings weniger für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Familien mit Kinderwagen oder Frauen mit hohen Absätzen. Sie alle beschweren sich über das schöne, aber sehr unebene Pflaster.
Guido Orthen: Was soll man denn machen? Gerade die Altstadt mit den wunderschönen Gebäuden und dem attraktiven Pflaster macht den Charme von Ahrweiler aus, dazu das sehenswerte Angebot der Geschäfte. Doch gerade der Untergrund ist für viele Behinderte ein großes Problem. Am Rand der Straßen in der Fußgängerzone sind glattere Pflaster verlegt, dort stehen aber viele Tische vor den Läden, der Handel braucht natürlich auch seine Flächen. Um es gleich zu sagen: Wir werden die Steine nicht rausreißen, das können wir nicht bezahlen und wollen es auch nicht. Das Ambiente muss bleiben. Vielleicht wird es eine Möglichkeit geben, die Fugen anders zu füllen. Aber mit Bitumen plattmachen, das auf keinen Fall. Alle Beteiligten kämpfen um Kompromisse. Es spielt aber auch eine wichtige Rolle, dass hier gegenseitige Rücksicht gefragt ist.
Blick aktuell: Gut, aber gerade in Ahrweiler haben Rollstuhlfahrer ein schweres Leben: Taxifahrten nur an einigen Tagen in der Woche, sodass Arztbesuche nach den Zeiten der Taxen gelegt werden müssen. Der Fahrstuhl am Weißen Turm ist außer Betrieb, das Alte Zunfthaus nicht erreichbar, gefährlich hohe Stufen an der Post Richtung Parkplatz, öffentlicher Personennahverkehr nicht rollstuhlfähig und, und, und.
Guido Orthen: Wir bewegen uns in einem dauernden Prozess. Oft sind wir gar nicht zuständig und können nur versuchen, auf den entsprechenden Verein, die Behörde einzuwirken. So soll auf unser Drängen hin der Zugang an der Haltestelle Ahrweiler Markt barrierefrei gestaltet werden. Den Fahrstuhl am Museum werden wir überprüfen, am Zunfthaus funktioniert ein Hilfsangebot des Vereins bisher gut. Dass das Angebot der Taxi-Unternehmen nicht immer zufriedenstellend ist, können wir als Stadt nur indirekt beeinflussen. Doch wir werden weiter das Gespräch suchen. Eine Anmerkung noch: Der Sicherheitsaspekt ist in Deutschland manchmal höher als jede Vernunft. Mit etwas gutem Willen ließe sich sicherlich ein besserer Weg finden, dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer in die Züge gelangen können. Das Überqueren der Gleise müsste sich doch auch irgendwie ohne Gefährdung lösen lassen. Unsere Stadt hat viele ältere Bürger und ältere Gäste, der Nachfrage nach Barrierefreiheit müssen wir möglichst weitgehend nachkommen. Aber genauso den Wünschen der Geschäftsleute, die eine belebte und attraktive Stadt wollen. Mit Außengastronomie und Auslagen. Das ist ein tägliches Abwägen der unterschiedlichen Interessen. Allen kann man es nicht recht machen.
