Allgemeine Berichte | 08.12.2013

Neue Bilder und Skulpturen

Die Are-Künstlergilde präsentiert in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler ihre Jahresausstellung

Zahlreiche Gäste kamen zur Eröffnung. HG

Ahrweiler. Eine Ausstellung ohne thematische Vorgabe ist immer Chance und Herausforderung zugleich. Chance, weil die Künstler das, was sie umtreibt, ungefiltert transportieren können, und besonderer Anspruch, weil jede einzelne Arbeit für sich überzeugen muss, ohne dass der Betrachter schon eingestimmt wäre. Die Jahresausstellung der Are-Gilde ist eine solche freie Präsentation. Sie basiere „auf der Konfrontation von Arbeiten unterschiedlichen Charakters“ stellte Präsidentin Eva-Maria Kreuter anlässlich der Vernissage heraus. Zudem befand sie: „Die besondere Bildsprache zieht den Betrachter in ihren Bann, entrückt ihn in andere Welten und dringt über das Auge in das Herz des Betrachters.“ Glückshormone setze das schöpferische Tun beim Künstler frei, so wie die Kunstwerke gewiss „auch für die Kunstfreunde viel Glückshormon entstehen lassen.“

Dieser Idealfall künstlerischer Wirkung entfaltet sich allerdings nur bei starken Werken und selten als Breiteneffekt von Gruppenausstellungen, die naturgemäß ein Qualitätsgefälle aufweisen. Nicht unbemerkt bleibt, dass die Gilde zudem in den vergangenen Jahren den Verlust einiger guter Künstler, sei es durch Austritt, Tod oder Rückzug aus dem aktiven Ausstellungsgeschehen, zu verschmerzen hat. Es gilt, auch das macht die Jahresausstellung deutlich, baldmöglichst neue einfallsreiche und fähige Kräfte zu gewinnen.

Dessen ungeachtet überzeugt etwa der gelungene Auftritt im Frontbereich der ehemaligen Synagoge, in dessen Mitte Peter Krebs‘ monumentale Stele aus Devonstein und Stahl Natur und Kultur, Erd- und Industriegeschichte heroisch auslotet. Links davon schafft Dieter Lehmann zwischen dem Trio strenger weißer Papierarbeiten, genannt „Allhier in dieser wüsten Heyd 0709“, und kleiner dunkler Stahl-Skulptur einen eigenen Kraftraum, der Spannung aus den rätselhaften gereihten Negativformen beider Arbeiten bezieht. Zur Rechten inszeniert Werner Mertens ebenso diszipliniert den Duisburger Hochofen. Im reduzierenden Spiel mit den Grauwerten scheint das Schwarz-Weiß-Foto surreal beleuchtet. Und dynamische Strahlenbündel bezirzen in Farbe als Ergebnis einer Licht-Schwünge verfolgenden Kamerafahrt.

Zuviel des unbestreitbar Guten - die reizvolle Landschaft des Rotweinwanderwegs - hat indes Robert Reuter in sein „RWW“-Gemälde gepackt. Man wundert sich über eine Kunsthandwerk-Vitrine, in der Eldo von Wittgenstein Märchenhefte aus handgeschöpftem Papier bestückt. Mut zum packenden bildnerischen Zugriff lässt Christina Schäfer vermissen, die in ihren Grafiken unentschlossen Zeichnung, Schrift und Noten anordnet. Dagegen hätte Eva Nagels Akt „Zuwendung“ ein deutliches Plus an anatomischer Handhabung gut getan. Maja Franke aber ist der Körpermalerei ganz und gar gewachsen, wie ihre weiblichen Darstellungen belegen.

Überhaupt wird das Thema Figur vielfach aufgegriffen. Da löst Horst Saul einen ins Kultische weisenden aufrechten Frauentorso abstrahiert aus dem Speckstein, während sich Kolja Schäfers Exponat gleichen Materials nah an die Natur und in der Waagerechten hält. Von Angelika Castelli fällt der getuschte, zu Formen geronnene „Data Man“ auf und ein Kopf, der von „Erfahrungen!?“ geflutet wird. Heilige und Menschen modelliert Pater Franz-Josef Ludwig SAC heimelig in Terrakotta. Damit hat Maler Alfred Puth nichts im Sinn. Er provoziert ein konstruktives Anecken. Dies, indem er Jesus, Petrus und Johannes als bizarre Erscheinungen zum letzten Abendmahl versammelt, eine seltsame Gesellschaft, die der Betrachter zu Ende denken muss. Noch frecher agiert Michael Sonne, der Farbtuben zu Figuren einer „Anbetung“ verbiegt. Der Clou: Statt des Strahlenkranzes trägt die vermutete Maria Rechenzinken. Vom selben Skulpteur stammt ein zauberhafter kleiner „Hahn“.

Malerin Marlies Blettner steuert ein expressives „Abenderlebnis in Norwegen“ bei, wo ein teils nachtblauer, teils rot entzündeter Himmel auf gelb-blaue Gestade trifft. Folkard Gittner liefert mit „Hong Kong“ eine heiter-duftige Stadtansicht und Karin Betz zeigt in ihrer verdichteten Bildsprache originell stilisierte Stadtidyllen. Ulrich Schmidt-Contoli bringt einer seiner „Steinbruch“-Architekturen mit, von denen Unheil auszugehen scheint. Nicht bedrohlich, aber darum nicht weniger geheimnisvoll kommen „Baltische Kontraste“ von Manfred Pusch daher, amorphen Formen, die mehr musikalisch als landschaftlich inspiriert sind.

Die Ausstellung ist bis 8. Dezember täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Angelika Castellis Bild „Erfahrungen!?“ .

Angelika Castellis Bild „Erfahrungen!?“ .

Zahlreiche Gäste kamen zur Eröffnung. Fotos: HG

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