Modezar zieht um - Boutique weicht einem Café - neue Ausrichtung im Thermal-Badehaus
Neuer Standort für Paulys Pelze
Bad Neuenahr. Es kann passieren, dass man ihn beim Durchzappen im Fernsehen erkennt. Man trifft ihn aber auch in seiner Heimatstadt Bad Neuenahr: den schillernden Modezar Alfredo Pauly. Neben seinen häufigen Auftritten im Homeshopping-Kanal besitzt er für manche vielleicht etwas versteckt sein Geschäft zwischen dem historischen Kurhaussaal und der Kurgartenstraße. Dort hielt er immer wacker die Stellung am Ahr-Pavillon. Doch damit ist Schluss: Nach 37 Jahren wird Pauly voraussichtlich zum 1. Februar 2015 sein Pelzgeschäft schließen. Aber ein neuer Standort für Paulys Pelze ist nach Informationen von „BLICK aktuell“ bereits gefunden: Er wird ins Thermal-Badehaus umziehen. Bereits im März soll die Neueröffnung stattfinden, direkt neben der Eingangshalle. Dafür wurde nun zwischen Kur-AG-Vorstand Christoph Reinicke und ihm ein entsprechender Mietvertrag für rund 140 Quadratmeter an exponierter Stelle in dem historischen Thermal-Gebäude unterschrieben.
Alfredo Pauly, der in jüngster Zeit vor allem weniger durch Mode, sondern vielmehr ob des geplatzten Großprojektes „Chateau de Luxe“ in der Öffentlichkeit stand („BLICK aktuell“ berichtete), verlässt sein bisheriges abgestammtes Domizil an der Ahr sicher mit schwerem Herzen, doch die neuen Räumlichkeiten stellen keine Verschlechterung dar. Im Gegenteil: In den letzten Wochen sind im Thermal-Badehaus weitere hochwertige Geschäfte eröffnet worden. Dazu heißt es von der Aktiengesellschaft Bad Neuenahr, dass man sich zukünftig neben der Gesunderhaltung auch als Sammelpunkt des gesellschaftlichen und geschäftlichen Lebens verstehen will. Das Angebot gilt dabei als ausdrücklich „hochwertig“ und soll neben einheimischen auch vermehrt internationale Gäste in die Kurstadt locken. So, wie es früher keine Seltenheit war in den Glanzjahren des Kurbetriebs in der Kreisstadt, wo der reiche russische Adel besonders gerne das Thermalbadehaus aufsuchte. AG-Vorstand Christoph Reinicke möchte internationales Flair vor allem aber mit vielen asiatischen Gästen schaffen. Dafür rührt er aktuell kräftig die Werbetrommel im Land der aufgehenden Sonne.
Neu im Thermalhaus ist Haardesigner Björn Franke eingezogen, der sich mit seinem Angebot als die ideale Ergänzung nach Anwendungen, Therapie und dem Abstecher ins Fitnessstudio sieht. Genauso gehört eine spezielle Massage wie auch ein typgerechtes Make-up zum Angebot. „Friseurhandwerk in Premiumqualität“ verspricht Franke seinen zukünftigen Kunden. Neben seinem Studio in der Walporzheimer Straße 11 betreibt er nun im Thermal-Badehaus sein zweites Geschäft. Ferner ist das weltweit einmalige Angebot des Kunstversenders „ars mundi“ mit Stammhaus in Hannover ein Teil des Angebots. Die schönsten Stücke ausgesuchter Kollektionen von Bildern, Schmuck, Skulpturen Museumsreplikaten und Geschenkideen können von interessierten Besuchern nun im Thermal-Badehaus angesehen und bei entsprechendem Kleingeld gekauft werden.
So reihen sich Paulys Pelze ein in ein immer größer werdendes hochwertiges Verkaufsangebot für den exklusiven internationalen Geschmack. Einziger Wehmutstropfen für ihn: Nachdem Alfredo Pauly vor einigen Jahren Opfer eines Raubüberfalls wurde, hatte er viel Geld in Ambiente und Absicherung der Räumlichkeiten investiert. Geld, das er wohl nicht ersetzt bekommt. Nicht zur Debatte stand nach „BLICK aktuell“-Informationen die komplette Schießung seines Pelzgeschäftes oder gar der Umzug in ein anderes Domizil.
Grund für die überraschende Kündigung der Räume ist, dass das Steigenberger-Hotel neue Pläne schmiedet zwischen Belle-Epoque-Pavillon und der nahen Kurgartenbrücke. In Verlängerung des Gartensaals soll eine Außenplattform entstehen, die den Gästen des Hauses die Möglichkeit bietet, mit direktem Blick auf den Fluss Spezialitäten eines typischen Wiener Cafés zu verköstigen - von Sachertorte bis Kaiserschmarrn.
Die Stadt hat dem Modezaren überdies den Mietvertrag für sein kleines Geschäft neben dem Kurparkeingang zum Jahresende gekündigt. Die Kündigung könnte im Zusammenhang mit einem Vergabeverfahren der Stadt von 2013 stehen. Mit einer Informationsbroschüre suchte die Stadt nach Investoren für die bauliche Entwicklung der Kurparkliegenschaften - und ist offenbar fündig geworden. Das zumindest hatte Bürgermeister Guido Orthen vor einiger Zeit mitgeteilt. Zuvor müssten allerdings Fragen des Denkmalschutzes geklärt werden, heißt es. Käme es zur Umsetzung, würden die Pavillons in der Kurgartenstraße wohl ohnehin abgerissen.
