Anti-Mobbing-Konzept des Are-Gymnasiums
„No Blame Approach“
Ein neuer Interventionsansatz ist äußerst vielversprechend
Kreisstadt. Immer mehr Kinder, Lehrkräfte und Eltern nehmen im Schulalltag „Mobbing“ als großes Problem wahr. Hat sich Mobbing in einer Klasse erst einmal etabliert, ist es schwierig, mit herkömmlichen Methoden etwas dagegen zu unternehmen. Zumal die Handlungen der Akteure, als da wären psychische und körperliche Angriffe gegen einen Mitschüler/eine Mitschülerin, Beschädigung und Wegnehmen des Eigentums und nicht zuletzt das Verbreiten von Lügen und Angriffen per SMS und im Netz dem direkten Blick der Lehrenden oft entzogen sind. Deswegen hat sich das Kollegium des Are-Gymnasiums am letzten Studientag zum Thema Teamentwicklung dem Phänomen Mobbing gewidmet. Alle Lehrerinnen und Lehrer sowie Mitglieder des Schulelternbeirates wurden informiert und für die Erscheinungsformen und Auswirkungen von Mobbing sensibilisiert. Zudem haben sich an mehreren Fortbildungstagen zwölf Lehrkräfte und Erzieherinnen unter der Federführung von Sibylle Schäfer-Heuermann und dem Schulpsychologen Frank Lafleur in Interventionsstrategien gegen Mobbing eingearbeitet. Seit den Herbstferien bietet das Are-Gymnasium Mobbing-Betroffenen den No-Blame-Approach (NBA), auch Unterstützergruppen-Ansatz genannt, an. Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Mitschüler oder Betroffene wenden sich an eine ausgebildete Lehrkraft, die im Gespräch mit der oder dem Gemobbten Vertrauen und Zuversicht entgegenbringt und Unterstützung zusagt. Sie hält Kontakt zum betroffenen Jugendlichen und baut im nächsten Schritt eine Unterstützergruppe auf, die sich aus Mitschülern und -schülerinnen der Klasse zusammensetzt. Diese Gruppe erarbeitet Handlungen, die es der/dem Gemobbten ermöglicht, sich in der Klasse wieder aufgehoben zu fühlen, und übernimmt die Verantwortung dafür. Ganz ausdrücklich wird niemand für sein Verhalten gescholten oder bestraft. Es geht nicht darum, das Problem zu analysieren, sondern lösungsorientiert das Mobbing zu stoppen. Dabei ist es wichtig, den Blick in die Zukunft zu richten. Die NBA-Lehrkraft signalisiert der Unterstützergruppe deutlich, dass sie deren Hilfe bedarf, damit sich die schwierige Situation in der Klasse verbessert. Sie richtet sich an die Schülerinnen und Schüler als Experten für ihre Klassengemeinschaft. So positiv auf ihre Ressourcen und Kompetenzen angesprochen, reagieren die Mitglieder der Unterstützergruppe mit großer Bereitschaft, eine konstruktive Haltung gegenüber dem/der Mobbingbetroffenen einzunehmen. Oft ist schon viel erreicht, wenn ein Mobber im Unterstützergruppengespräch zusagt, sein Opfer in Zukunft in Ruhe zu lassen. Am Are-Gymnasium konnten bisher alle bekannt gewordenen Mobbingfälle erfolgreich gestoppt werden. Allerdings ist es notwendig, die Klassen auch danach aufmerksam zu beobachten und im Rahmen der Ganztagsschule Raum für soziales Lernen im Unterricht und im AG-Bereich zu schaffen. Wichtig ist, Streit und Mobbing zu unterscheiden. Bei einem Streit stehen sich zwei Partner gegenüber, die beide einen Anteil am Konflikt haben. Hier hat sich die seit über zehn Jahren etablierte Streitschlichter-AG bewährt. Unter Anleitung ausgebildeter Schülerinnen und Schüler finden die Kontrahenten eine eigene Lösung. Sie schließen am Ende einen Vertrag und haben die Möglichkeit, 14 Tage später zu berichten, ob ihre Problembewältigung tragfähig ist. Anders verhält es sich bei Mobbing. Es wird definiert als absichtliche körperliche oder psychische Schädigung, die sich über einen längeren Zeitraum wiederholt und von einem extremen Machtungleichgewicht bestimmt ist. Meistens grübeln die Betroffenen lange über die Gründe für die erfahrene Gewalt nach und suchen in der eigenen Persönlichkeit nach Auslösern. Dementsprechend haben von Mobbing Betroffene kaum eine Möglichkeit, sich aus eigener Kraft aus der Situation zu befreien. Das Anti-Mobbing-Team leistet hier einen wichtigen Beitrag, um Lernende sowie Lehrende zu unterstützen auf dem Weg zu einer Schule, die die ganze Persönlichkeit ihrer Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt.
