Weinfest in Walporzheim
Petrus hatte kein Einsehen mit dem Weindorf
Walporzheim. Schlimmer geht’s nimmer, hat sich vielleicht mancher Walporzheimer in den vergangenen Jahren gedacht, als man bereits bei der ein oder anderen Ausgabe des „Ländlichen Weinfests“ nicht vom Wetter verwöhnt wurde. Doch es geht tatsächlich noch übler. Denn von Samstag bis Montag war die Witterung noch schlechter, als man von den Wettervorhersagen her befürchten musste. War der Freitagabend mit der Proklamation der neuen Weinkönigin Victoria Kugel sowie stimmungsvoller Musik mit der Band „Search and Found“ noch ganz passabel, fing es ab Samstagmittag an zu regnen. Und auch der Winzerfestzug am Sonntag fiel fast komplett ins Wasser. Der Montag bis zum abschließenden großen Feuerwerk blieb ebenfalls trübe, aber wenigstens weitestgehend trocken. Das alles aber bei kaum sommerlichen Temperaturen von 20°C und sogar darunter. Dementsprechend war der Besucherandrang gebremst. Weniger noch bei auswärtigen Gästen und Gruppen, die das Fest gebucht hatten, vor Ort übernachteten oder auf geplanten Tagesfahrten per Bus angereist waren. Vor allem manch Einheimischer beschloss offensichtlich spontan, dem Fest angesichts der Regengüsse schweren Herzens fern zu bleiben. Denn abgesehen von Wetterkapriolen ist das liebevoll gemachte „Ländliche Weinfest“ ansonsten überaus beliebt bei den Ahrtalern, sie kommen gerne nach Walporzheim, um in gemütlicher Atmosphäre ein Glas Ahrwein zu genießen.
Lichtblick am Samstagabend
Aufgrund der bescheidenen Temperaturen klarer Favorit war demnach in diesem Jahr der gut temperierte Früh- und Spätburgunder sowie Portugieser. Nur Hartgesottene mochten sich mit dem Weißwein und Weißherbst aus dem Kühlschrank anzufreunden. So wurde an den von Sonnen- respektive in diesem Fall Regenschirmen gut geschützten Tischen zusammengerückt und das Beste aus der Wetterlage gemacht. Ein Lichtblick war glücklicherweise der fürs Geschäft wichtige Samstagabend, mit dem die Organisatoren dann doch noch einigermaßen zufrieden sein konnten. Auch hier sorgten "Search and Found" für eine prächtige musikalische Untermalung, so dass dann doch noch eine adäquate Weinfeststimmung aufkam, was für die regengetrübten Stunden am Wochenende ein wenig entschädigte. Der Winzerfestumzug startete im Nieselregen, der sich zu kräftigen Regengüssen steigerte. Zum Glück ist der Walporzheimer an sich findig. So wurde kurzerhand auf dem wunderschönen königlichen Festwagen über Weinmajestät Viktoria Kugel im burgunderfarbenen langen Kleid und ihrer Weinprinzessin Kathrin Harz ein überdimensionierter Regenschutz in Form eines großen „Sonnenschirms“ aufgespannt. So blieben die beiden wenigstens trocken, im Gegensatz zu manchem Zuschauer und Festzugteilnehmer, die sich mitunter auch mit Plastiksäcken als Regenponchos gegen die Nässe schützten oder wie die über und über mit blauen Ballons bedeckte Gruppe aus Walporzheimer Funken, Freundeskreis und Familie der Weinkönigin, die den adäquaten Regenschutz mit diesem Traubenoutfit schon mitbrachte.
Feststimmung trotz Regen
Der Feststimmung zum Festzug tat das Wetter jedoch nur einen geringen Abbruch. Mancher trank einfach ein Gläschen mehr, um sich gegen die äußeren Bedingungen zu wappnen. Auch die anderen Majestäten wie Jubiläumsweinkönigin Gertrud Böhmer (40 Jahre), Dorle Gilles (25 Jahre) oder Ahrweinkönigin Jennifer Knieps setzten ihre Fahrt in Kutsche und Cabrio einfach unbeirrt fort. 27 Zugnummern mit Fußgruppen und Wagen waren insgesamt zu sehen, darunter vier Musikkapellen, die für zünftige Feststimmung am Straßenrand sorgten. Im Einsatz waren auch wieder blumengeschmückte Oldtimertraktoren der Interessengemeinschaft Traktoren und Maschinen (ITM) von Kramer über Eicher und Hanomag bis Lanz-Bulldog, die mit ihrer Teilnahme den Festzug erneut bereicherten und somit auch etwas für „Technikfreaks“ boten. Auch Rudolf Menzen war mit seinem Bautz AS 120 wieder mit von der Partie.
„Pänz“ waren mit dabei
Das galt auch für die Walporzheimer Kinder, die im Vorfeld eigens zum Mitmachen aufgefordert worden waren. Eine ganze Reihe der „Pänz“ nahmen so als süße Winzer beim Umzug teil. Die Weinmanufaktur Walporzheim feierte derweil die „Traubenlese Anno dazumal“ mit einem großen Wagen samt Pferd aus Stroh, „dirigiert“ an den Zügeln durch Paul Knieps. Während die närrischen Freunde von der KG „Bunte Kuh“ Walporzheim den Weg zur Römervilla suchten, hatte der ortsansässige Sportverein dank der leistungsfördernden Stimulanzien „rote Trauben und roter Wein“ seinen Weg zu künftigen Topergebnissen schon gefunden. Wer den Sonntag ohne dicken Schnupfen oder Kater überstand, der besuchte am Montagmorgen, ab 11 Uhr den Frühschoppen in der Dorfmitte, der bei Kennern des Walporzheimer Weinfestes sehr beliebt ist. Nachdem die Weinstände dann im Verlauf des Nachmittags wieder öffneten, brachte die fünfköpfige Tanz- und Partyband „Come on!“ aus Euskirchen am Abend die Besucher mit schwungvoller Unterhaltungsmusik noch einmal richtig in Schwung. Gegen 22 Uhr erlebte das Weinfest mit seinem traditionellen großen Feuerwerk mitten in den Steillagen des Kräuterberges nochmals einen weiteren Höhepunkt, bevor es am späten Abend gemütlich ausklang und die Organisatoren sicherlich schon einmal auf besseres Wetter im kommenden Jahr hofften.
