Kunstausstellung im Grafschafter Kunstverein Villa Bellestate
Phantasievolle und kreative Formen- und Farbensprache
Grafschaft. Irene Gilles eröffnete ihre Kunstausstellung im Belvedere der Villa Bellestate. Bei herrlichem Wetter und vor einem zahlreichen Publikum zeigte sie Bilder in Mischtechnik, Gouachen und Monotypien. Bei den letzteren handelt es sich um Unikate aus einer Verbindung von Grafik und Malerei. Die Monotypie hat ihre Vorgänger u.a. in Edgar Degas, Paul Gauguin, Horst Janssen. Gilles belegt die Druckplatte (Glas) mit mehreren Farbflächen, Schablonen und Kratzspuren und bedruckt das zuvor mit einem Stift gezeichnete Blatt in mehreren Druckvorgängen. Die Technik des Arbeitsvorganges ist variabel und individuell, so dass selbst dieser vom Künstler nicht wiederholt werden kann, da das Spiel mit Form und Farben zu unerwarteten, zufälligen Ergebnissen führt.
Ein großer Teil der Monotypien, Gouachen und Bilder in Mischtechnik zeigt weibliche Akte, deren Korrespondenz durch die unterschiedliche, zum Teil abgewandte Stellung zueinander und durch die Konturen durchbrechenden roten und gelben Farbflächen gestört ist. Diese Störung der Kommunikation wird in einem Bild zusätzlich deutlich durch den Einschub einer Collage, - eines ausgerissenen chinesischen Zeitungsartikels. Die gleiche Grundhaltung gilt für das an zentraler Stelle der Ausstellung sich befindende Bild mit dem Titel: Männlich, eine mit dem Oberkörper nach links gedrehte, nach hinten ausgestreckte Figur, die ihren nach links abgewendeten Kopf durch den Oberarm verdeckt, dafür aber ihren massiven Körper zur Schau stellt.
Der Hintergrund der Bilder zeigt ungeordnete Raumtiefen, die die Fixierung der Figuren - Individuen sind es ohnehin nicht - erschweren und sie damit an einen unbestimmten Ort, ein Überall und Nirgends versetzen. In diesem Kontext der Ortlosigkeit stehen exemplarisch die zwei Monotypien: Raum. Die Titel: Trümmerhaufen, Memento Mori, deuten auf eine Welt hin, wie sie uns heute als Orientierungslosigkeit, Konsensunfähigkeit und Werteverfall begegnen. Und dennoch, es ist keine programmatische Kunst und schon gar keine Sonntagsmalerei. Sie erfreut vielmehr durch die phantasievolle und kreative Formen- und Farbensprache der Monotypie und Mischtechniken, zeitgemäße Medien, deren Originalität auch nicht durch die geschicktesten Fälscher aufgehoben werden könnte, wohl aber vom Betrachter etwas an Wissen verlangt.
