Allgemeine Berichte | 23.09.2013

Der Ahrweiler Maler und Künstler ist im Alter von 85 Jahren gestorben

Trauer um Franz Ulrich

Franz Ulrich vor seinem April-Bild für den Engel-Kalender.HG

Ahrweiler. Als Malermeister hat er seiner Stadt durch kunsthandwerkliche Fassadenmalerei ein Gesicht gegeben. Immer wieder engagierte er sich mit Ideen und Taten für seine Heimat, weshalb ihm der Kreis Ahrweiler die Ehrenplakette verlieh. Und als Künstler gab er, dank seiner ganz speziellen Sicht auf die Ahr- und Eifelregion, Impulse zu einer wertschätzenden Wahrnehmung der Kulturlandschaft. Franz Ulrich ist am 16. September im Alter von 85 Jahren gestorben. „Handwerk, Kunsthandwerk, freie Kunst“, bildeten nach eigener Aussage die Schwerpunkte seines Wirkens. In die beruflichen Fußstapfen seines Vaters Peter Ulrich tretend, begann er 1942 eine Malerlehre. 1943 und 1944 absolvierte er in Posen ein Seminar für den Meisternachwuchs und gehörte 1944 beim Leistungswettbewerb in Würzburg zu den drei Reichsbesten im Malerhandwerk. Nachdem er 1947/48 die Werkkunstschule in Düsseldorf besucht hatte, bestand er 1953 die Meisterprüfung mit „Auszeichnung“. Ab 1960 durfte sich der Malermeister über Wettbewerbserfolge „Kunst am Bau“ und Preise bei Fassadenwettbewerben der Kreisstadt freuen. 1989 war er Bundespreisträger des Wettbewerbs „Beton formal und farbig gestalten“.

Die Stadt trägt seine Handschrift

20 Jahre arbeitete Franz Ulrich mit seinem Vater zusammen und führte nach dessen Tod 1973 die Werkstatt weiter. Mitte der 1970er Jahre beförderte der Bau von Fußgängerzonen in Ahrweiler und Bad Neuenahr Ulrichs Handwerk. Politischer Wille und Zeitgeschmack zielten nun auf eine Harmonisierung des Stadtbildes. Dessen maßgebliche Mitgestaltung ist das Verdienst Franz Ulrichs. Ob Renovierungen oder Neubauten, ganze Häuserzeilen und Straßenzüge in Ahrweiler tragen erkennbar seine Handschrift. Von ihm stammen sorgsam auf Gebäude und Umfeld abgestimmte Farb- und Formkonzepte. Sie umfassen Farbfelder, außerdem Dekore wie goldene Sternkreiszeichen (Haus Schüller) oder Heilkräuter (Ahrtor-Apotheke), Schrift und geschmiedete Ausleger. Dank seines Geschichtsinteresses wurde der Maler- und Kunsthandwerker auch denkmalpflegerisch tätig. So zeichnete er etwa verantwortlich für die Ausmalung der ehemaligen Synagoge.

Ruf der Kunst

Im Alter von 50 Jahren begann Ulrich seiner künstlerischen Ader zu folgen. Es entstanden Aquarelle, vor allem aber Öl- und Acrylbilder mit kaleidoskopartig aufgesplitterten Motiven. Ansichten von Ahrweiler, der nahen Umgebung und Eifelausblicke streichen die Besonderheiten der Siedlungs- und Landschaftsformen heraus. Mit diesen Arbeiten beteiligte sich Ulrich vielfach an den Ausstellungen der Are-Gilde, deren Mitglied er seit den 70ern war. Noch im Juni 2012 zeigte er in einer Einzelausstellung in Ahrweilers ehemaliger Synagoge Maare wie geschliffene Edelsteine und abstrakte Kompositionen. Auch auf Berufsebene entdeckte er für sich als Dozent für Farbe und Gestaltung an der Meisterschule in Koblenz ein neues Aufgabenfeld (1986 bis 1992). Es war Ulrich immens wichtig, „dass man sein Wissen an die junge Generation weitergibt“. Neben der Lehrtätigkeit und der Ausbildung seiner Lehrlinge hat er dies als Mitglied der Meisterprüfungskommission 30 Jahre lang praktiziert: Über 100 Anwärter führte er zur Meisterprüfung.

Publikationen

Um Ulrichs Häusergestaltung voll ins Visier zu kriegen, legen Passanten den Kopf in den Nacken, gleichfalls kennt seine freie Malerei viele Bewunderer. Ihnen kommt entgegen, dass Franz Ulrich sein Schaffen sehr gut dokumentiert hat. 1991 erschien die Kunstmappe „Eine malerische Wanderung“, 1993 sein Buch „Malerisches Ahrweiler“, 1997 der Kunstkalender der KSK Ahrweiler und 2002 brachte das Eifelvereinsmitglied seine „Malerblicke vom Rotweinwanderweg“ heraus. Im Jahr 2008 erschien zum 80. Geburtstag des Künstlers das Buch „Kostbar für Auge und Herz – Der Maler Franz Ulrich sieht seine Stadt – Gemälde und Wandbilder 1947 – 2008“ und noch 2012 Jahr kam zur Ausstellung „Neue Bilder“ eine Begleitpublikation mit demselben Titel heraus.

Engel als Beistand

Nachdem er im Jahr 2000 aus dem Beruf ausschieden war, engagierte er sich weiterhin für Ahrweiler, zum Beispiel im Heimatverein Alt-Ahrweiler, und freute sich über Besuche in seiner Maler-Galerie-Ulrich in der Delderstraße. Übrigens gehörte Ulrich auch viele Jahrzehnte dem Elitecorps der Ahrweiler St. Sebastianus-Bürgerschützengesellschaft an. In seiner Eigenschaft als Maler entsandte Franz Ulrich zwölf himmlische Begleiter ins Jahr 2010, das heißt, er vereinte seine 2006 bis 2009 entstandenen Engel-Bilder in einem Kalender, dessen Erlös er der Renovierung der Ahrweiler Zehntscheuer zugutekommen ließ. „Ich bin dankbar“, kommentierte er seinerzeit die Kalenderidee, „dass ich in meinem langen Leben einen Schutzengel hatte, der mir in schwierigen Situationen und in Krankheiten beigestanden hat“. So hoffentlich auch in seiner letzten Stunde.

Franz Ulrich vor seinem April-Bild für den Engel-Kalender.Foto: HG

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