Erfolgreicher Gesprächskreis Ahrwein
Über 100 Teilnehmer im AhrWeinForum
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Beim vergangenen Gesprächskreis Ahrwein mit dem Thema „Lies mich - das Flaschenetikett“, konnte Oliver Piel über 100 interessierte Teilnehmer im AhrWeinForum begrüßen. Unter den Teilnehmern waren auch zahlreiche amtierende und zukünftige Weinmajestäten anwesend, sowie die Ahrweinkönigin Jennifer Knieps. Unter der Moderation von Dr. med. Gerhard Kreuter führte Paul Gieler als Hauptreferent des Abends in die Geheimnisse des Weinetiketts ein.
Das Weinetikett
Das Weinetikett ist nicht nur Zeuge uralter Weintradition, sondern auch der „Personalausweis“ des Weines. Und ein Personalausweis enthält amtliche Daten, die sich aus der Gemeinsamen Weinmarktordnung der EU und aus dem nationalen deutschen Recht herleiten. Im System EU-geschützter Herkunftsbezeichnungen finden sich traditionelle Begriffe wie „Ahr“ als Qualitätsweinanbaugebiet oder in Prädikatsstufen wie Kabinett, Spätlese und Auslese wieder.
Weiter, eine Aufzählung der Orte, die sich beispielsweise an der Ahr "Weinorte" nennen dürfen. Der Referent meinte, es sei wohl der unaufmerksame Moment gebotener Aufmerksamkeit gewesen, der Ahrbrück in die Liste der Weinorte einträgt und Bad Bodendorf vergisst. Der Weinort Grafschaft ist allerdings mit ein wenig Fläche in den Lagen Marienthaler Stiftsberg und Neuenahrer Kirchtürchen dabei.
Aber dass die Ahr deshalb bis zur nördlichen Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen ausweitet wird, verursache nur Kopfschütteln. Eine zukünftige Ahrwein Marke „Gelsdorfer Weinkäfer“ höre sich doch recht komisch an.
Viele der Zuhörer hatten vom neuen „Landweinanbaugebiet Rhein“ noch nichts gehört. Dieses existiert neben dem Ahrtaler Landweinanbaugebiet. Dass sich der „Landwein Rhein“ von Ahrbrück bis Schweigen in der Pfalz ausweitet und alle dazwischen liegenden Qualitätsweinanbaugebiete einbezieht, lies aufhorchen.
Landweinanbaugebiete sprießen in Deutschland wie Pilze aus dem Boden. Sei es in Bayern, in Mecklenburg oder Brandenburg. Schon dies alles war kompliziert genug. Komplizierter musste es dann auch noch hergehen, wenn es um die Begriffe geht, die sich auf dem kleinen Stückchen Papier, dem Weinetikett als Pflichtangabe oder in genormter Freiwilligkeit wiederfinden. Oft sind dabei auch noch Schriftart, Schriftgröße und auch die Farbe vorgeschrieben.
Die juristische Welt
Egal was auf dem Weinetikett steht, ob Jahrgang, Weinbergslage, Geschmacksrichtung, Rebsorte und so weiter, alles ist peinlich genau geregelt und an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.
Der Umgang mit der juristischen Welt der Pflichtabgaben ist für den Winzer schon kompliziert, aber umso mehr steigert sich diese Qual beim Kunden. Kann er überhaupt noch unterscheiden, was denn Sache ist, an welchen Merkmalen erkennt er eine gute Weinqualität? Paul Gieler ging auf die wesentlichen Merkmale ein und gab dabei auch den ein oder anderen Käufertipp.
Die Verunsicherung des Weinkunden hat in den letzten Jahren sehr zugenommen. Es ist eine Chance für die relativ kleinen Weingüter an der Ahr, das Vertrauen des Kunden durch ehrliche Beratung zu gewinnen. Die Weinlandschaft Ahr bietet eine hervorragende Plattform und das Produkt Wein das pure Vergnügen. Wenn der Wein schmeckt, dann werden die Kunden wiederkommen und dann rücken die Buchstaben des Weinetiketts mehr oder weniger in den Hintergrund. Im zweiten Teil des Abends legte Marc Linden den Vegetationsverlauf des Jahres 2013 dar und verglich diesen mit den Jahren 2012 und 2011.
Der Vegetationsverlauf 2013
Das nasse und kalte Frühjahr warf die Vegetation bis zu vier Wochen zurück. Rasant erholt und aufgeholt hat diese aber in den beispiellosen Sonnenmonaten Juli und August. Der Abstand ist kleiner geworden und ganz nahe am 2012 Jahrgang dran, so Linden.
Er untermauerte dies anschaulich an den Wetterdaten der in den Weinbergen von Bad Neuenahr stehenden Wetterstation. Hubert Damian aus Mayschoß, mit 86 Jahren ein noch aktiven Winzer, schloss mit einem Ahr-Gedicht, dass seine Mutter während der französischen Besatzungszeit des Rheinlandes in den 1920 Jahren verfasste. Er bekam viel Applaus, insbesondere auch aus Dank, sich als älterer Zeitzeuge, immer wieder in den Gesprächskreis Ahrwein einzubringen. Der nächste Gesprächskreis Ahrwein, mit dem Thema „Rotwein als Anti-Aging-Mittel“, findet am 29. Oktober, um 19 Uhr in der Weinmanufaktur Walporzheim statt. Weitere Informationen gibt es beim Ahrwein e.V., Hauptstraße 80, in 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, Tel. (0 26 41) 9 17 10, Fax: (0 26 41) 91 71 51 oder unter der E-Mail Adresse: info@ahrwein.de.
