Ausverkauftes Synagogenkonzert der Villa Musica Ahrweiler war Premierenkonzert der Landesstiftung
Virtuose Musik verzauberte
Ahrweiler. Stühle mussten am Sonntagabend nachgestellt werden, so groß war der Andrang auf das Villa Musica Konzert in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler. Auf Initiative des künstlerischen Leiters der rheinland-pfälzischen Landesstiftung Villa Musica, Professor Alexander Hülshoff, ist eine neue Musikserie - Musik in der Synagoge - ins Leben gerufen worden. Das Premierenkonzert fand vor ausverkauftem Haus in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler statt. Die Musikprofessoren Alexander Hülshoff (Cello) und Andreas Frölich (Klavier) verzauberten mit virtuoser Musik und Kompositionen von Ernest Bloch, Ödön Partos, Max Bruch, Leonard Bernstein, Friedrich Gernsheim und Dmitri Schostakowistch das Publikum, das aus dem weiteren Umfeld aus Köln, Koblenz, Mainz und Düsseldorf den Weg in die Rotweinmetropole gefunden hatte.
An die Verwüstungen der Nationalsozialisten erinnert
Der Termin 3. November wurde von der Villa Musica ganz bewusst gewählt: Wenige Tage vor dem 9. November, dem Tag der Reichsprogrammnacht 1938, wurde an die Verwüstungen der Nationalsozialisten erinnert, denen so viele jüdische Synagogen zum Opfer fielen. Glücklicherweise gehörte die Synagoge in Ahrweiler nicht dazu. Sie überstand die Ära des Rassenwahns und kann heute als Mahnmal für das vernichtete jüdische Leben in Rheinland-Pfalz dienen.
In diesen Räumen in Ahrweiler wurde bis 1938 das „Kol Nidrei“, das „Nigun“, und das „Elohenu“ gebetet und gesungen. Die Stimmen der Gläubigen von damals sind verstummt. An ihrer Stelle singt das Cello die frommen Gebete, wortlos, als Mahnung und Meditation. Premiere hatte in der Ahrweiler Synagoge auch der Südwestrundfunk, der das Villa Musica Konzert aufzeichnete und später senden wird.
„From Jewish life“
Die Synagogenkonzert-Organisatoren Klaus Liewald und Gerd Weigl bereiteten den SWR-Rundfunkleuten optimale Bedingungen zur Aufzeichnung. Mit der dreisätzigen Suite „From Jewish life“ („Aus jüdischem Leben“) von Ernest Bloch startete ein nachdenkliches, konzentriertes und virtuoses Konzert, das die Zuhörer in seinen Bann zog. SWR-Tonmeisterin Christiane Wilde war voll des Lobes über ein störungsfreies Arbeiten dank der Disziplin des Publikums. Die drei Sätze der Suite „Gebet“, „Flehen“ und „Jüdisches Lied“ haben die beiden Musiker noch um zwei wunderschöne jüdische Stücke aus Blochs restlichem Schaffen erweitert: die „Hebräische Meditation“ und das chassidische Gebetslied „Nigun“. In einer Bearbeitung für Cello und Klavier erklang das Werk „Yiskor“ des Komponisten Ödön Partos, benannt nach dem jüdischen Trauergottesdienst für die Verstorbenen.
Der Komponist Max Bruch kam als einer der ersten auf die Idee, jüdische Gesänge in instrumentale Form zu kleiden und dadurch in „Gebete ohne Worte“ zu verwandeln. Sein Werk „Kol Nidrei“ nannte er selbst ein „Adagio nach hebräischen Melodien“.
Geheimnis der göttlichen Offenbarung
Die drei Meditationen aus dem zweistündigen Mammutwerk „Mass“ werden im Gegensatz zum Gesamtwerk heute häufiger gespielt. Es sind Meditationen des Juden Bernstein über das Geheimnis der göttlichen Offenbarung. Sie zeigen den Komponisten der „West Side Story“ von einer wenig vertrauten Seite. Im zweiten Teil des Konzertes standen Kompositionen von Friedrich Gernsheim und Dimitri Schostakowitsch im Mittelpunkt. Gernsheim Komposition „Elohejnu“ bedeutet im hebräischen „unser Gott“. Im „Schma Israel“, dem jüdischen Glaubensbekenntnis beim Morgen- und Abendgebet, steht es an zentraler Stelle. Es ist das einzige Stück mit jüdischer Thematik im Werk des Wormser Komponisten. Drei Monate vor seinem Tod komponierte Dmitri Schostakowitsch mit letzter Kraft seine Sonate, op. 147, in der er seine Lebensrückschau in die Klänge einer Bratschensonate goss. In den Sätzen „Moderato“, „Allegretto“ und „Adagio“ zeigten Alexander Hülshoff und Andreas Frölich ihre ganze instrumentale Virtuosität, die vom Publikum mit langanhaltendem Beifall belohnt wurde.
Die Villa-Musica-Konzerte in der Ehemaligen Synagoge in Ahrweiler werden eine Fortsetzung finden, denn Villa Musica ist an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert. „Champions League“-Konzerte sind damit auch in der Rotweinmetropole Ahrweiler weiterhin garantiert. Als nächstes Konzert der Villa musica gastieren am Samstag, 1. Februar 2014, 20 Uhr, Hagai Shaham, Violine, und Arnon Erez,, Klavier. Sie spielen Werke von Bloch, Hubay, Beethoven und Brahms.
