Ein sommerlicher Lichterabend
Von Country bis Kölsch und Pop
Band gastierte nach 18 Jahren wieder beim Marienthaler Lichterabend
Marienthal. Der australische Leierschwanz hatte die Federn gespreizt und war aufnahmebereit. Den Vogel hatte Lichterabend-Organisator und Metallbildhauer Friedhelm Pankowski als Skulptur geschaffen und nicht umsonst zum zweiten Lichterabend 2013 auf einem Mauersims in der Marienthaler Klosterruine platziert. In der Tierwelt sei er bekannt als Sänger, Tänzer und Imitator und könne „ein Typ sein, der für unsere Veranstaltung steht“, erklärte Pakowski. Viel hätte ein echter Leierschwanz zu imitieren gehabt nach dem Konzert der Formation „Country Lane“. Gut zweieinhalb Stunden Musik pur bot sie, hatte aber auch einiges nachzuholen, denn schließlich war es fast auf den Tag genau 18 Jahre her gewesen, dass die fünf Musiker das erste und letzte Mal an dieser Stelle auftraten. Dabei gefiel das Ambiente nicht nur den Kölnern, sondern auch den Zuhörern, die diesmal wieder zahlreich erschienen waren. Countrymusik stand klar im Vordergrund bei diesem Konzert, das vier Jahrzehnte Musikgeschichte widerspiegelte: Praktisch im Sinne der Songs, die die fünf Kölner interpretierten, und theoretisch im Sinne der Erläuterungen und Rückblicke, die Frontmann Arno Busch zu den einzelnen Songs gab. Elvis‘ 1954 aufgenommene erste Single, „That’s all right“, deren B-Seite „Blue Moon of Kentucky“ und deren Ursprünge waren dabei Thema. Und auch, dass es seit 1982 mit dem Aufkommen der CD mehr Moll- als Dur-Aufnahmen gebe, wie Busch wusste, ohne auch eine Erklärung dafür zu haben. Mehr Dur als Moll, weil eher ältere als jüngere Songs nahm sich „Country Lane“ für das Konzert in Marienthal vor. Von „Banks of the Ohio“ über „Blue Suede Shoes“ bis „California Blue“ reichte das Spektrum. Ein Mundharmonika-Solo zu „Route 66“ fehlte genauso wenig wie singende Gitarrensaiten zu Carlos Santanas „Black Magic Woman“ und immer wieder der gehörige Griff in die Tasten des Keyboards etwa bei „Mustang Sally“. Dabei sowie auch bei Fleetwood Macs „Dreams“ oder Neil Youngs „Harvest Moon“ übernahm die Glasgower Sängerin Kim Howbridge das Mikrophon von Frontmann Arno Busch, der wiederum mit seinen Kollegen sogar eine A-Capella-Version von „King of the road“ zum Besten gab. Der locker-lässige Ton der Band ging in die Hände und Beine der Zuhörer: Bald klatschten viele im Takt mit, und immer wieder wippten die Füße auch zu Songs von den Everly Brothers und Kris Kristofferson. Ein Paar wagte sogar ein Tänzchen im Mauerwinkel. Auf die Einflüsse der Countrymusik und von Country-Komponisten wie Carl Perkins, Hank Williams, Johnny Cash und Jerry Lee Lewis auf die Beatles und die Rolling Stones sowie auf die Eagles und Carlos Santana ging Busch nicht nur in seinen Anmoderationen ein, die Band setzte diese auch hörbar um. Rock’n‘ Roll und Rockabilly, Swing- und Rockklänge schlugen den Bogen von Country bis Pop, den die Band nachzeichnete. Und auch Kölsche Klänge passten ins Programm, das die Musiker, die in dieser Besetzung seit 1989 gemeinsam agieren, immer wieder mit Spontaneinfällen auffüllten: „Drink doch ene met“ erklang passenderweise kurz vor der Konzertpause und „Die Zick vin dä drei op d’r Linie zwei“ ganz am Konzertende. Aber erst nach „Bye bye my love“ und Cliff Richards „Summer Holiday“ war wirklich Schluss. Ein letztes Mal in diesem Jahr Gelegenheit beim Marienthaler Lichterabend das Wochenende schwungvoll ausklingen zu lassen, gibt es am kommenden Sonntag, 28. Juli. „Eine musikalische Skandinavienreise“ unternehmen dann ab 19 Uhr - Einlass ab 17.30 Uhr - die Sopranistinnen Alexandra Tschida und Astrid Pitzner sowie Vladislawa Koll am Klavier und Ute Wagner mit ihren Geschichten mit dem Publikum. Karten und Infos unter Tel. (0 26 41) 2 52 31.
