Bürgerverein Synagoge Ahrweiler lädt ein
Vortrag über Rahel Varnhagen
Ahrweiler. Der Bürgerverein Synagoge lädt ein zum Vortrag „Rahel Varnhagen: Außenseiterin - Aufklärerin - Jüdin. Ein Frauenschicksal in der Romantik“ von Ingeborg Heins, Dozentin für Literatur an der Kreisvolkshochschule Ahrweiler, am Freitag, 12. April, um 20 Uhr in der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler, Altenbaustraße 12a. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.
„Ich bin so einzig, wie die größte Erscheinung dieser Erde. Der größte Künstler, Philosoph, oder Dichter ist nicht über mir. Wir sind vom selben Element. Im selben Rang, und gehören zusammen. Und der den andern ausschließen wollte, schließt nur sich aus. Mir aber war das Leben angewiesen; und ich blieb im Keim, bis zu meinem Jahrhundert und bin von außen ganz verschüttet, drum sag‘ ich’s selbst.“ Diese Briefzeilen gingen im Jahre 1805 an David Veit, einen jüdischen Medizinstudenten und Freund der Verfasserin. Die Kühnheit ihrer Worte hat Anstoß erregt. In Wirklichkeit aber sind sie eine objektive Selbstdefinition mit historischem Überblick, den nur sie geben konnte, denn sie wusste, welche Fähigkeiten sie hatte, die nicht zur Geltung kommen konnten, da es noch keine Entfaltungsmöglichkeiten für sie gab, kein angemessenes öffentliches Forum. „Ich blieb im Keim, bis zu meinem Jahrhundert.“ Ihr Jahrhundert ist freilich nicht das 18., in dem sie lebte. Ihr Denken, radikal und kompromisslos, führt aus ihrer Zeit hinaus und ist weitaus vorurteilsfreier als z.B. das Denken der Aufklärer, die alle Männer waren, allerdings mit einer Ausnahme - Nichtjuden. Die Aufklärung versagte an ihren gesellschaftlichen Außenseitern: den Frauen und den Juden. Rahel Levin, verheiratete Varnhagen von Ense, Salonière, Brief- und Tagebuchschreiberin, als Jüdin doppelt von der Gesellschaft ausgeschlossen, existierte lange Zeit nicht für die germanistische Philologie. Ihr Frau- und Jüdinsein erschwerte lange Zeit eine angemessene Würdigung ihrer Lebensleistung, die zudem zur gängigen Literatur nicht passte, da Briefe als bloßes weibliches minderes Schreiben galt.
