Allgemeine Berichte | 25.11.2013

9. Ahrtalgespräch des Fördervereins der Europäischen Akademie und der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler

Wer arm ist, stirbt früher?

Podiumsdiskussion über soziale Gesundheitsungleichheiten

V. l. Guido Orthen, Dr. Stefan Huster, Prof. Dr. Friedrich Breyer, Dr. Felix Thiele, Friedhelm Boruki, Dr. Gerhard Kreuter im Gespräch. FIX

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Warum ist Gesundheit, auch in Deutschland, je nach sozialer Schichtzugehörigkeit unterschiedlich ausgeprägt?“ Mit dieser Frage eröffnete Prof. Dr. Stefan Huster, Jurist an der Ruhr-Universität Bochum, die Podiumsdiskussion im Rahmen des Ahrtalgesprächs. Zum neunten Mal hatten der Verein der Förderer der Europäischen Akademie Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. und die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Rathaussaal eingeladen.

Neben dem Juristen Huster konnte der Sozialökonom Prof. Dr. Friedrich Breyer von der Universität Konstanz als Diskussionspartner gewonnen werden. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Guido Orthen, moderierte PD Dr. Felix Thiele, stellvertretender Direktor der Europäischen Akademie, den Abend und bezog nach kurzen Stellungnahmen der beiden Referenten auch die rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer mit ein, die rege an der Diskussion teilnahmen.

„Bekommt der Sozialstaat neue Verantwortungen, wenn Gesundheitsgrad und soziale Schichtzugehörigkeit zusammenhängen?“, fragte Huster in seiner Stellungnahme. Um diese Frage beantworten zu können, müssten die Gründe für die sozialen Gesundheitsungleichheiten genauer untersucht werden, so der Jurist. So seien neben der medizinischen Versorgung und der genetischen Disposition auch die Umweltbedingungen an Wohnort und Arbeitsplatz, der Lebensstil und sozialstrukturelle Faktoren maßgebliche Determinanten für Gesundheit und Krankheit. „Eine wichtige Frage ist dabei, ob und inwieweit diese Ungleichheiten mit dem eigenverantwortlichen Verhalten der Betroffenen zu tun haben“, erklärte Huster. Er unterscheidet zwischen unterschiedlichen Arten des gesundheitsriskanten Verhaltens: Während punktuelle Entscheidungen – etwa für eine Hochrisikosportart – der Eigenverantwortung zugeschrieben werden könnten, sei das mit Blick auf Lebensstile wie Ernährungsgewohnheiten sehr viel schwieriger. Daneben sei bisher auch noch unklar, auf welcher Grundlage überhaupt beurteilt werden solle, ob soziale Gesundheitsungleichheiten ungerecht seien. „Um hier voran zu kommen, müssen wir diese Frage in Beziehung zu allgemeineren Vorstellungen sozialer Gerechtigkeit setzen.“ So sei etwa unklar, ob gesundheitliche Ungleichheiten bereits als solche ungerecht seien oder ob es auf die Ungerechtigkeit der zugrundeliegenden Ursachen ankomme.

Der zweite Redner des Abends, der Sozialökonom Breyer, ging anschließend auf das deutsche Sozialversicherungsrecht ein und nahm damit Bezug auf seinen Vorredner und die von Huster beschriebene kürzere Lebenserwartung von Menschen mit geringerem Einkommen: „Durch die strikte Proportionalität zwischen Beiträgen und monatlicher Rente werden die sozialen Unterschiede im Einkommen derzeit noch verstärkt, da Geringverdiener kürzer leben und daher auch insgesamt geringere Renten beziehen, als es ihren Beiträgen entspräche.“ Breyer beschrieb in seinem Kurzvortrag einen Weg, wie dieser Effekt beseitigt werden könne, nämlich eine neue Formel für die Zuweisung von Rentenansprüchen, die mit dem Einkommen degressiv steigt. Dabei ging er auch auf die Gefahr zunehmender Altersarmut ein und zeigte, dass die von ihm beschriebene Rentenreform die zukünftige Altersarmut drastisch senken würde.

V. l. Guido Orthen, Dr. Stefan Huster, Prof. Dr. Friedrich Breyer, Dr. Felix Thiele, Friedhelm Boruki, Dr. Gerhard Kreuter im Gespräch. Foto: FIX

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