„Wie geht Ahrwein?“
Gesprächskreis Ahrwein tagte zum 25. Mal
Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Trotz zweier Parallelveranstaltungen in Dernau und Rolandseck ein nahezu überfülltes Weingut Sonnenberg“, dies war die Feststellung des stellvertretenden Geschäftsführers des Ahrtal-Tourismus, Oliver Piel.
„Die Qualität der Vortragsreihen hoch zu halten ist unser Ziel“, so moderierte es der bekannte und beliebte Chefarzt a.D. Dr. med. Gerhard Kreuter. Daran zweifelte niemand, denn auch bei der 25. Veranstaltung im fünften Jahr nach der Gründung, bekamen die Zuhörer wieder viele Informationen zum heimischen Produkt, dem Wein.
Wie geht denn Ahrwein? Diese Frage stand hinter der Überschrift des Referats „Nach der Lese“ von Paul Gieler. Am Beispiel der Leitrebsorte der Ahr, dem blauen Spätburgunder, wurden tief gehende Prozesse und Hintergründe aufgeklärt, die auch dem kundigen Weingenießer oftmals Rätsel aufgeben. Obwohl etwa 70 Prozent der Weinqualität im Weinberg gewonnen werden, sind die verbleibenden 30 Prozent bei der Weinbereitung im Keller eine Abrundung für Spitzenqualitäten, die die Spätburgunder der Ahr vom Stiefkind zum Rotweinstar aufsteigen ließen.
Wie wird denn eigentlich aus blauen Trauben roter Wein? Eine Frage, die beim tieferen Nachdenken nicht gerade simpel ist. Wie genau, oder besser gesagt wie ungenau ist die Mostwaage nach Oechsle und weshalb schwanken die Alkoholwerte bei der Umsetzung des vorhandenen Zuckers? Wo liegen die Vorteile aber auch die Nachteile von natürlichen Hefestämmen zu denen der Reinzuchthefen? Wie stützen die natürlichen Hefen den Geschmack des Ursprunggebietes im Wein und damit den Weinstil des Ahrburgunders? Auf alle diese Fragen ging Paul Gieler in seinem „Drehbuch der Weinbereitung“ ein. Diese wurden von ihm in den einzelnen Arbeitsschritten zu den Weintypen Rotwein, Roséwein, und Blanc de noir erläutert. Mahlen und Abbeeren, Saftentzug, Erhitzen, Mazeration, Pressen, Vorklärung, Gärung, biologischer Säureabbau, Abstich und Filterung, sowie Ausbau im Edelstahl und Holzfass standen im Mittelpunkt des informativen Referats.
Weinbautechniker Reinhold Kurth und Winzermeister Marc Linden gingen auf die Entwicklung des 2012er Jahrgangs ein. Obwohl die Erntemenge nur zwei Drittel eines Normaljahrgangs betrug, sind die Qualitäten ausgezeichnet und stehen nicht wesentlich hinter denen des Jahrgangs 2011. Eine Reihe von Fragen, vor allem zur schwefligen Säure im Wein, zu den Reinzuchthefen und zur Wirkung und Weinstil der Kaltmazeration - Abkühlen der Maische und deren Einweichen über einen längeren Zeitraum - kamen von dem fachkundigen Publikum. Auch erfreulich war, dass einige neue Interessenten im Gesprächskreis, angereist aus Köln, Aachen und Bonn, ihre Zusage zum regelmäßigen Besuch künftiger Veranstaltungen gaben.
