Salon-Gespräch in der Bad Neuenahrer Villa Aurora
Zur Abwechslung einmal Kabarett
Wortkünstler Bodo Mario Woltiri regte zum Schmunzeln und Nachdenken an
Bad Neuenahr. Einer musste immer dran glauben beim gleichnamigen Soloprogramm des Bonner Wortkünstlers Bodo Mario Woltiri. Er gastierte am Sonntag beim nunmehr vierten „Salon-Gespräch“ in der Villa Aurora zusammen mit seinem musikalischen Wegbegleiter Ralf Niesen. Dabei verpackte der Kabarettist und Autor seine Wort- und Gedankenspiele in entzückende Gedichte oder Kurzgeschichten, Szenen und Lieder. 40 Gäste im Jugendstil-Ambiente des Salons Rembrandt waren hellauf begeistert ob der Wortgewandtheit des Bonner Künstlers. Das Publikum wächst langsam, aber sicher zu einer verschworenen Gruppe zusammen, die Initiatorin Gudrun Raethel persönlich begrüßen kann.
Erstmalig standen keine Vorträge, sondern das Kabarett im Mittelpunkt des Salon-Gesprächs. Unter dem Titel „Einer muss dran glauben“ spannten die beiden Künstler einen Bogen von Gedichten und Geschichten bis zu Eigenkompositionen und klassischen Instrumentalstücken. In vielen Texten Bodo Mario Woltiris tauchen eigenwillige Neuschöpfungen bekannter Marken und Menschen auf: So berichtete der Bonner Kleinstadt-Dandy Harry Beau von seiner Europareise mit der Gräfin Nutella Tutti im roten Ferrero (später von der Toffi-Fee mit den Waffeln einer Frau geschlagen), und Kein und Fabel wurden zu Hauptpersonen im ersten Mordfall der Weltgeschichte. Um Kriminalfälle der Bibel ging es auch in der Geschichte „Machtkampf“, die Woltiri in Auszügen vorstellte. Und im „TV-Chat zum Sonntag“ fanden sich neben Pater Brown alle TV-Serienhelden wieder. Um Ordnung als eine der Deutschen liebsten Tugenden ging es in einem anderen Text: Der Bonner Wortkünstler rief die Straßenverkehrs- sowie die Strafprozessordnung in Erinnerung, berichtete von Abgeordneten bei außerordentlichen Parteitagen, ging ihr zwischen Ordnungshüter und geordnetem Nachlass nach und forderte schließlich ein „ordentliches Begräbnis“. Kunstvoll verpackte er eine Geschichte rund um das „Ei“: Einheit, Eifel, iPad oder der politische Eiertanz - mit Biss und sympathisch-spitzzüngig begeisterte Woltiri sein Publikum mit jeder Geschichte aufs Neue. Sehr amüsant waren auch seine Vokalgedichte in der Nachfolge von Ernst Jandl, doch statt Ottos Mops war hier Bodos Frosch der Held. Ähnlich lustig ging es in der chinesischen Ling-Dynastie mit so namhaften Abkömmlingen wie Säug-Ling, Feig-Ling und Emporkömm-Ling zu.
Gitarrist Ralf Niesen ergänzte das Spiel mit Worten durch virtuoses Saitenspiel. Seine musikalische Unterstützung bildete einen abwechslungsreichen Rahmen für Woltiris Texte. Einen gemeinsamen Schlusspunkt setzten die beiden Künstler mit zwei lyrischen Texten, untermalt mit klassischen Gitarrenklängen.
Initiator und Veranstalter der Salon-Gespräche in der Villa Aurora in Bad Neuenahr ist das Ehepaar Gudrun und Rudolf Raethel aus Bad Neuenahr. Die Veranstaltungsreihe bietet einem breiten Publikum Vorträge zu aktuellen Themen und anschließend die Möglichkeit zum Austausch.
