Politik | 12.05.2015

Regionen an Mittelrhein und Mosel forderten bei Demo in Koblenz schnellstmögliche Verbesserungen

„Bahnlärm macht krank!“

Güterzüge rund um die Uhr führen zu unmutbaren Belastungen

Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig: „Wir sind mitten unter Ihnen!“

Koblenz. In Sachen „Bahnlärm“ stehen die Regionen und zahlreichen (zum Teil örtlichen) Initiativen zusammen und fordern klare und schnelle, vor allem zielgerichtete Maßnahmen. „Nicht reden, handeln“, forderte Oberbürgermeister Professor Dr. Joachim Hofmann-Göttig am vergangenen Samstag auf dem mit über 2.000 Demonstranten gut gefüllten Koblenzer Bahnhofsvorplatz. „Es darf keine Entscheidung zwischen Geld und Menschenleben geben! Die Stadt Koblenz steht nicht nur an der Seite der Demonstranten, sondern ist mitten unter ihnen!“

Zunächst jedoch begrüßte Franz Breitenbach, Sprecher der IG Schutz gegen Bahnlärm und Erschütterungen e.V. Bad Hönningen, im Namen aller beteiligten Bürgerinitiativen und formulierte die fünf Schutzziele: Sofortiger Schutz von Leben vor Lärm, Erschütterungen und Feinstaub, sofortiger Schutz der Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr, Anspruch auf Gesamtlärmberücksichtigung, Schutz von Eigentum vor Lärm und Erschütterungen und Schutz vor Gefahrguttransporten.

Hofmann-Göttig folgten mit einem weiteren Grußwort Dr. Alexander Saftig (Landrat Mayen-Koblenz) und dann die Redner Frank Gross, „Pro Rheintal“-Vorsitzender, die beiden rheinland-pfälzischen Minister für Verkehr sowie Umwelt, Roger Lewentz und Ulrike Höfken, der parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser, der Bürgermeister und Umweltdezernent der Stadt Wiesbaden, Arno Goßmann, sowie der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel.

Ihnen allen gemein ist das Verlangen nach einem Nachtfahrverbot, nach einer Umleitung der Güterzüge und nach einer Lärmreduzierung - und zwar bald (BLICK aktuell berichtete bereits mehrmals über die einzelnen Forderungen) - auf Seiten der Bahn stößt man dabei jedoch auf wenig Verständnis und Unterstützung „es tut sich einfach nichts!“

Dr. Saftig: „Wir haben ein wahnsinnig schönes Rhein- und Moseltal, aber was nützt all´ die Schönheit, wenn man nachts nicht schlafen kann. Wir alle wollen und sollen den Tourismus fördern, aber die Rheinromantik geht durch die Bahn verloren.“

Der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel engagiert sich seit fast zwei Jahrzehnten gegen den Bahnlärm am Mittelrhein. „Wir wollen die Halbierung des Lärms zum frühestmöglichen Termin. Unsere Geduld ist aufgebraucht. Selbstverständlich unterstützen wir jede denkbare alternative Planung - sei es rechts- oder linksrheinisch, oder sei es eine große Tunnelplanung zwischen Bischofsheim in Hessen und St. Augustin bei Bonn; aber das sind langfristige Lösungen, die uns hier und jetzt nicht helfen. Deshalb sage ich: Neben einer langfristigen muss es vor allem kurzfristige Lösungen geben, um den Lärm endlich substanziell zu verringern.“

Besonders freute er sich, dass in den letzten Jahren nun endlich Dynamik in diese Debatte gekommen sei und das Thema „Bahnlärm“ auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist, dank dem unermüdlichen Einsatz engagierter Bürgerinnen und Bürger.. Mit seinem SPD-Kollegen Detlev Pilger aus Koblenz und seiner grünen Kollegin Tabea Rößner aus Mainz hat er im Bundestag die Parlamentsgruppe „Bahnlärm“ gegründet. Anfangs waren es hier nur eine Handvoll - inzwischen haben sich bereits über 120 Kolleginnen und Kollegen dieser parteiübergreifenden Initiative im Bundestag angeschlossen.

Frank Gross forderte in erster Linie - unter lautstarkem Attestieren - ein generelles Nachtfahrverbot: „Niemals, niemals hätte ich mir vorstellen können, dass wir im Jahr 2015 noch von Seuchen heimgesucht werden und nicht Pest und Cholera, sondern der Bahnlärm zur Geisel der Menschheit wird. Wir kämpfen hier an Rhein und Mosel um unser Leben.“

Roger Lewentz, rheinland-pfälzischer Innenminister und Minister für Infrastruktur, überbrachte die Unterstützungsgrüße der Ministerpräsidentin Malu Dreyer und rief den Bürgerinnen und Bürgern zu: „Wir stehen an Ihrer Seite! Ich danke allen, die seit Tag und Jahr organisieren, vorbereiten und die Demonstration auf die Beine gestellt haben. Ich freue mich, dass auch Freunde und Verbündete der Fluglärm-Gegner sowie Menschen aus dem Rheingau, Rheinhessen und aus dem gesamten Weltkulturerbe anwesend sind.“

An der Kundgebung nahmen die folgenden Bürgerinitiativen teil: - Pro Rheintal e.V., Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn e. V., BIN gegen Bahnlärm e. V. Bad Honnef, BIN gegen Bahnlärm VG Linz e. V., IG „Schutz gegen Bahnlärm und Erschütterungen e. V.“, Bad Hönningen, IG gegen Bahnlärm und -erschütterungen e. V., Leutesdorf, WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e. V. und Bürgerinitiative gegen Bahnlärm im Moseltal e. V..

Sowie an Städten und Landkreisen die Stadt Bonn, Stadt Koblenz, Stadt Wiesbaden, Kreis Ahrweiler, Kreis Mayen-Koblenz, Rhein-Hunsrück-Kreis, Kreis Mainz-Bingen, Rhein-Sieg-Kreis, Kreis Neuwied, Rhein-Lahn-Kreis und der Rheingau-Taunus-Kreis.

Musikalisch begleitet wurde die zweistündige Veranstaltung von Jens Martienssen, der bekannte Lieder auf die Probleme des Bahnlärms umgetextet hatte, und von einer lautstarken Trommlergruppe.

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Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig: „Wir sind mitten unter Ihnen!“
Die Teilnehmer der Demo machten deutlich, was diese von der Lärmbelästigung der Bahn halten. -STUKO-

Die Teilnehmer der Demo machten deutlich, was diese von der Lärmbelästigung der Bahn halten. Fotos: -STUKO-

Über 2.000 Demonstranten nahmen an der Koblenzer Kundgebung teil.

Über 2.000 Demonstranten nahmen an der Koblenzer Kundgebung teil.

Zahlreiche prominente Unterstützer waren nach Koblenz gekommen.

Zahlreiche prominente Unterstützer waren nach Koblenz gekommen.

Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig: „Wir sind mitten unter Ihnen!“

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