„Bau und Pflege von Wanderwegen“: Remet lud Kommunen zum Fachkurs des Deutschen Wanderinstituts
Die Qualität der Traumpfade fortlaufend sichern
Kreis MYK. Damit ein mit „Brief und Siegel“ ausgezeichneter Premiumwanderweg auf Dauer hält, was er verspricht, müssen umfangreiche Maßnahmen getroffen werden. Für die „Traumpfade“, die Premiumwege des Landkreises Mayen-Koblenz, lud die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) jetzt zur zweitägigen Schulung „Bau und Pflege von Wanderwegen“ in Theorie und Praxis ein. Inhalt des vom Deutschen Wanderinstituts in Marburg neu entwickelten Fachkurses sind die laufende Kontrolle des Wegezustands sowie die regelmäßigen und außerordentlichen Pflegemaßnahmen. Treffen an der Hochsimmerhalle am Ortsrand von Ettringen, am Startpunkt des Traumpfades „Vulkanpfad“. In 400 Meter Höhe ist es hier um neun Uhr morgens noch empfindlich kühl, auch wenn es ein herrlicher Vorfrühlingstag zu werden verspricht. Der Blick auf den am Parkplatz stehenden Kleinlaster mit seiner Wagenladung geschälter Douglasienstämme verrät, dass heute einiges an Arbeit auf die hier Versammelten zukommt. „Gestern haben wir besprochen, was ein Premiumweg ist und was es bedeutet, ihn in einem Zustand zu halten, sodass er den Qualitätsansprüchen genügt“, ruft Klaus Erber, Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts, die tags zuvor in der Kreisverwaltung in Koblenz durchgenommene Theorie in Erinnerung. Bei den knapp zweieinhalb Dutzend Teilnehmern sind in erster Linie Mitarbeiter der Bauhöfe aus den Verbandsgemeinden und Städten des Kreises vertreten, aber auch Wegepaten und Wegemanager mit dabei. Bevor es losgeht, macht Erber noch klar: „Je mehr Einbauten die Wege haben, desto mehr Pflege ist hinterher nötig.“ Speziell für die Traumpfade betont der Wanderexperte: „Die hier erforderliche Pflege hat auch damit zu tun, dass diese Wege außerordentlich erfolgreich sind.“ Und erfolgreich bedeutet, hohe Wandererzahlen. Nach Schätzungen der Remet waren 2014 auf den Traumpfaden rund 310.000 Wanderer unterwegs. Wie stark dabei bestimmte Wegstrecken und Einbauten wie Treppenstufen in Mitleidenschaft gezogen worden sind, wird auf dem Vulkanpfad gleich die „Analyse im Feld“ ergeben. Die Teilnehmer werden dazu aufgeteilt: Erber übernimmt die eine Gruppe, die andere folgt Wanderinstituts-Mitarbeiter Ruedi Spiess, einem Schweizer Wanderwegspezialisten mit viel Erfahrung bei alpinen Wegen. Das „Team Erber“ bricht auf für den Aufstieg des Ettringer Bellbergs. Wenige Meter vor dem Gipfel macht die Gruppe Halt für den ersten „Ernstfall“ in Sachen Wegebau. Erber zeigt auf die steile erdige Schneise, die durch die Wiese verläuft und die unübersehbar stark frequentiert wurde. Er rät dazu, hier erst mal nicht einzugreifen, sondern zu beobachten, ob der Zustand der Schneise sich weiter verschlimmert. Falls ein Eingriff jedoch nötig wäre, hat er zwei Alternativen in petto. Zum einen könne man Serpentinen bauen, um das Steile herauszunehmen, und zur Lenkung der Wanderer zusätzlich einen Busch setzen. Oder man könne die Wanderer auf dem unterhalb der Wiese verlaufenden Weg noch ein Stück weiter nach oben und erst dann auf die steile Wiese führen. Nachdem die Teilnehmer auf dem Bellberg den traumhaften Vulkanausblick genossen haben, geht es auf der anderen Seite wieder herunter. „Wie haben Sie das Runtergehen empfunden?“, fragt Erber im Anschluss. Er will darauf hinaus, dass der Wegebelag hier aus schnell trocknendem Basalttuff-Verwitterungsmaterial besteht, das eine Rutschgefahr darstellen könnte. Der Wanderexperte sieht zwar momentan keinen Handlungsbedarf, rät aber auch hier zur Beobachtung und eventuellem Treppenstufenbau. Auch eine hervorstehende Brombeerhecke ist für Erber noch kein Sicherheitsproblem, sollte aber zurückgeschnitten werden, bevor sie grün wird.
Kursteilnehmer zeigen Interesse
Die Kursteilnehmer beteiligen sich rege am Austausch, bringen auch selbst Themen wie abgeknickte oder tote Äste in den Bäumen in die Diskussion - standen bei der Schulung tags zuvor doch auch Gesetzeslage und Haftungsgrundlagen auf dem Stundenplan. Anhand von Beispielen entlang des Weges kommt der sichere Standplatz von Rastbänken genauso zur Sprache wie der richtige Abstand eines Geländers zur Hangabbruchkante. „Sehen Sie mal, was auf Sie zukommt“, sagt Erber während der Wanderung immer wieder. Und: „Machen Sie Vorschläge.“ Was in der Theorie bereits durch Bildmaterial verdeutlicht wurde, wird nun in der „Feldanalyse“ durch persönliche Anschauung vertieft. Das betrifft gerade die bereits vorhandenen Treppen. „Bequemes Hinabsteigen sollte möglich sein“, sagt Erber und schränkt schmunzelnd ein: „Aber wir sind hier nicht im Wohnhaus.“ An einer Treppe empfiehlt er das Wegkratzen von Erde auf den Stufen, damit der Fuß des Wanderers flach auftreten kann. An anderer Stelle muss saniert werden, da aufgrund der starken Begehung eine Stufe ganz weggebrochen ist. Einem geraden und breiten erdigen Weg ist nicht mehr anzusehen, dass er einst ein Wiesenweg war. „Dieses Stück ist ganzjährig feucht und wird sich als Wiese nicht mehr darstellen“, sagt Erber. Was also tun? Der Wanderinstituts-Vorsitzende rät, in der besonders schmierigen Wegesmitte eine meterbreite Spur mit Hackschnitzeln zu legen und gibt den Kursteilnehmern gleich einen weiteren hilfreichen Tipp mit: „In hängigen Situationen sollten Sie in einem solchen Fall mit gebrochenem Kies arbeiten. Der rollt nicht herunter oder wird wie Hackschnitzel weggeblasen.“ Mittlerweile auf dem „Siewe Stuwe Weg“ unterwegs, der an den in die Lava-Schlacke gehauenen Höhlen „Sieben Stuben“ vorbeiführt, hört die Gruppe schon von Weitem eifriges Hämmern und Sägen. Beim Näherkommen sehen sie, dass das Team von Ruedi Spiess in kurzer Zeit schon ganze Arbeit geleistet hat. An einem Felsstück, wo man zuvor bei Nässe Gefahr lief, zu rutschen, findet der Wanderer nun eine trittsichere Treppe vor. „Wir hatten hier eine optimale Situation, konnten mit Hammer und Meißel Widerlager für die Stufen im weichen Fels ausschlagen und die zurechtgesägten Holzstämme dann im Felsen verkeilen“, sagt Spiess, der aus seiner alpinen Erfahrung Stufenbau auch ganz anders, nämlich im harten Granit, kennt. Mit den über mehrere hundert Meter weit herangeschleppten Douglasienstämmen haben die Mannen um Spiess auch eine Hangabsicherung entlang eines schmalen Wegestücks gebaut. Auch das „Team Erber“ macht sich in einiger Entfernung nun an die praktische Arbeit. Ein etwa zwölf Meter langes Wegstück, das aufgrund der hohen Wanderfrequenz eine Schräglage bekommen hat, wird zunächst mit Hacke und Rechen plan gemacht. Zusätzlich wird der Weg entlang der steilen Böschung mit dem Lagerholz aus dem Kleinlaster gesichert: das heißt drei Querbalken verlegt und sechs zurechtgesägte Pfosten eingeschlagen. „Gut gemacht“, lobt Erber, als er die kleine Strecke mit festen Tritten abgeht, „gut und sicher.“ Um dieses Wegstück nun in Schuss zu halten, reichten in Zukunft ein oder zwei Mal Rechen im Jahr. Denn der Fachkurs des Wanderinstituts dient auch dazu, zu zeigen: Wie kann man auf einem Premiumweg so nachhaltig bauen, dass man im Nachhinein so wenig Folgemaßnahmen wie nötig hat? Um den Weg über einen Hang zu „entschärfen“, baut das „Team Erber“ zu guter Letzt hier noch eine Treppe in Verbindung mit einer weiteren Hangabsicherung, sodass eine für den Wanderer bequem begehbare Schleife entsteht. Als der praktische Kursteil am frühen Nachmittag zu Ende geht, gibt es ein dickes Lob von Erber und Spiess für alle Beteiligten aus dem Kreis Mayen-Koblenz: „Wir hatten tolles Wetter, eine tolle Mannschaft und sind erstaunt, was Sie in kurzer Zeit alles an Maßnahmen fachgerecht umgesetzt haben.“
Pressemitteilung
Kreisverwaltung Mayen-Koblenz
