Soiree im Sayner Schloss zum Thema „Krieg und Frieden“
Fürstlicher Urahn kämpfte bei Völkerschlacht
Graf Wittgenstein war Oberbefehlshaber der russischen und preußischen Truppen
Bendorf-Sayn. Was hat die Völkerschlacht bei Leipzig vor genau 200 Jahren mit dem 460 km entfernten Bendorf-Sayn zu tun? Viel, sogar sehr viel, denn der Oberbefehlshaber der Russen und verbündeten Preußen war in diesem für Napoleon verlorenen Kampf der Ur-Ur-Ur-Großvater von Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Noch heute partizipiert der Fürst von der Berühmt- und Beliebtheit seines Vorfahren Graf Ludwig Adolf Peter (russ. Pjotr Christianowitsch) von Wittgenstein.
Soiree in der Reihe „KulturSayn!“
Der 200. Jahrestag der Völkerschlacht war in Bendorf Anlass für eine mit „Krieg und Frieden“ überschriebene Soiree in der Reihe „KulturSayn!“ im Gobelinsaal des Sayner Schlosses. Geschichtsinteressierte, die nicht zu den begeisterten 60 Gästen gehörten, können sich nur ärgern, dass sie eine solch informative und vom Fürsten mit Insiderwissen gespickte Soiree verpasst haben.Denn nicht nur im Gobelinsaal, sondern auch in den Privatgemächern der Fürstenfamilie, durch die der Fürst an diesem Abend führte, wurde diese Schlacht, die Napoleons Eroberungsdrang beendete, fast wieder lebendig.
Diese größte und wichtigste Schlacht der Befreiungskriege fand vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 unweit von Leipzig statt. Gegen die Truppen von Kaiser Napoleon hatten sich die Armeen Österreichs, Preußens, Russlands und Schwedens zusammengeschlossen. Insgesamt waren rund 530.000 Soldaten beteiligt - so viele wie noch nie zuvor. 200 000 von ihnen hatte der französische Kaiser. Man geht bei dieser Völkerschlacht von 120 000 Toten aus, 30 000 französische Soldaten wurden gefangen genommen.
Und da das alles so bedeutend war, schrieb der russische Schriftstelle Leo Tolstoi knapp 50 Jahre später seinen weltberühmten Roma „Krieg und Frieden“.
Die Kulturjournalistin Liselotte Sauer-Kaulbach berichtete aus dem Leben des Schriftstellers, der im ukrainischen Sewastopol den Krieg hautnah erlebt hatte. Raimund Riecke vom Stadttheater Koblenz las dann aus dem Roman einige Kapitel, in denen die Petersburger Gesellschaft, aber auch die Schlachten von Austerlitz und Krasnoje geschildert werden.
Spannender Vortrag
Äußerst spannend und aufschlussreich war der Vortrag von Fürst Alexander. Er schilderte erst die Vorfahren des Feldmarschalls und schließlich dessen Leben.
Ludwig Adolph Peter Graf zu Wittgenstein lebte von 1769 bis 1843. „Da die Russen mit dem Namen nicht zurecht kamen, nannte er sich Peter (Pjotr). Er war schon 1801 Chef des Husarenregiments“, führte Fürst Alexander aus. 1806 kämpfte Graf Wittgenstein mit seinem Regiment in dem russischen Oligarchenstaat Moldawien gegen die Türken. Aus Dankbarkeit, dass er sie von diesem Joch befreit hatte, schenkten die Moldawier dem Feldherrn ein Weingut in Kamenka, das heute in dem nicht anerkannten Staat Transnistrien liegt und eigentlich Fürst Alexander als rechtmäßigem Erben gehört, wären da nicht die Kommunisten mit ihren Enteignungen gewesen. „Wir werden öfter dorthin eingeladen, im vergangenen Jahr erneut“, berichtete der Fürst, „für Graf Wittgenstein gibt es dort zahlreiche Denkmäler und auch ein Krankenhaus ist nach ihm benannt.“ In Transnistrien wird Wein verarbeitet und laut Fürst zu Russlands bestem Cognac verarbeitet. „Es gibt ein Fass, in dem der Cognac 50 Jahr lang lagerte und der wurde vergangenes Jahr abgefüllt. Es gibt nur etwas über 1000 Flaschen. Die mit der Nr. 1 bekam Präsident Putin, die Nr. 2 erhielt ich“, berichtete der Fürst.
Ansporn für die Soldaten
Graf Wittgenstein, der 1834 von Wilhelm I. (er ließ später das Koblenzer Schloss errichten und seine Gemahlin Kaiserin Augusta schenkte den Koblenzern die wunderschönen Rheinanlagen) in den Fürstenstand erhoben wurde, spornte als Feldherr durch seinen Heldenmut die Soldaten an. So verteidigte Graf Wittgenstein mit seinem Heer die strategisch wichtige russische Stadt Pleskau und damit den Weg nach Petersburg. Als Dank schenkte die Stadt Pleskau dem Grafen das „Schwert des Erzengels Gabriel“, das heute noch im Sayner Eisenkunstguss- und Schlossmuseum zu sehen ist. In dem Museum und den fürstlichen Privaträumen sind zahlreiche Gemälde des berühmten Feldherrn und seiner Familie zu bestaunen.
„Gold (oder auch Haare!) gab ich für Eisen“
Fürst Wittgenstein, der bei den „Dekabristen“ war (ein revolutionärer Geheimbund gegen die autokratischen Zarenregime), starb 1842 bei einer Reise ins heute tschechische Lemberg. Die zahlreichen Kriege gegen Napoleon verschlangen nicht nur Menschenleben, sondern auch Material und Geld. Patriotisch gesonnene Damen der Gesellschaft spendeten deshalb unter dem Motto „Gold (oder auch Haare!) gab ich für Eisen“ ihren kostbaren Schmuck für die Befreiungskriege. Solch kunstvoll-filigrane Schmuckstücke, wie sie auch in der Sayner Hütte hergestellt wurden, zeigte Stefanie Geifes, Vorsitzende des Fördervereins Eisenkunstguss-Museum. Die kunstvollen Schmuckstücke aus Eisen stammen aus einer Privatsammlung und waren im Museum ausgestellt.