Der Kaufvertrag für das 27 Hektar große Grundstück ist unterzeichnet
Haribo kommt in den Ahrkreis
300 neue Arbeitsplätze sollen entstehen - Mitarbeiter für Produktion und Verpackung werden schon jetzt gesucht
Ringen. Der Goldbärenproduzent Haribo hat das 27 Hektar große Grundstück im Innovationspark Rheinland bei Ringen in der Grafschaft rechtskräftig gekauft, auf dem in den kommenden drei Jahren für geschätzte 500 Millionen Euro das neue Unternehmenshauptquartier mit insgesamt 500 Arbeitsplätzen, darunter 300 neuen Stellen, entstehen soll. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, doch der Grafschafter Bürgermeister Achim Juchem (CDU) betont, für Haribo seien „keine Extrawürste gebraten worden“. Ohnehin sei nicht der Kaufpreis das ausschlaggebende Argument gewesen, sondern die Größe des Grundstücks und die verkehrsmäßig optimale Anbindung. Nicht nur ein riesiges Logistikzentrum mit 50 Metern hohen Hochregallager-Gebäuden und 100.000 Stellplätzen für Paletten will Haribo hier errichten, sondern auch die technologisch fortschrittlichsten Produktionsstraßen der Welt im Lebensmittelbereich auf einer Fläche von 50.000 Quadratmetern. Dazu kommen noch hochmoderne Verwaltungsgebäude mit großzügig dimensionierten Büroräumen, denn ab 2017 soll die Zentrale des Unternehmens komplett in die Gemeinde Grafschaft umziehen, lediglich die für die Produktion in Bonn noch notwendige Betriebsverwaltung soll dort bleiben. „Dann wird auch der juristische Firmensitz in die Grafschaft verlegt“, bestätigte Haribo-Geschäftsführer Arndt Rüsges gestern bei einer Pressekonferenz im Ringener Rathaus. Dort wurden auch erstmals Bilder gezeigt, wie das zukünftige Haribo-Werk Grafschaft aussehen wird.
Modulare Bauweise
In einer modularen Bauweise sollen zunächst Hochregallager für die Logistik und eine Produktionsstraße mit einer Baumallee dazwischen, sowie davon abgesetzt ein modernes Verwaltungsgebäude errichtet werden. Je nach Geschäftsentwicklung seien bis zu drei weitere Ausbaustufen möglich, sie würden schon jetzt mit eingeplant, so Rüsges. Außerdem soll am neuen Standort ein „Haribo-Museum“ nebst einer „Haribo-Erlebniswelt“ gebaut werden, südlich des Werksgeländes entsteht ein Parkplatz mit sanitären Einrichtungen für 100 Lastwagen, die dort auf ihre „Abfertigung“ im Haribo-Werk warten können. „Wir wollen nicht einfach nur eine neue Fabrik mit einem neuen Lager bauen, sondern attraktive Arbeitsplätze in einem modernen Werk mit optimalen Rahmenbedingungen schaffen in einer Region, wo auch das Umfeld stimmt“, betont Rüsges. Das Werk Grafschaft werde das sechste in Deutschland und das 16. in Europa sein, insgesamt beschäftige Haribo weltweit 5000 Mitarbeiter, 3000 davon in Deutschland. „Und es werden weitere Arbeitsplätze entstehen.“
Nachhaltig und langfristig
Ohnehin handele es sich um eine nachhaltige und langfristige Investition in den Standort Deutschland in der Nähe der Keimzelle in Bonn. Dort hätte man auch künftig am liebsten weiterproduziert, habe aber gemeinsam mit der Stadt und dem Rhein-Sieg-Kreis kein passendes Grundstück gefunden. Letztlich hätten sachliche harte Kriterien den Ausschlag für den neuen Standort in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft gegeben. „Das Thema Gewerbesteuer war in dieser Angelegenheit für uns überhaupt kein Thema“, stellte Rüsges weiter klar. Ohnehin würden auch in Zukunft 850 Arbeitsplätze in Bonn-Kessenich erhalten bleiben. Erfreulicherweise versetze die wirtschaftliche Entwicklung das Unternehmen in die Lage, die Kapazitäten zu erweitern, deshalb sei das Vorhaben eine rundum positive Nachricht und dürfe auf keinen Fall auf das Thema Gewerbesteuer reduziert werden. Unternehmenssprecher Marco Alfter hob außerdem die vorzügliche Zusammenarbeit mit dem Land Rheinland-Pfalz bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück und beim Überwinden einige Hürden hervor.
Überlegungen seit 15 Jahren
Schließlich trage man sich schon seit 15 Jahren mit dem Gedanken einer Erweiterung und habe mit zahlreichen Kommunen Gespräche geführt, „aber keine anderer war in der Lage, ein solches Grundstück in dieser Lage und Beschaffenheit anzubieten.“ Im Interesse der derzeitigen Verwaltungsmitarbeiter habe man allerdings auch nur in einem Umkreis von 30 Kilometern rund um Bonn gesucht. Der Spatenstich soll aller Voraussicht nach im kommenden Jahr erfolgen, die Eröffnung ist für 2017 vorgesehen. Doch zunächst müssten bis September die Bauanträge eingereicht werden, damit man spätestens im Frühjahr 2015 mit den Bauarbeiten beginnen könne. In welcher Reihenfolge die einzelnen Gebäude errichtet werden, sei noch nicht klar, das hänge auch von Verlauf der Genehmigungen ab. „Am liebsten würden wir alles gleichzeitig bauen, vielleicht klappt es ja“, hoffte Mitgeschäftsführer Felix Theato.
Landesregierung ist hocherfreut
„Die Landesregierung Rheinland-Pfalz ist hocherfreut über diese Unternehmensansiedlung“, bestätigte auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Ohnehin sei Rheinland-Pfalz ein wirtschaftlich gut aufgestelltes Bundesland, die Wirtschaftspolitik spiele hier eine große Rolle. „Es macht uns mehr als stolz, dass Haribo zu uns kommt“, so Dreyer weiter. Man werdev alles dafür tun, damit das Projekt zügig und ohne unnötige Hemmnisse über die Bühne gehen könne. Das bestätigte auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler (CDU): „Gemeinsam mit Bürgermeister Achim Juchem setzen wir alles daran, die erforderlichen Baugenehmigungen so schnell wie möglich zu erteilen.“ Im Interesse des effizienten Genehmigungsverfahrens werde der Firma Haribo ein federführender Ansprechpartner für alle Fachfragen und gutachtlichen Stellungnahmen in der Kreisverwaltung zu Verfügung gestellt. Dieser Ansprechpartner übernehme die Koordinierung mit den zu beteiligten Behörden und Gutachtern, dieses Genehmigungsmanagement habe sich bereits bei anderen Ansiedlungen in den vergangenen Jahren bewährt.
Starke Gemeinschaftsleistung
Pföhler sprach von einer „starken Gemeinschaftsleistung des Landes Rheinland Pfalz, des Kreises Ahrweiler und der Gemeinde Grafschaft“ und dankte besonders Bürgermeister Juchem, der die jahrelangen Verhandlungen mit Haribo mit Rückendeckung des Gemeinderates und mit großer Umsicht geführt habe. Von der Ansiedlung könne der Kreis Ahrweiler noch Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte profitieren, erklärte Pföhler weiter. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die Arbeitsplätze, die Gewerbesteuereinnahmen und das Image des Kreises als Wirtschaftsstandort. Er sagte voraus: „Diese Investition wird weitere Unternehmensansiedlung nach sich ziehen. Jetzt zahlt sich erneut das wirtschaftsfreundliche Klima aus, dass der Kreis und seine Kommunen pflegen.“
„Das ist ein historischer Meilenstein für die Grafschaft“, freute sich auch Bürgermeister Achim Juchem (CDU) über den baldigen Umzug des Weltmarktführers in seine Gemeinde. In den vergangenen Monaten habe der Goldbären-Produzent seine Planungen in enger Abstimmung mit der Gemeinde Grafschaft konkretisiert und auf dieser Basis nunmehr ein Grundstück von rund 27 Hektar im Innovationspark Rheinland erworben.
Größtes Bauvorhaben in der Geschichte der Grafschaft
Das neue Haribo-Werk sei das bisher größte Bauvorhaben dieser Art in der Geschichte der Gemeinde Grafschaft. „Wir sind glücklich, dass die sehr umfangreichen Planungen und der Grundstücksvertrag nun unter Dach und Fach sind“, so Juchem. „Dass wir innerhalb eines guten halben Jahres jetzt so weit sind, ist neben dem sehr guten Gesprächsklima auch dem Einsatz von Politik und Verwaltung auf Gemeinde-, Kreis- und Landesebene zu verdanken.“ Er dankte besonders der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, den Staatsministern Eveline Lemke und Roger Lewentz sowie Landrat Dr. Jürgen Pföhler für ihre Unterstützung. „Mit Haribo kommt ein Weltkonzern und wichtiger Arbeitgeber, der über 300 neue Arbeitsplätze schafft. Ein schönes Geburtstagsgeschenk zum 40-jährigen Bestehen der Gemeinde.“ So sähen es auch die politischen Vertreter jedweder Couleur im Gemeinderat Grafschaft. Einmütig hätten sie in den vergangenen Jahren die Bestrebungen der Verwaltung, Haribo von den Qualitäten der Gemeinde als leistungsstarken und aufstrebenden Wirtschaftsstandort zu überzeugen, unterstützt. Und so war es nicht verwunderlich, dass der Gemeinderat grünes Licht für den Erwerb des Grundstückes im Innovationspark Rheinland gab.
Künftige Mitarbeiter können sich schon jetzt bewerben
In diesem Zusammenhang präsentiert sich das Unternehmen zur 40-Jahr-Feier der Gemeinde Grafschaft im Innovationspark Rheinland am 4. Juli, 12 bis 19 Uhr und am 5. Juli , 10 bis 19 Uhr, um Informationen für zukünftige Arbeitsplätze am neuen Standort bereitzustellen. Dort können sich Interessenten für die neuen Shops auch schon bewerben, gesucht werden insbesondere Mitarbeiter für Produktion und Verpackung, Industriemechaniker der Fachrichtung Maschinen- und Anlagenbau sowie Elektroniker für Betriebstechnik.
Die rheinlandpfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, Haribo-Geschäftsführer Felix Theato, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Haribo-Geschäftsführer Arndt Rüsges, Bürgermeister Achim Juchem und Marco Alfter, der Leiter der Haribo-Unternehmenskommunikation (v.l.) freuen sich auf den Baubeginn.Fotos: JOST
