Fährgesellschaft Linz-Kripp-Gmbh
100jähriges Bestehen
Am 29. April 1920 wurde der Vertrag unterzeichnet
Kripp. Aufgrund seiner exponierten geographischen Lage war die Stelle am heutigen Kripper Fährbereich schon seit Urzeiten eine beliebte Stelle, die Uferseiten des Rheines zu wechseln, um geschäftliche und menschliche Kontakte Hüben wie Drüben zu pflegen.
Wegen der lukrativen Pfründe (Einnahmequelle) wurden damals Fährregale gegründet. Regalien waren im Mittelalter durch den jeweiligen König ernannte vorbehaltene Rechte, wie z.B. das Jagd, Zoll oder Fährrecht. Nach der Stauferzeit gingen diese Rechte an die Landesherren über.
Ein Fährregal an dieser Stelle war schon jeher im Besitz der kurkölnischen Stadt Linz und findet bereits als „Fahrpacht“ erstmals kurz nach 1400 urkundliche Erwähnung.
Um berechtigte Ansprüche auf die recht lukrativen Pfründe des „Linzer Fahr“ zu erheben, ersann Jan Wellem, Kurfürst von der Pfalz und Herzog von Jülich-Berg, am Linz gegenüberliegenden Rheinufer auf jülichem Territorium 1705 die Gründung des Weiler Kripp. Infolge geschürter Unzulänglichkeiten kam es zu Mißhelligkeiten zwischen der Linzer und Remagener Bevölkerung. Zwietracht und Hader zwischen den rivalisierenden Regenten von Kurköln und Kurpfalz nahmen fortan ihren Lauf und eskalierten sogar zu einem kleinen bewaffneten Fährkrieg auf Kripper Territorium.
Mit der Besetzung der linken Rheinlande 1796 durch französische Revolutionstruppen kam es seitens der Besatzer zu einer gewaltsamen Inanspruchnahme des Fährrechts. Mit der „Inbesitznahme der Rheinlande“ nach dem Wiener Kongress 1815 gelangte das uralte Fährrecht vorläufig pachtweise an Preußen und fiel einige Jahre später endgültig durch eine Ausgleichszahlung von 3000 Taler an die Stadt Linz an den preußischen Staat.
Ab dem Neujahrstag 1914 übernahm Albert Dörries, Betreiber des Kripper Rheingold-Hotels, pachtweise das „Fahr“ für 1200 Reichsmark mit der Bedingung, u.a. in Jahresfrist eine freifahrende Fähre zu beschaffen oder die derzeitige Gierponte in eine freifahrende Fähre umzuwandeln, inklusive eventuell notwendiger Umbauten auf eigene Kosten an beiden Ufern.
Durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges unterblieb jedoch der Bau der neuen einzustellenden Fähre. Unerträgliche Zustände wie marode und fehlende Ausrüstungsgegenstände für einen geregelten Fährbetrieb, sowie der Einsatz von schiffsunkundigem Fährpersonal führten zu erheblichen Beschwerden während den Kriegszeiten, die jedoch durch die Kriegsnotwendigkeiten weder eine Reklamation von Fährleuten, noch die Ausführungen von Schiffsreparaturen zuließen.
Jegliche weitere Schritte in dieser Angelegenheit hielt man im Hinblick auf die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse mit der Gründung der Kriegsrohstoffabteilung des Kriegsministeriums unangebracht.
Mit Beendigung des 1. Weltkrieges übernahmen die Alliierten die Kontrolle über die Behörden. Der hiesige Fährbetrieb wurde von den Besatzern durch Einwirkung des neuen amerikanischen Ortskommandanten von Kripp bis zum Sommer 1919 außer Betrieb gesetzt.
Zur Beseitigung all dieser Unzulänglichkeiten und zur Einflussnahme eines zukünftig geregelten sicheren Fährverkehrs ersann man unter den Stadträten von Linz und Remagen die Idee, gemeinsam das Fährrecht vom Staat zu pachten und die Möglichkeiten in Form der Gründung einer kommunalen Fährgesellschaft durch Vorgespräche auszuloten.
Gründung der hiesigen Fährgesellschaft Linz-Kripp-Gmbh
Am 29. April 1920 besiegelten in der 1716 errichteten Kripper „Villa Nagel“ durch Unterzeichnung das Vertragswerk zur Gründung der Fährgesellschaft Linz-Kripp zwischen den beiden Städten Linz durch dessen Bürgermeister Dr. Paul Pieper und dem Remagener Bürgermeister Josef Froitzheim, die mit der Eintragung als „Gmbh“ mit einem Anfangskapital von 14.000 Mark, wobei beide Städte Anteile von 50 Prozent erhielten, im Register des Amtsgerichtes Linz vollzogen wurde.
Diesem Vertrag waren bereits umfangreiche Vorverhandlungen der Stadtbeigeordneten beider Städte unter Vorsitz des stellvertretenden Remagener Bürgermeisters Dr. Schmidt-Bleibtreu vorausgegangen.
Durch die damaligen wie in ganz Deutschland herrschenden politischen Verhältnisse nach dem verlorenen 1. Weltkrieg sah sich die neue Gesellschaft mit sehr schwierigen Zeiten konfrontiert. Ein zunehmender finanzieller Erfolg zeichnete sich jedoch ab 1933 ab, sodass die Gesellschaft 1937 durch den Kauf der Fähre „Franziska“ von der in Konkurs gegangenen Fährgesellschaft Honnef möglich war, die zwischen Linz und Kripp am Längsseil fahrende Gierponte durch eine frei fahrende Fähre abzulösen, die jedoch infolge Kriegswirren am 9. Februar 1945 versehentlich infolge eines Bombenvolltreffers amerikanischer Bomber, der eigentlich der Eisenbahnbrücke Sinzig gelten sollte, versenkt wurde. Recht mühsam gelang es der Gesellschaft, nach dem 2. Weltkrieg wieder einen geordneten wirtschaftlichen Fährbetrieb zu errichten.
Heute, nach der Inbetriebnahme einer neuen 2014 eingestellten Fähre, der größten am Mittelrhein, ist unsere Fährgesellschaft als schwimmende Rheinüberquerung zwischen Eifel und Westerwald mit seinen zwei in Kripp vorhandenen Großfähren unter der Firmierung „Rheinfähre-Linz-Kripp-Gmbh“ ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftsfaktor am unteren Mittelrhein.
Pressemitteilung Fährgesellschaft Linz-Kripp-Gmbh
