Schlosstheater Neuwied im Februar: Molieres „Der Geizige“
200.000 Taler machen eine sehr schlanke Taille oder „Ihr seid unbestehlbar“
Komödie um Habsucht, Geiz, Hinterlist und Liebe
Neuwied. Im Februar wird im Neuwieder Schlosstheater das Stück „Der Geizige“ von Molière in einer Inszenierung von Peter Nüesch gegeben. Der Regisseur selbst spielt die Rolle des Harpagon, eines alten Geizhalses, der höchst angespannt darauf achtet, dass sein Vermögen nicht sicht- und stehlbar bar ist, so sehr, dass er Teile davon im Garten vergraben hat. Zudem versucht er, seine Tochter möglichst „gewinnbringend an den Mann“ zu bringen - eine Paraderolle für Peter Nüesch als herrlicher Grantler.
Oliver Grabus glänzt gleich in mehreren Rollen: Als La Fleche und als Hausdiener. Besonders originell ist das Kostüm - halb Koch halb Kutscher, schwarz und weiß, ein Kompliment an die Kostümwerkstatt! Peter Nüesch und Oliver Grabus – eine höchst gelungene Schauspielerkombination. Man sieht ihnen die Freude am Spiel förmlich an, und das macht den Abend so unterhaltsam. Augenzwinkernd und verschmitzt tanzt Peter Nüesch durch das Stück und fühlt sich sichtlich wohl als Patriarch, dem nur eines wichtig ist, und das ist sein Geld. Denn: Reich wird man nicht durch ausgeben sondern durch behalten!
Die Geschichte
Cléante (David Imper), der Sohn des reichen Harpagon liebt die verarmte Mariane (Alice Erk). Elise (Vanessa Frankenbach), seine Tochter, wird von Valére (Konstantin Hertel), verehrt, der sich – vom Vater der Schönen unerkannt - in die Dienste des reichen Harpagon begibt, um der Begehrten nahe zu sein. Diese soll – dem Willen ihres Vaters folgend, einen reichen alten Mann ehelichen, während der Sohn eine ebenso reiche Witwe heiraten soll – alles zum Wohle des Familienvermögens. Die Rolle der Heiratsvermittlerin Frosine wird von Gabriele Schulze gespielt, eine Intrigantin und stets wandlungsfähig, wenn die Verhältnisse sich ändern. Dann nimmt die Verwirrung ihren Lauf…
Das Liebste, sein Geld, wird Hargpagon gestohlen, dieser verdächtigt jeden und jede und schaltet einen Kommissar
(Stefan Krause) ein. Molière hält der Gesellschaft seiner Zeit den Spiegel vor. Habgier und Lüge sind für den Theaterbesucher genauso leicht erkennbar wie Anmut und Hilflosigkeit, und es ist keine Frage, dass das Gute siegen wird. Am Ende taucht Nachbar Anselme (Stefan Krause) und Vater Marianes auf, und als alle miteinander sprechen, löst sich die Verwirrung auf und dem Happy-End steht nichts mehr im Wege. Alle bekommen ihre Liebsten und: Hargagon sein Geld!
Die Geschichte von Liebe, Herzschmerz, Geld und Glück selbst ist nicht neu, die Zeiten Molières, in denen Mitgift und Verheiratung der Töchter oberstes Gebot war, sind zudem vorbei. Daher ist die eigentliche Handlung des Stückes eher etwas für Nostalgiker – oder Liebhaber klassischer Literatur.
Und der rasante Schlussakt mit seiner Turbo-Auflösung schwieriger Konstellationen ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber das excellente Zusammenspiel der Darsteller, Witz und Komik garantieren einen höchst unterhaltsamen Abend.
Weitere Vorstellungen
Die weiteren Vorstellungen sind vom 14. bis 19. Februar, jeweils um 20 Uhr und am 19.Februar 2017 zusätzlich um 16 Uhr. Karten gibt es im Schlosstheater, Tel.: 02631 / 22288, www.schlosstheater-neuwied.de und an der Abendkasse jeweils eine Stunde vor Beginn der Vorstellung.-he-
Harpagon und Anselme schmieden Pläne. Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
Cléante befindet sich in arger Geldnot und wendet sich an einen Geldverleiher. Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
Ein Spiel um Liebe, Habgier und Verwirrung: Molières „Der Geizige“. V.l.: Valére (Konstantin Hertel), La Fleche (Oliver Grabus), Elise (Vanessa Frankenbach), Mariane (Alice Erk), Frosine (Gabriele Schulze), Cléante (David Imper) und Harpagon (Peter Nüesch). Fotos: Schlosstheater Foto: Friedhelm Schulz, Friedrichson-P
