Allgemeine Berichte | 10.10.2018, 08:18 Uhr

NGG: Arbeit im Gastgewerbe muss zum Leben reichen - Lohn-Plus gefordert

20.300 Menschen sind auf einen Zweitjob angewiesen

Steigende Mieten, stagnierende Löhne: Viele Beschäftigte im Gastgewerbe haben immer weniger im Portemonnaie. Das will die Gewerkschaft NGG nun ändern.NGG
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Rhein-Sieg-Kreis. Wenn ein Job zum Leben nicht reicht: Im Rhein-Sieg-Kreis haben rund 20.300 Menschen einen Minijob im Nebenberuf. Damit ist die Zahl der Zweitjobber in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit. Die NGG Köln beruft sich auf neue Zahlen der Arbeitsagentur: „Gerade das Gastgewerbe ist eine echte Multijobber-Branche. Der Vollzeitjob in der Küche, im Service oder an der Rezeption reicht immer seltener, um über die Runden zu kommen. Dann müssen sich viele Beschäftigte etwas hinzuverdienen“, so NGG-Geschäftsführerin Manja Wiesner. Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaft in der laufenden Tarifrunde für die kreisweit rund 10.400 Beschäftigten in Gaststätten, Restaurants und Hotels ein Lohn-Plus von sechs Prozent.

Die NGG ruft den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf, in der nächsten Tarifverhandlung ein „vernünftiges Lohn-Angebot“ zu machen. An diesem Freitag verhandeln Gewerkschaft und Arbeitgeber bereits zum dritten Mal über die Löhne für die NRW-weit rund 390.000 Beschäftigten. „Bisher hat der Dehoga für die unteren Lohngruppen ein Plus von nur einem Prozent geboten. Das gleicht nicht einmal die Teuerungsrate aus und verstärkt das Armutsrisiko heute und im Alter“, sagt Wiesner. Auch gelernte Kräfte sollen nach dem Willen der Arbeitgeber bei der Erhöhung kaum über der Inflation liegen. Dieses „Magerangebot“ dürfte nach Einschätzung der NGG Köln den Fachkräftemangel in der Branche weiter verschärfen. In den vergangenen Wochen hatte die Gewerkschaft in heimischen Betrieben darüber informiert, wie niedrige Löhne und steigende Lebenshaltungskosten das Armutsrisiko erhöhen.

„Wenn die Löhne nicht rasch kräftig steigen, dann droht Tausenden der direkte Weg in die Altersarmut“, sagt Wiesner. So kann ein gelernter Koch nach NGG-Angaben selbst nach 45 Arbeitsjahren nur mit einer Rente von 823 Euro im Monat rechnen. Noch dramatischer sehe es für Hilfskräfte aus. „Am Monatsanfang die Miete zu bezahlen, wird für immer mehr Beschäftigte der Branche zu einem enormen Kraftakt“, so Wiesner.

Steigende Wohnkosten dürften auch für die Zunahme bei den Zweitjobs entscheidend mitverantwortlich sein, schätzt die Gewerkschafterin: „Die Löhne steigen längst nicht so schnell wie die Mieten. Damit sind viele auf einen Nebenverdienst angewiesen.“ Das werde allerdings auch für die Arbeitgeber zum Problem. Denn allein mit Minijobbern und Hilfskräften lasse sich die aktuelle Nachfrage in der Branche - von der Familienfeier über Geschäftsessen und Tagungen bis zur Hotelübernachtung von Touristen - nicht stemmen. „Gastronomie und Hotellerie brauchen Fachkräfte in Vollzeit - doch die gewinnt man nur, wenn sie von ihrer Arbeit auch leben können“, betont Wiesner.

Pressemitteilung

Gewerkschaft Nahrung- Genuss-Gaststätten

Region Köln

Steigende Mieten, stagnierende Löhne: Viele Beschäftigte im Gastgewerbe haben immer weniger im Portemonnaie. Das will die Gewerkschaft NGG nun ändern.Foto: NGG

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