Allgemeine Berichte | 27.10.2023

Die Pfaffendorfer Brücke in Koblenz: ein verkehrstechnisches Experiment

2+1-Verkehrsführung: Wie Koblenz den Berufsverkehr optimiert

Koblenz. Seit Ende August wird der Verkehr auf der Pfaffendorfer Brücke mit LED-Tafeln und einer wechselnden Verkehrsführung geregelt. Nicht immer lief alles nach Plan, aber das bisherige Gesamtfazit der Stadtverwaltung fällt positiv aus. Die ersten Wochen brachten aber auch Erkenntnisse für Optimierungen, die inzwischen auf den Weg gebracht wurden.

Der Neubau der Pfaffendorfer Brücke machte es unumgänglich, dass die in den letzten Jahren gewohnte vierspurige Verkehrsführung mit zwei Fahrstreifen je Fahrtrichtung nicht mehr möglich war. Die Arbeiten für den dringend notwendigen Neubau der Rheinquerung ragen teilweise in den bisherigen Fahrbahnbereich hinein, so dass die Fahrspuren verschwenkt und auf drei reduziert werden mussten. Um dem morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr gerecht zu werden, entschied sich das für das Jahrhundertprojekt zuständige Tiefbauamt der Stadt Koblenz für eine sogenannte 2+1-Verkehrsführung mit einer Wechselverkehrsanlage, die den Verkehr auf der Brücke über LED-Tafeln regelt. So stehen morgens stadteinwärts in Richtung Friedrich-Ebert-Ring zwei Fahrspuren zur Verfügung, stadtauswärts gibt es in dieser Zeit nur eine Fahrspur. Kurz nach 10 Uhr wechselt dann die Verkehrsführung, so dass in Richtung Glockenbergtunnel zwei grüne Pfeile auf den LED-Tafeln zu sehen sind, während in der Gegenrichtung stadteinwärts nur ein grüner Pfeil freie Fahrt signalisiert. Nachts erfolgt die Umkehrung.

„An den meisten Tagen hat die Wechselverkehrsanlage bisher reibungslos funktioniert. Störungen können allerdings dann auftreten, wenn zum Beispiel äußere Einflüsse die Anlage beschädigen“, sagt Dr.-Ing. Kai Mifka, der Leiter des städtischen Tiefbauamtes. Bisher kam es erst vier Mal zu Störungen, bei denen die Anlage automatisch in den Notbetrieb umstellt. Von den insgesamt drei Fahrspuren steht dann lediglich eine Fahrspur in jede Fahrtrichtung zur Verfügung. Die mittlere Spur bleibt frei bzw. wird mittels eines roten Kreuzes auf den LED-Tafeln als nicht befahrbar angezeigt. Während der erste Notbetrieb, der zu Rückstaus führte, unmittelbar nach Inbetriebnahme der Anlage Ende August auf einen Programmierfehler zurückzuführen war, sorgte ein Gewitter im September dafür, dass ein Blitz in die Wechselverkehrsanlage einschlug und eine LED-Tafel sowie ein Steuergerät beschädigte. Die Folge: Gleich zwei Mal wechselte die Anlage in den Notbetrieb, was jedes Mal binnen weniger Stunden wieder repariert werden konnte. „Das kann bei einer solch komplexen Anlage einfach passieren“, sagt Kai Mifka.

Vielmehr ärgert er sich, wenn es durch Vandalismus zu Ausfällen und Chaos im Berufsverkehr kommt, wie im September bereits einmal geschehen. „Wenn Bürger sehen, dass sich jemand an der Anlage zu schaffen macht, sollen sie bitte umgehend die Polizei rufen, denn die Folgen sind für alle Verkehrsteilnehmer sehr unangenehm“, bittet der Koblenzer Tiefbauamtsleiter die Bürgerinnen und Bürger um Wachsamkeit.

Gleichzeitig will Kai Mifka mit einem Mythos aufräumen, der in den letzten Wochen immer wieder in Diskussionen rund um die neue Verkehrsführung auftauchte: „Hier steht niemand zwei Mal am Tag und drückt einen Knopf, um die Anlage umzuschalten. Das läuft voll automatisch.“ Bei einem Fehler bedarf es erst einer Fehlersuche, bevor die Reparatur starten kann, wie der Tiefbauamtsleiter erklärt: „Das lässt sich nicht ad hoc beheben, denn die Anlage ist rechnergesteuert und wird von einer beauftragten Firma unseres Verkehrssicherers gewartet.“

Erkennt die Wechselverkehrszeichenanlage beim Umschalten einen Fehler und geht in den Notbetrieb, wird automatisch eine Meldung an das zuständige Unternehmen ausgelöst. „Dann geht es auf die Fehlersuche, die zunächst per Fernwartung erledigt wird“, sagt Mifka. Erst wenn der Fehler feststeht, kann dieser auch behoben werden - entweder computergesteuert aus der Ferne oder es müssen Bauteile ausgetauscht werden. Wenn die Anlage nur im Notbetrieb läuft, brauchen Bürgerinnen und Bürger übrigens keine Nachrichten über die Sozialen Netzwerke oder E-Mails an die Stadtverwaltung zu senden. „Unser Baubüro wird bei einer Störung ebenfalls direkt informiert. Wir informieren dann auch beispielsweise Feuerwehr, Polizei und die Straßenverkehrsbehörde. Die Meldeketten funktionieren hier gut“, so Mifka.

Generell sollten sich die Verkehrsteilnehmenden auch im Notbetrieb an die signalisierte Fahrstreifenführung halten, um Unfälle oder sehr gefährliche Situationen, wie sie vereinzelt schon vorgekommen sind, zu vermeiden. „Sollte die Polizei bei zu großen Rückstaus entscheiden, den Verkehr auf der Pfaffendorfer Brücke selbst zu regeln, dann haben die Anweisungen der Beamten natürlich Vorrang vor allem anderen“, erklärt Kai Mifka.

Für den Leiter des Tiefbauamtes der Stadt Koblenz ist es wichtig zu betonen, dass die Stadt insgesamt einen enormen finanziellen Aufwand betreibt, damit während des Neubaus der Pfaffendorfer Brücke der motorisierte Verkehr weiterhin mit 30 km/h über die bestehende Brücke fahren kann und auch Fußgänger und Radfahrer die Rheinquerung passieren können. „So kostet allein der Bau in Parallellage die Stadt Koblenz zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Die Alternative hierzu wäre gewesen, dass wir die bestehende Brücke abreißen und über mehrere Jahre mit der Südbrücke und der Bendorfer Autobahnbrücke nur zwei Querungen für den motorisierten Verkehr über den Rhein gehabt hätten. Für Fußgänger und Radfahrer wären dann nur die Fähre und die Horchheimer Eisenbahnbrücke geblieben. Das wäre sehr schwierig geworden“, gibt Kai Mifka einen Einblick in die Überlegungen zur aktuellen Verkehrsführung. Für Fußgänger und Radfahrer wären dann nur noch die Fähre und die Horchheimer Eisenbahnbrücke übrig geblieben. Das wäre schwierig geworden. Rund fünf Millionen Euro des rund 181 Millionen Euro teuren Gesamtprojekts entfallen allein auf die gesamte Verkehrssicherung, zu der unter anderem die Wechselverkehrszeichenanlage mit LED-Anzeigen gehört. Statt einer mehrjährigen Sperrung wird es so nur zum Schluss, beim Verschub der neuen Brücke an ihren endgültigen Standort, zu einer rund sechswöchigen Sperrung kommen.

Ein Interview mit Dr.-Ing. Kai Mifka zur neuen Wechselverkehrsführung auf der Pfaffendorfer Brücke findet sich im Internet unter bit.ly/wechselverkehr.BA

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