Allgemeine Berichte | 16.08.2016

Fast so alt wie Methusalem hatte Heister am Wochenende gleich drei Gründe zu feiern

„25 Jahre Bürgerhaus“ und „40 Jahre Parkfest“ folgten der 900-Jahr Feier

Werner Zimmern wies die Ehrengäste auf die erste urkundliche Erwähnung von Heister hin.DL

Unkel. Drei lange Tage wurde im südlichen Stadtteil von Unkel ausgiebig gefeiert. „Heister steht an diesem ganz besonderen Fest-Wochenende im Mittelpunkt, weil wir gleich drei Gründe haben zu feiern“, so der Vorsitzende des Sankt Sebastianus Bürgervereins, Helmut Bürger, bei sein er Begrüßung am Freitagabend im Park des Bürgerhauses „Am Kelter“. Dorthin eingeladen hatte der Verein an diesem Tag, um mit einem Festakt an die urkundliche Erwähnung des Ortes vor 900 Jahren zu erinnern. „Außerdem haben wir vor 40 Jahren erstmals das Heisterer Parkfest rund um das Bürgerhaus gefeiert, das wir wiederum vor genau 25 Jahren einweihen konnten“, erinnerte der Vorsitzende. Dabei vergaß er völlig, dass auch der 1926 gegründete Bürgerverein sein 90-jähriges Bestehen feiern konnte, wie der Schirmherr der Veranstaltung, Stadtbürgermeister Gerhard Hausen wenig später ausführte.

„Lange Zeit wussten wie gar nicht, seit wann es unser Ort eigentlich gibt. Deshalb hat sich unser Schatzmeister Volker Efferoth an die Arbeit gemacht, nach einer amtlichen Bestätigung zu suchen“, so Helmut Bürger. Und die Bemühungen des Heisterers wurden belohnt. Im historischen Archiv der Stadt Köln stieß er auf eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1116. „Daraufhin hat der Bürgerverein die Initiative ergriffen und mit dem Stadtbürgermeister sowie mit Archivar Wilfried Meitzner dieses Fest organisiert“, so Helmut Bürger. Außerdem hätte Christian Efferoth und Karl-Heinz Buchmüller dankenswerterweise eine große Ausstellung mit historischen Fotografien erstellt, die im Bürgerhaus nach Straßen geordnet an Stellwänden zu sehen seien. „Die Ausstellung kann man natürlich auch noch an unseren anderen beiden Festtagen studieren“, schloss der Vorsitzende seine kurze Rede, um dem Schirmherrn das Rednerpult zu überlassen.

Erstmals 1116 erwähnt

Der hieß zunächst namentlich die Landtagsabgeordnete Ellen Demuth, Landrat Rainer Kaul, VG-Chef Karsten, seinen Vorgänger, Altbürgermeister Werner Zimmermann, seine Kollegen, die Erpeler Bürgermeisterin Cilly Adenauer und Wolfgang Gisevius aus Rheinbreitbach sowie Pfarrer Andreas Arend willkommen. Begrüßen konnte Gerhard Hausen aber auch Vertreter befreundeter Vereine und der Parteien. „Urkundlich erwähnt wird Heister zwar 1116, gelebt und gearbeitet haben hier wie auch in Unkel Menschen aber schon viel länger, wie Funde aus der fränkischen Zeit belegen“, erinnert er. Wie der alte Stadtkern habe auch der Ort der ursprünglich auf einer hochwasserfreien Insel im Rhein gelegen. Als Bauern und Winzer hätten die Heisterer gearbeitet, wobei auswärtige Adlige die wahren Nutznießer, vor allem der Weingärten gewesen wären, die sich bis zu Ufer hingezogen hätten.

„Anders als die Stadt war der kleinen Weiler nicht von einer starken Mauer umgeben. Während Unkel so die Belagerung während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem Kölner Erzbistum und dem evangelischen Gebhard von Truchsess überstand, wurde Heister 1583 bis auf die Grundmauern niedergebrannt“, erinnerte der Festredner. Dabei wurde auch die kleine Kapelle zerstört, die erst 1753 wieder aufgebaut wurde. In wie weit das älteste Gebäude des Ortes, die 1219 erwähnte Wasserburg „Filshelden“ als Sitz der Herren von Ütgenbach diesen Krieg überstanden habe, sei nicht bekannt, wohl aber, dass die heutige Burg Vilszelt 1686 als kurkölnischer Rittersitz in den Besitz der Grafen von Nesselrode gekommen sei. „Bereits 1589 wurde von dem letzten Propst von Münstereifel ein Herrschaftshaus mit Park und Kelterhaus errichtet, das heute Von-Weise-Haus genannt wird und das genau gegenüber vom Bürgerhaus liegt“, so Gerhard Hausen, bevor er einen Sprung ins 19. Jahrhundert machte.

Die Preußen hätten verlangt, dass in der fruchtbaren Ebene Obst und Gemüse statt Wein angebaut würde, erinnerte er. Obwohl die Bevölkerung von Heister bei rund 120 Bewohner stagniert habe, sei dem Ort 1848 die kommunale Eigenständigkeit mit Ortsbürgermeister und Gemeinderat zuerkannt worden. „Im 20 Jahrhundert wuchs die Bevölkerung wieder, sodass 1926, im Jahr als nach dem verheerenden Hochwasser die Flutbrücke gebaut wurde, der Sebastianus-Bürgerverein ins Leben gerufen wurde“, berichtete der Schirmherr. Obwohl die Gemarkung Heister ungewöhnlich groß gewesen sei im Vergleich zu der kleineren der Stadt, hätten die Nationalsozialisten der kommunalen Eigenständigkeit des Ortes 1938 durch die Eingemeindung nach Unkel ein Ende gemacht. „Die Heisterer haben sich zwar dagegen gewehrt, scheiterten aber nicht zuletzt an den nicht ganz uneigennützigen Bestrebungen etwa der Kiesgrubenbesitzer. Auch die Versuche nach dem Krieg, das Verfahren rückgängig zu machen, waren erfolglos, sodass sich die Heisterer, die sich viel mehr mir Erpel verbunden fühlen, in ihr Schicksal als Unkeler ergeben haben – oder auch nicht“, spielte Gerhard Hausen auf ab und zu aufkeimende Sticheleien an.

In seinem Grußwort ging Landrat Rainer Kaul vor allem darauf ein, dass der Landrat des ehemaligen Kreises Linz, Philipp von Hilgers, in Heister gewohnt hatte. Schon vor seiner Ernennung 1817 hatte der Sohn des Kölner Bürgermeisters das herrschaftliche Von-Weise-Haus an der heutigen Sebastianstraße bezogen, um von dort aus das väterliche Weingut, zu verwalten. „Außerdem verlegte er seinen Amtssitz von der Burg Linz in das nahe Erpeler Rathaus, wobei aber Heister offensichtlich der Mittelpunkt seiner Tätigkeit blieb. Aus so einem tollen Ort mit so netten Bürgern lässt sich eben gut regieren“, zeigte der Landrat großes Verständnis für die Entscheidung seines Kollegen. 1989 sei dann der Bau des Bürgerhauses begonnen worden, erinnerte Karsten Fehr. „Dabei war der Standort hier in Heister nicht unumstritten, hatten doch andere Vereine damals großes Interesse bekundet. Aber der damalige Bürgermeister Werner Zimmermann hat sich für diesen Standort hier stark gemacht“, gab der VG-Chef die Begründung, warum der Bürgerverein den Ur-Unkeler zum Ehrenmitglied ernannt hatte.

Entsprechend war diesem auch die Aufgabe übertragen worden, zusammen mit Rainer Kaul die von der Stadt gestiftete Bronzetafel zu enthüllen, nachdem Pfarrer Andreas Arend den Ort angesichts seines 900-jährigen Bestehens als von Gott gesegnet bezeichnet hatte, auch wenn er noch nicht ganz die 969 Jahre von Methusalem, dem legendären Großvater von Noah erreicht habe. „Am 17. März 1116 bestätigt der Kölner Erzbischof Friedrich I. die Schenkung von Besitzungen in Heister durch den Kanoniker Adolf zu Sankt Kunibert in Köln an die Stiftskirche“, war auf der Tafel zu lesen. In churkölnischer Zeit hätten weitere kirchliche Grundherren sowie die Grafen von Nesselrode Besitzungen in Heister gehabt, erfährt der interessierte Leser zudem, bevor er über die Neuordnung der Verwaltungsstruktur in der preußischen Rheinprovinz und der damit verbundenen kommunalen Eigenständigkeit von Heister informiert wird, wobei dem Ort auch nach der Eingemeindung mit Wirkung vom 1. April 1938 seine kirchliche Zuordnung zum Pastorat Erpel erhalten bleibt.

„Kommen Sie alle und feiern Sie mit uns am Sonntagmittag das 25-Jährige des Bürgerhauses, dessen Entstehung Sie auf den Fotos der Ausstellung nachvollziehen können“, so Helmut Bürger, bevor sich die Gäste des Festaktes dem Spanferkelbraten widmeten. Während an diesem Tag der Magier „Bagatelli“ aus Köln die Gäste verzauberte, war Heister am Samstagabend außer Rand und Band. Mit Partyrock und -pop, Evergreens und Oldies sorgte die gleichnamige Band aus der Eifel um Mieke und Thorsten für jede Menge Zündstoff. „Verdamp lang her, doch die Erinnerung fällt nit schwer, hück kütt mer vür als wenn et Jestern woor“, dass hier vor 40 Jahren das erste Parkfest gefeiert worden ist, schwelgten älteren Heisterer in nostalgischer Erinnerung, während die jüngeren nicht nur zum Kulthit von BAP hemmungslos abrockten. DL

Die Band „Zündstoff“ sorgte bei der Parkfest-Feier für ausgelassene Partystimmung.

Die Band „Zündstoff“ sorgte bei der Parkfest-Feier für ausgelassene Partystimmung.

Werner Zimmern wies die Ehrengäste auf die erste urkundliche Erwähnung von Heister hin.Fotos: DL

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