Feierstunde in der Andernacher Krahnenberg-Kaserne
70-jähriges Jubiläum „Wiege der Bundewehr“ gefeiert
Andernach. Am 2. Januar 1956 treten die ersten 1.000 Freiwilligen an drei Standorten ihren Dienst in den neuen bundesdeutschen Streitkräften an. Als die Soldaten in Andernach ihren Dienst antreten, träumen wohl einige von der großen Karriere in den neuen bundesdeutschen Streitkräften.
Die Kameraden der noch namenlosen Streitkräfte erfahren in den ersten Wochen Improvisationskunst auf hohem Niveau: Vorschriften, Ausbildungsunterlagen, Material, Bekleidung – all das wächst, wie die Strukturen der Streitkräfte, erst langsam auf. Auch die ersten Unterkünfte sind Provisorien. Im Fall von Andernach handelt es sich um ein von den französischen Streitkräften übernommenes und noch nach frischer Farbe riechendes Barackenlager. Nicht einmal drei Wochen später wird Andernach Schauplatz des ersten Truppenbesuchs von Bundeskanzler Konrad Adenauer und damit die spätere Krahnenberg-Kaserne zur „Wiege der Bundeswehr“. Der Truppenbesuch von Bundeskanzler Konrad Adenauer am 20. Januar 1956 gilt als ein bedeutender Moment in der Geschichte der Bundeswehr. Gut einen Monat nach Adenauers Rede in Andernach erhalten die Streitkräfte ihren neuen Namen: Bundeswehr. Sie wird 1957 zur Wehrpflichtarmee und in Folge einem wichtigen Baustein der NATONorth Atlantic Treaty Organization im Kalten Krieg. Die heutige Krahnenberg-Kaserne beherbergt als älteste Kaserne der Bundeswehr heute das Institut für Präventivmedizin der Bundeswehr. Und genau in dieser ältesten Kaserne fand vergangenen Dienstag eine Feierstunde zum 70-jährigen Jubiläum statt. Hochrangige Vertreter aus Militär und Politik bemerkten einstimmig, dass die „Situation heute der von vor 70 Jahren gleicht“. Vor 70 Jahren traten die ersten Wehrdienstleistenden ein, aktuell erwartet man die Esten, die den neuen Wehrdienst leisten. Damals wie heute sei es eine Mammutaufgabe gewesen, der man sich stellen müsse. Nach der Feierstunde versammelte man ich in der „Traditionsbaracke“ die inzwischen unter Denkmalschutz steht. Dieter Schmidt, Oberstleutnant a.D. Gründer der militärischen Sammlung „Wiege der Bundeswehr“ in der Traditionsbaracke bemerkte: „Wir haben in unserer privaten militärgeschichtlichen Sammlung durch Interviews mit den Männern der ersten Stunde versucht, der Zeit von damals, der Aufstellungsphase der neuen deutschen Streitkräfte, Gesichter zu geben. Auch haben wir die Erinnerungen aus den zivilen Bereichen mit aufgenommen. Wir hatten beim Aufbau unserer Sammlung nicht damit gerechnet, so aktuell zu werden. Heutige Wahrnehmung und damalige Geschichte können nun in der Sammlung hautnah erlebt werden.“
Genau diese Sammlung konnte besichtigt werden. Traditionell, wie schon beim Besuch von Konrad Adenauer wurde die Veranstaltung mit Erbsensuppe und Würstchen beendet. WAM
Dieter Schmidt, Oberstleutnant a.D., Gründer der militärischen Sammlung „Wiege der Bundeswehr“.
