Allgemeine Berichte | 21.03.2024, 13:00 Uhr

Dieser besondere Kurs im Ahrtal konnte dank der Unterstützung der Supporters Mainz 05 e.V. kostenlos gestaltet werden

Abends eine Suppe für die Seele

Vorfreude auf die Seelenspeise.  Foto: HG
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Bad Neuenahr. Eine Schürze und gute Laune, mehr war nicht mitzubringen ins Mehrgenerationenhaus zu einem Kochtermin unter dem verführerischen Motto „Abends eine Suppe für die Seele“. Wer kann da widerstehen? Elf Frauen und ein Mann ließen sich drauf ein und wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil, mitunter sogar bekehrt.

Denn zum gemeinsamen Projekt von Mehrgenerationenhaus / Haus der Familie der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler und der Katholischen Familienbildungsstätte hat Kursleiterin Gitte Daube Rezepte dabei, die rein auf pflanzlichen Zutaten basieren. Sie will das Bewusstsein schärfen für leckere Alternativen zur fleischlastigen Ernährung. So gab es das Hauptgericht, eine asiatische Nudelsuppe, ohne Fleischeinlage, wohl aber mit Räucher-Tofu-Würfel als Topping. Das gewisse Etwas erhalten die Würfel durch Anbraten in Öl, Sojasoße und Räuchersalz.

Als Dessert fand Gesundheitsberaterin Daube einen bunten Beeren-Crumble mit Nuss-Streuseln passend. 20 Minuten Zubereitungszeit hieß es dafür im Rezept, was nach reichlich Spielraum klingt. Aber wer in einer fremden Küche hantiert und sei es auch die gut sortierte Lehrküche der Familienbildungsstätte, der muss erst einmal bei der Suche nach geeigneten Schüsseln, Messern und anderen Utensilien fündig werden, bevor das eigentliche Unternehmen starten kann.

Lust loszulegen

Wie gut, dass Organisatorin Daube vorab schon Teams zusammengestellt hat, eins zum Crumble-Zubereiten, andere zum Schnibbeln von Knobi, frischem Ingwer, Chilischote, sodann für all die Gemüse, wie Knollensellerie, Lauch, Möhren und Paprika sowie Champignons. Eine Chefköchin wurde bestimmt, um über die Gar- und Backzeiten zu wachen. Eine Person übernahm es, zwischendurch zu spülen, eine andere, zusätzlich zum Dessert Plätzchen zu backen. Die Verantwortung für das Kochen von Mie-Nudeln in der genau richtiger Konsistenz fiel einer weiteren Teilnehmerin zu, da jene wie gelockt aussehenden Nudeln nur dann munden, wenn sie weich, aber keinesfalls breiig ausfallen.

Kaum dass Gitte Daube ihre Infos im Nachbarraum der Küche losgeworden ist und alle Köchinnen und der Koch ihre Rezeptblätter erhalten haben, begibt sich die Gruppe nach nebenan. Die gute Laune füllt den Raum, noch bevor sich der Suppenduft entfaltet. In den ersten Minuten sieht man sich nach Küchenhelfern um. „Gibt es noch Brettchen?“ „Schau mal dort drüben.“ Wo sind die Küchenmesser?“ „Hier in der Schublade, glaube ich.“ „Hat jemand eine Zitronenpresse gesehen?“ „Nimm die hier“. Auf Fragen gibt es prompte Antworten und die Arbeitsaufteilung ergibt sich wie von selbst im vertrauensvollen Miteinander.

Gitte Daube steht allen zur Seite, wiegt gelegentlich Zutaten ab und weiß immer Rat. Als etwa keine Walnüsse für das Crumble zur Verfügung stehen, bestätigt sie, dass stattdessen von den Pekannüssen genommen werden kann. Mit einem Lächeln hilft sie stets weiter.

Zauber des Gemeinschaftskochens

Inzwischen hatte sich das Gewusel in der Küche gelegt. Es ist auch leiser geworden, bis die geräuschvolle Küchenmaschine zwei schreckhaften Frauen einen Schrei und dann Lachen entringt. Ansonsten Schneiden, Rühren, vorsichtiges Unterheben von Suppenbestandteilen, weil der Topf bereits randvoll ist. Zur Suppe fehlt nicht mehr viel, und der Crumble kann, nachdem die Früchte vermischt und die zerkleinerten Nüsse mit Datteln obenauf verteilt wurden, in den Ofen.

Wie, die Zeit ist schon um? Kaum zu glauben. Mancher wollte doch noch schauen, was sich an anderen Arbeitsflächen tut, wie der Tofu im Kokusnussöl anbrät oder das Zitronengras mit dem Fleichklopfer aufgeschlagen wird. Vielleicht bleibt beim Essen Gelegenheit für einen Plausch. Eines jedoch stellen die Teilnehmer fest: Das gemeinsame Kochen als ein elementarer Vorgang schafft eine Verbindung untereinander, die wohltut. Es sorgt ebenfalls dafür, dass der Kopf genau da ist, wo die Hände sind und keinerlei Raum lässt für bedrängende Gedanken. Das spüren nicht nur die von der Ahrflut betroffenen Teilnehmer.

„Gemeinsam kochen wir eine Suppe für unsere Seele (überwiegend aus Bio-Zutaten), weil eine Suppe mehr ist als die Summe ihrer Zutaten“ hatte die Dozentin den dritten ihrer drei Koch-Abende in diesem Jahr angekündigt. Das war nicht nur so daher gesagt. Daube steht mit all ihrer Erfahrung hinter dem Satz. Sie hat unmittelbar nach der Naturkatastrophe „Gittes mobile Suppenküche“ initiiert und gemeinsam mit Nachbarinnen aus dem Niederzissener Ortsteil Rodder, ihrem Lebensmittelpunkt, einen Monat lang in Bad Neuenahr Suppe verteilt und im Anschluss für den Helfer-Shuttle gekocht.

Nun also kocht sie die meist nachgefragten Rezepte mit interessierten Menschen nach und gibt sie weiter. Wie bereits im vorigen Jahr konnte das Angebot dank der Unterstützung der Supporters Mainz 05 e.V. kostenlos gestaltet werden. Supporters Mainz 05 e.V. heißt der Dachverband der Fans des 1. FSV Mainz 05 e.V.

Das Essen ist zubereitet, Rasch sind die Teller gefüllt mit einer ordentlichen Portion Gemüsesuppe. Wer Zweifel hegte, ob man davon satt werden kann, wird eines Besseren belehrt und der Geschmack überzeugt vom ersten Löffel an. „Schön, dass Du da bist“ steht auf den Servietten. Alles ist einladend an diesem Abend. Der Crumble, wunderbar ergänzt durch veganes Vanille- und Schokoladeneis, sorgt für süßen Genuss. Für den Sättigungsgrad hätte es nicht noch der Plätzchen bedurft. Aber auch die aus hellem und Schokoteig gebackenen essbaren Schäfchen streicheln ein wenig die Seele. Niedlich sehen sie aus und schmecken tun sie auch.

Um viele Anregungen reicher, zufrieden und noch munterer als zu Beginn des Kochabends gehen die Teilnehmer nach Hause. Gitte Daube nimmt für ihren Einsatz und das Gemeinschaftserlebnis ein positives Echo aus der Runde mit. Es ist ihr anzumerken, dass sie sich über die Wertschätzung freut.

HG

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Vorfreude auf die Seelenspeise. Foto: HG

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