Kunst im Meckenheimer Rathaus
Äpfel neu interpretiert
Meckenheim. Obwohl das neue Rathaus noch nicht offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde, hat man dort die Arbeit schon längst aufgenommen, am 12. Juli wird im neuen Ratssaal auch die Politik zum ersten Mal den Betrieb aufnehmen. Bereits im Vorfeld hat jedoch die Kunst unter dem Titel „Schlussstein“ die Räumlichkeiten belegt und lädt zum Verweilen ein. 18 Meckenheimer Künstler und Künstlerinnen haben sich des Themas angenommen und präsentieren vor diesem Hintergrund ihre Sicht vor allem auch auf die Stadt. Dabei bietet sich der neue Ratssaal direkt an zur Präsentation von Gemälden. Denn dieser ist hell und freundlich gestaltet, und vor allem kommt durch die großen Fenster viel Tageslicht in den Raum. Ideale Voraussetzungen, um auch größere Werke entsprechend in Szene zu setzen.
Das nahmen die Künstler gerne wahr, wobei bereits vor dem Saal die Werke von Martha Barduhn die Blicke auf sich ziehen. Meckenheim bezeichnet sich ja selbst als Apfelstadt und hat den stilisierten Apfel ja auch als Logo im Namen, und hier wird nun ein vergoldeter Holzapfel ausgestellt nebst einem bunten Keramikapfel. Der Apfel als eine der tragenden Säulen der Stadt und ein verbindendes Element. Passend dazu, dass man dann direkt auf das Feld vor dem Rathaus sieht, wo die Parteien ihre Apfelbäume gepflanzt haben.
Das Thema mit individueller Bedeutung gefüllt
Aber was bedeutet Schlussstein? Diese Frage wird von den Künstlern recht unterschiedlich beantwortet, und jeder hat so seine eigene Sicht der Dinge. Heidemarie Graffunder sieht das im übertragenen Sinne als eine „Aktion oder eine Tatsache, die einen Abschluss oder eine Vollendung bedeutet“. In ihrem Bild, das von geometrischen Formen gekennzeichnet wird, ist das neue Rathaus in der Mitte verewigt. Eine ganz andere Sicht der Dinge hat Stefan Lage. Er sieht verschiedene Schlusssteine in Meckenheim, die stets in der menschlichen Entwicklung nach Epochen von Gewalt und Kriegen gesetzt wurden. Auf diesen bauten dann neue Herrscher und Überlebende die Städte auf.
Dies gilt auch für Meckenheim und seine Vergangenheit, denn von der urzeitlichen Besiedlung über Römer, Ritter, Franzosen und deutsche Kriege hat die Apfelstadt ja auch eine wechselvolle Vergangenheit. Nach Meinung des Künstlers sind Schlusssteine niemals Schlusspunkte, sondern sollten begreifbar sein als Meilensteine auf einem nie vollständig begangenen Weg. Eine nochmals andere Sicht hat Eva Vahjen mit ihrem Bild „Apples’n Roses. Ihrer Auffassung nach ist der Schlussstein der Stein, der einem Bogen Stabilität gibt. Ohne ihn hält der Torbogen nicht, aber ohne die Nebensteine gäbe es keinen Torbogen. Übertragen auf ein Rathaus bedeutet dies, ohne die Menschen darin macht ein Rathaus keinen Sinn, wäre es nur Stein. Auch Goldschmiedemeisterin Heide Simm hat ihre eigenen Gedanken zu diesem Thema, denn der Schlussstein ist das letzte Element, das zur Vollendung führt, was sich hier in einer Kette mit optischen Täuschungen widerspiegelt. Marlene Schumacher verbindet mit dem Schlussstein anlässlich ihres 80. Geburtstags auch die Gedanken über den Schlussstein des eigenen Lebens, die in der äußeren Gestalt nicht erkennbar werden. Aber was sagt der Rabe dazu? Dieser Frage ging Linde Peacock nach, und der Rabe bekam wieder nichts Essbares am Schlussstein.
Martha Barduhn begrüßte die Künstler und auch Hausherr Bürgermeister Bert Spilles und dankte diesem für die Möglichkeit, hier die Werke ausstellen zu können.
Nun ist der Meckenheimer Stadtchef ohnehin dafür bekannt, das ihm die Kunst sehr am Herzen liegt, und dass die Ausstellungseröffnung in die Meckenheimer Kulturtage fällt, ist da ein angenehmer Nebeneffekt. In seiner kurzen Ansprache fand er sehr viele lobende Worte für die Künstler und versprach, dass die Ausstellung durchaus auch für längere Zeit im Rathaus verbleiben könne und wünschte dieser vor allem viele Besucher. Bei einem anschließenden Rundgang nahm sich Spilles ausführlich Zeit, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, und ließ sich ausführlich die einzelnen Werke erläutern.
STF
Äpfel als Symbol für Meckenheim ganz neu interpretiert
