SPNV-Nord-Verbandsdirektor Thorsten Müller zu Gast bei Ahrtalbahnfreunden
Ahrtalbahnstrecke als Pilotprojekt für Hybridzüge
20-Minuten Takt bis Dernau - Kombi-Ticket zur Landesgartenschau?
Bad Bodendorf/Kreisgebiet. Auf Einladung der Freunde der Ahrtalbahn referierte jetzt Thorsten Müller, Verbandsdirektor des Zweckverband SchienenPersonenNahVerkehr Rheinland-Pfalz Nord (SPNV-Nord), zu aktuellen Themen des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV). Diese Funktion hat Müller vor anderthalb Jahren übernommen - und sich in dieser Zeit allenthalben bereits einen guten Ruf verschafft. Nach kurzer Begrüßung durch Wolfgang Groß, Sprecher der Ahrtalbahnfreunde, gab Thorsten Müller einen Überblick über Zukunft und Perspektiven des ÖPNV im Bereich des SPNV Nord - und freute sich über die Philosophie der Ahrtalbahnfreunde zur Verbesserung der Qualität auf der Ahrtal- und Rheintalbahn. Zum SPNV-Nord Geschäftsbereich gehören etwa die Bereiche Mosel mit Trier, Hunsrück, Westerwald, Siegerland, Eifel und der Ahrkreis. Dem SPNV Nord stehen jährlich rund 180 Millionen Euro für SPNV-Zwecke zur Verfügung. Damit besteht ein Nachholbedarf gegenüber dem SPNV Süd, der mit höheren Mitteln ausgestattet ist. Neben dem Hauptthema Ahrtalbahn standen aber auch die Verbindungen an Rhein, Mosel und Lahn im Mittelpunkt der Ausführungen. Bei der gut besuchten Veranstaltung im Winzerverein Bad Bodendorf konnte Wolfgang Groß auch Wolfgang Schlagwein, den Grünen Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Ahrweiler, begrüßen. Der hatte sich zuletzt in der Diskussion um das geplante neue Nahverkehrsgesetz engagiert. Schlagwein brachte nochmals die Bedenken gegen den Gesetzentwurf für eine zentrale Organisation vor, „der mittlerweile nach der massiven Kritik wenigstens in den kritischsten Punkten geändert werden soll.“ Eine Umsetzung hätte, durch die Auflösung von SPNV Nord (Koblenz) und Süd (Kaiserlautern) sowie der fünf Verkehrsverbünde nicht nur für Rheinland-Pfalz fatale Folgen gehabt, sondern auch massiv in den angrenzenden Nachbarbundesländern. Nun solle die Regionalität, so Thorsten Müller, jedoch erhalten bleiben. Zunächst ging Müller dann auf einige überregionale Strecken und Vorhaben ein. So etwa die dringend benötigte „Weststrecke Trier“, für deren Umsetzung er schlussendlich in 2024 rechnet. Bei solchen Projekten müsse es zu einer Baubeschleunigung kommen, so Müller.
Reaktivierungen
Auch die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn ist derzeit ein aktuelles Thema, zumal dort ein privates Unternehmen eigenständig zunächst den Güterverkehr wieder aufnehmen will. Die Hunsrückbahn ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke. Diese führte in ihrer gesamten Länge von Langenlonsheim über Stromberg, Simmern, Kirchberg, Büchenbeuren (Abzweig Flughafen Hahn), Morbach, Thalfang bis nach Hermeskeil. Die Infrastruktur dieser Trasse ist noch fast vollständig vorhanden. Für die ebenfalls geplante Reaktivierung der Eifelquerbahn verkündete Thorsten Müller positive Nachrichten, vor allem durch einen Beschluss der Verbandsversammlung des SPNV Nord. Hier wurde mittlerweile eine Machbarkeitsstudie festgelegt. Diese Strecke würde unter anderem über den Ausgangspunkt Gerolstein über Daun - Kaisersesch - Mayen - Andernach wieder eine direkte Verbindung aus der Eifel an das Rheintal sowie an die Lahn verschaffen. Thorsten Müller sprach auch die andauernden Pünktlichkeitsprobleme beim Regional-Express (RE) 5 und mit der Mittelrheinbahn an. „Auch die Bauarbeiten zur Verbesserung der Streckensituation nerven die Fahrgäste,“ versteht Müller den Groll der Bahnkunden. Und die Fertigstellung der Bahnsteige Sinzig und Bad Breisig - eigentlich bis 2021 zugesagt - soll nun erst 2024 erfolgt sein. Auf der rechten Rheinseite soll ab 2026 zweistündlich ebenfalls ein RE zwischen Frankfurt und Koblenz, über Wiesbaden, verkehren. Eines der größten Probleme seien weiter die seit „Corona“ auf 10 bis 15 Prozent eingebrochenen Fahrgastzahlen. Ende Juni sei man noch nicht über eine Quote von 50 Prozent hiervon gelangt. Auch die vielen Beschwerden gegen den Tarifdschungel in Deutschland teilt Thorsten Müller. Zumal es in der Schweiz gelungen sei, mit einer innovativen App alle Tarife zu integrieren und immer den günstigen Fahrpreis zu erhalten. Die beiden Schienen-Strategieprojekte - Deutschland-Takt im Bund und Rheinland-Pfalz-Takt in RLP - haben den Zielhorizont 2030.
Nachholbedarf
An der baulichen Situation (insbesondere den Bahnsteighöhen) vieler Bahnhöfe und Stationen der Ahrtalbahn sieht Thorsten Müller Nachholbedarf. Auch hier beklagte Müller die langen Umsetzungszeiten, etwa am Haltepunkt „Ahrweiler Markt“. Zu einer Fahrzeitplanstabilität sollen neben dem geplanten ESTW (Elektronisches Stellwerk) und später DSTW (Digitales Stellwerk) zwischen Remagen und Ahrbrück weiterhin die Reaktivierung des zweiten Gleises am Bahnhof Walporzheim beitragen. Ebenso könnte eine Elektrifizierung an der Ahr die Fahrzeiten verringern. Diese Maßnahme befinde sich zwar auf der Prioritätenliste des Landes Rheinland-Pfalz, von der angekündigten Elektrifizierungs-Offensive des Bundes sei bislang jedoch noch nichts passiert. „Woher das Geld für diese Maßnahme kommen soll, ist unklar und nicht geklärt, obwohl die Zeit drängt,“ stellte Wolfgang Groß fest. Ob diese im Zusammenhang mit dem Deutschlandtakt notwendige Oberleitung komme, sei daher nicht absehbar. Thorsten Müller teilte weiter mit, dass auf der Ahrtalbahn ein Pilotprojekt des SPNV Nord - zusammen mit den Land Rheinland-Pfalz - mit Hybridfahrzeugen (BEMU - Anmerk.: Batterie/Elektrisch) vorgesehen sei. Bei allem gehe es darum, wohin die Mehrzahl der Bahnkunden aus dem Ahrtal am besten ohne Umsteigen kämen. Wolfgang Groß sprach in diesem Zusammenhang positiv die im Entwurf des Deutschlandtaktes vorgesehen Direktverbindung von Ahrbrück bis Wuppertal an. Die Reaktivierung der Ahrtalbahnstrecke zwischen Ahrbrück und Adenau hält Wolfgang Groß „mit 85 bis 90 Prozent“ für realisierbar. „Hier muss es jedoch politische Impulse vor Ort geben“ forderte er gleichzeitig ein. Zur Landesgartenschau vermissen die Ahrtalbahnfreunde bislang sowohl ein Verkehrskonzept als auch die Einführung eines Kombi-Tickets. Dies befürwortet auch Thorsten Müller für den Besuch der Weinfeste an der Ahr etc. Für Wolfgang Schlagwein gehört ein Kombi-Ticket zu einer nach eigenem Anspruch „klimaneutralen“ Landesgartenschau unbedingt dazu. Die Ahrtalbahnfreunde begrüßen die Absicht des SPNV Nord, mit der Landesgartenschau im Ahrtal auch einen 20-Minuten-Takt von Remagen nach Dernau einzuführen. Aus dem Zuhörerkreis wurde abschließend der Stillstand beim geplanten Bahnhaltpunkt „Bad Neuenahr-Mitte“ beklagt.
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