Ausflugsfahrt des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr führte zur Sitzung der Kölner Prinzengarde: Ausgelassene Stimmung bei Hits von Brings, den Paveiern und Norbert Conrads
Ahrtaler Minnie Mäuse feiern jeck im Gürzenich
Kreis Ahrweiler.Allein die Aussicht, eine Sitzung der Prinzengarde Köln im Gürzenich besuchen zu können, war für viele eine Ehre. Und niemand, der nicht vor, während oder nach dem Erlebnis in der „guten Stube“ der Domstadt ein breites Grinsen im Gesicht gehabt hätte. Die Fahrt zur Damensitzung des Traditionskorps gehörte zu den Fahrten für hochwassergeschädigte Seniorinnen und Senioren, die der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seit 2022 anbietet.
Unter der bewährten Leitung von Uschi Klapp-Dittmann ging es los. Sie hatte auch das kostenlose Kartenkontingent der Prinzengarde für die Mitreisenden organisiert. Der Bus startete in Insul mit weiteren Zustiegsmöglichkeiten in Dernau und Bad Neuenahr-Ahrweiler. Schon im Bus war die Vorfreude groß und es wurde noch an den Kostümen gefeilt. Schließlich erschienen alle 24 Seniorinnen bzw. ihre Betreuerinnen im abgestimmten Minnie-Maus-Outfit und waren damit ein kaum zu übersehender Blickfang. Entsprechende Haarreifen mit schwarzen Mäuseohren und rot-weiß gepunkteter Schleife um den Hals sowie weiße Handschuhe schmückten die Frauen. Mit Pinsel und Farbe wurde unterwegs und im Gürzenich ein einheitliches Mausgesicht geschminkt.
Dass Marita Köllner alias „Et fussisch Julche“ ihren Auftritt krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste, wurde bedauert. Aber Sitzungspräsident Marcus Gottschalk hatte noch ein paar „Bonbons“ parat, die allen schmeckten. Bernd Stelter und Guido Cantz waren unter den Rednern. Ebenso wie Jörg Runge. Als „Dä Tuppes vum Land“ stieg er in die Bütt und unterhielt mit gereimten Versen, die die Jecken gerne ergänzten. Auch die Gruppe aus dem Ahrtal machte mit. Bei „Stääne“ von den Klüngelköpp hängten sie sich wie alle anderen an die Nebenfrau und wiegten sich im Takt.
Mit ihren drei Formationen Bordkapelle, Shanty-Cor und Tanzkorps verdiente sich die „StattGarde Colonia Ahoj“ den Beifall der „Mädche“ im Saal. Beeindruckend auch der Einmarsch der Formationen der Prinzengarde. Besonders die Tanzschritte der Jüngsten auf der Bühne begeisterten die Ahrtaler. Das Kinderdreigestirn mit Kinderprinz Julius I., Kinderbauer Severin und Kinderjungfrau Benedikta wurde ebenso bejubelt wie das „große“ Dreigestirn mit Prinz Sascha I., seinem Vater als Jungfrau Frieda und seinem Onkel als Bauer Werner.
„Et jitt kein Wood“ hatten die Musiker von „Cat Ballou“ zum Auftakt gesungen, und nicht erst als die „Paveier“ unter anderem mit „Lev Marie“ aufwarteten, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Zuvor hatte bereits „Brings“ den Zuhörerinnen ordentlich eingeheizt. Bei „Polka, Polka, Polka“ stieg die Temperatur im Saal merklich an und „Kölsche Jung“ sorgte für Gänsehaut, auch aus den Kehlen der ausschließlich weiblichen Zuhörer. Beim Lied „Liebe gewinnt“ leuchteten hunderte von Handytaschenlampen, und noch einmal ging den Damen aus dem Ahrtal das Herz auf, als der ausgebildete Opernsänger Norbert Conrads zum Abschluss mit kräftiger Stimme alte Karnevalsschlager wie „Am Dom zo Kölle“ und „Am Aschermittwoch ist alles“ anstimmte - mit ordentlicher „Unterstützung“ aus dem Saal. Dort freute sich so manch andere Besucherin über die Feierlaune der Ahrtalerinnen und es wurden „jecke“ Kontakte geknüpft und gepflegt. „Ich könnt üch knutsche“, hatte Brings-Frontmann Peter Brings bei einem der Höhepunkte der Sitzung gesagt und sich damit wohl etwas zu viel vorgenommen. Seine und andere Lieder klangen noch lange in den Köpfen der Besucherinnen der Damensitzung nach.
Mit Musik im Ohr und dankbar für ein tolles sechsstündiges Sitzungsprogramm traten auch die Ahrtalerinnen die Heimreise an. Der Ausflug hatte sie für eine Weile den Alltag vergessen lassen. Deshalb heißen die Ausflüge des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr auch „Kleine Fluchten“. BA
