Allgemeine Berichte | 02.08.2021

Zehnthaus-Kolumne (8)

Alte kath. Pfarrkirche St. Petrus und Paulus

Plakette am Kircheneingang.Fotos: Sammlung Zehnthaus

Odendorf/Essig. Gleich zwei katholische Pfarrkirchen stehen in der Odendorfer Ortsmitte, beide unter dem Namen der Patrone Sankt Petrus und Paulus. Die zwischen 1901 und 1903 gebaute neugotische Backsteinkirche ist zwar die optisch dominierende, die kleine und ältere Kirche aber das eigentliche Kleinod.

Die erste Nennung der alten Kirche finden wir in dem Liber valoris, einem Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe, zum Ende des 13. Jhd. Durch die Bauweise als dreischiffige Pfeilerbasilika und die stilgerechten Formen ist sie ein bedeutendes Dokument der Dorfkirchen des 12. Jhd. in unserer Region und damit vermutlich noch etwas älter als schriftlich belegt. Anzunehmen ist ein Vorgängerbau aus dem 9. Jhdt. auf dem Hügel, der damals bis zum Orbach reichte.

Der Kirchenbau weist romanische und spätgotische Baustile auf. Im 17. Jhd. erhielt die Kirche eine Barock-Ausstattung, von der noch einige Heiligenfiguren erhalten sind. Dazu gehören die beiden Titelheiligen Petrus und Paulus, die auf Konsolen aufgestellt sind.

Als der Blankenheimer Hof 1481 an die Kartause St. Alban zu Trier verkauft wurde, ging auch das Patronatsrecht über die Kirche dorthin. Aus dieser Zeit stammt die gotische Ausmalung der Kirche, von der sich noch Reste in den Bogenleibungen der beiden mittleren Arkaden erhalten haben. Hier finden wir die seltene Szene der Seelenwaage unter Beistand der Muttergottes. Der Erzengel Michael trägt am Tag des Jüngsten Gerichts eine Balkenwaage, mit der er Gut und Böse abwägt.

Das Mauerwerk der Kirche und die inneren Säulen enthalten als Baumaterial teilweise Kalksinterablagerungen aus der römischen Eifelwasserleitung. Das ist besonders an der Außenfassade erkennbar.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele bauliche Veränderungen und Nutzungs-möglichkeiten ergeben. Die Kirche wurde z.B. mit Backstein aufgestockt und auch der Turm nachträglich aufgesetzt. Dass die romanische Kirche erhalten blieb, ist ihrer „Umnutzung“ zu verdanken. Nach dem Bau der neuen Kirche wurde an die alte Pfarrkirche ein Krankenhaus angebaut, das von Augustinerinnen, später von Franziskanerinnen geleitet wurde. Das Mittelschiff wurde abgetrennt, der Fußboden angehoben und eine Zwischendecke ein-gezogen. In den oberen Räumen befanden sich drei Schlafräume für die Schwestern. Der Chorraum diente als Kapelle und in den unteren Räumen waren ein Kindergarten sowie eine Nähschule untergebracht.

Umgeben war die alte Kirche von einem Wehrfriedhof, der um 1896 geschlossen wurde und heute nur noch zum Teil erkennbar ist. Dieser Friedhof dehnte sich auf einem Hügel bis zum Orbach hin. Als er 1923 aufgegeben wurde, beseitigte man einen Teil des Friedhofshügels. Jetzt erst konnte ein Weg längs des Orbachs angelegt werden. Vorher führte der Weg über den Friedhof. Auch die Straße „Am Zehnthof“ entstand in dieser Zeit. Der heutige vom Orbach kommende Aufgang zur Kirche ist dem alten Wehrgang nachempfunden.

Letztlich ist es dem Erzbistum Köln und dem Preußischem Denkmalschutz zu verdanken, dass die Kirche schon im 19. Jhd. als erhaltenswertes Gebäude eingestuft wurde. Der damalige Pfarrer hatte sich mehrmals vergeblich um den Abriss bemüht.

Von 1970-1976 wurde die alte Pfarrkirche von Grund auf saniert und in den jetzigen Zustand versetzt. Von der ursprünglichen Ausstattung ist nur noch der Taufstein aus Basaltlava erhalten. Er soll aus karolingischer/romanischer Zeit (ca. 750-1130 n.Chr.) stammen.

Heute wird die alte Kirche wieder regelmäßig für Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten genutzt.

Sammlung Zehnthaus

www.verein-zehnthaus.de

Kirche von 1893.

Kirche von 1893.

Verbliebener Grabstein vom alten Friedhof an der Kirche.

Verbliebener Grabstein vom alten Friedhof an der Kirche.

Alte Kirche mit angrenzendem „Kloster“.

Alte Kirche mit angrenzendem „Kloster“.

Plakette am Kircheneingang.Fotos: Sammlung Zehnthaus

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