Allgemeine Berichte | 27.02.2022, 17:20 Uhr

Fairtradegruppe Sinzig zur Problematik des Kleiderwegwurfes

Altkleiderberge nehmen auch in Sinzig zu

„Schnelle Mode“ vermüllt die Welt

 Foto: privat

Sinzig. Der Trend des schnellen Modewechsels geht auch an uns nicht vorbei – in immer kürzeren Abständen kommen neue Kollektionen auf den Markt. Wir sind gefordert ständig neue Kleidung zu kaufen und die alte dann mehr oder wenig ungenutzt zu entsorgen. Vermeintlich mit gutem Gewissen landet die Kleidung in den Altkleider-Containern, wo sie ja sinnvoll weitergenutzt oder recycelt wird. Davon gehen wir alle aus. Doch in der Realität finden sich riesige Berge unserer Altkleider mittlerweile in Afrika. So viele Kleidungsstücke werden dort aber gar nicht benötigt, wie zum Beispiel in Ghana mit großen Containerschiffen angeliefert werden. Die meisten landen auf einer Müllhalde in der Nähe der Hauptstadt Accra, von wo sie verweht werden und letztendlich im Meer enden. Nicht nur die Umwelt wird durch diese „Entsorgungsform“ stark belastet, auch die eigene Textilherstellung in diesen Ländern kann mit der importierten Billigware nicht konkurrieren. So gehen Arbeitsplätze verloren und die Menschen haben kein Einkommen mehr.

Schuld daran sind die immer öfter wechselnden Modetrends und die Billigware in den Industriestaaten. Dies ist nur möglich, da die Kosten für die Herstellung der Kleidung durch die Produktion in sogenannten „Billiglohn-Ländern“ gesenkt wurden. Allerdings geht das auf Kosten der Menschen und der Umwelt in diesen Ländern. Die Baumwolle für unsere Kleidung wird unter anderem in Usbekistan oder Indien angepflanzt. Sie braucht viel Wasser und Dünger und ist auch meist mit einem hohen Einsatz von Pestiziden verbunden. In Usbekistan ist aufgrund des Baumwollanbaus der Aralsee um 60 Prozent seiner Fläche geschrumpft. Für die Baumwolle eines einzigen T-Shirts werden schon 20.000 Liter Wasser verbraucht. In Indien wird die Baumwolle dann zu Garnen gesponnen, wo viele junge Frauen unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten müssen. Die Garne kommen anschließend zum Färben nach China, wo man an der Farbe der Flüsse die neuesten Modetrends erkennen kann. In Bangladesch werden die Stoffe zu Kleidung genäht. Auch hier bekommen die Arbeiterinnen zu wenig Lohn und arbeiten unter gesundheitsschädigenden Bedingungen. Wenn die Kleidungsstücke bei uns in den Verkauf gehen, haben sie einen Weg hinter sich, der bis zu 60.000 Kilometer betragen kann.

In unserem Handel werden T-Shirts zum Teil für 3 bis 5 Euro verkauft. Das führt dazu, dass wir immer mehr kaufen und die Kleidung immer schneller entsorgen. 60 Kleidungsstücke kaufen wir im Durchschnitt pro Jahr. Davon tragen wir manche nur ein oder zwei Mal, manche sogar gar nicht. So enden mehr als eine Million Tonnen Textilien in Deutschland jährlich in den Altkleidercontainern und zu einem großen Teil in den Ländern des globalen Südens.

Pressemitteilung Fairtradegruppe Sinzig

Foto: privat

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