Rengsdorfer Weihnachtsmarkt dank Unterstützung der Gemeinde wieder auf einem guten Weg
Am „Bur“ pulsiert wieder das (Weihnachts-)Leben
Rengsdorf. Wer sich nicht auskennt im Ort, der muss ihn suchen, den „Weihnachtsmarkt am Bur“. Und dann steht man staunend auf diesem kleinen Plateau in einem bebauten steilen Hang mitten im Ort und lässt die Atmosphäre von beleuchteten Fachwerkhäusern, einer riesigen leuchtenden Tanne und den weihnachtlich geschmückten Holzhütten auf sich wirken. Weiter unten im Tal ragt ein beleuchteter Kirchturm aus dem Häuserwald. Der Bur ist das ehemalige Herz des Dorfes Rengsdorf. Ihm kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, da der Brunnen (Bur) der Ursprung des Dorfes ist. Er ist der erste Besiedelungspunkt, aus dem das heutige Rengsdorf entstanden ist. Lange Zeit war der Burplatz der Treffpunkt der Bürger und die vorhandene Quelle diente als Waschplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Burplatz auch Kirmesplatz, wo die Burschen bis heute ihren Maibaum aufstellen. Der Weihnachtsmarkt 2016 in Rengsdorf steht ganz im Zeichen der Musik und des Genusses. Die Ortsgemeinde Rengsdorf veranstaltete am vergangenen Samstag in der Zeit von 15 bis 22 Uhr ihr „Weihnachten am Bur“. Zur Einstimmung wurde vom Posaunenchor um 14 Uhr ein Turmblasen geboten. Fleißige Hände, angeführt von Ortsbürgermeister Christian Robeneck, haben dafür gesorgt, dass die Vereine sich in diesem Jahr in schönen Holzhütten präsentieren konnten, dort für Genuss sorgten und ihre selbstgemachten Präsente anbieten konnten.
Vielfältiges Angebot
Am Stand der Konfirmandenkinder gab es Süßes und Kaffee aus fairem Handel, bei anderen Anbietern Glühwein, Weihnachts-Eis, Waffeln, Feuerzangenbowle, Gulaschsuppe, „Croque Monsieur“ oder leckere Bratwurst - für jeden war etwas dabei. Natürlich spielt wie seit eh und je die Musik eine große Rolle bei diesem Weihnachtsmarkt. Rengsdorfer Chöre, der Musikverein Heimbach-Weis und die über die Grenzen bekannte Band „Ohne Filter“ verwandelten den „Bur“ in eine kleine Musikarena. Erstmalig gab es eine Weihnachtsgeschichte. Der heilige Bischof Nikolaus für die kleinen und großen Kinder stattete dem Markt seinen Besuch ab. Weitere Akteure im Programm waren der Männerchor, der Musikverein Heimbach-Weis, der Frauenchor, der Musikverein Heimbach-Weis, der Posaunenchor der evangelischen Kirche Dierdorf sowie zu etwas späterer Stunde für die Partygänger die Band „Ohne Filter“ mit Akustik-Rock zur Weihnachtszeit.
Freundeskreis hatte einen eigenen Stand
Mit einem eigenen Stand in einer der schönen neuen Holz-Weihnachtshütten vertreten war der Freundeskreis Rengsdorf - St. Pierre le Moutier, den es seit elf Jahren gibt. 2005 hatte Rengsdorf noch keine Partnergemeinde in Frankreich. Günter Ballmann, der Vorsitzende des Vereins, regte die Partnerschaft an. Mittlerweile hat der Verein 90 Mitglieder und ist mit vielen Veranstaltungen in der öffentlichen Wahrnehmung präsent. Neben dem Weihnachtsmarkt sieht man seine Mitglieder auch bei den Boule-Turnieren, bei Kino-Abenden oder beim Französischen Markt in Neuwied. St. Pierre le Moutier liegt 30 Kilometer südlich von Nevers, der Partnerstadt von Koblenz, in der Region Burgund. Sie hat eine besondere Beziehung zu der französischen Freiheitskämpferin Jeanne d’Arc, die St. Pierre 1429 aus der Besetzung durch die Engländer befreit haben soll. Der Ort hat 2.500 Einwohner und ist auch bekannt für seine Zucht von Charolais-Rindern. Als „sehr, sehr nett“, beschreibt Günter Ballmann die Menschen in der Partnergemeinde. Dort gibt es mittlerweile auch einen „Square de Rengsdorf“. Als Spezialität aus Frankreich schenkten die Freundeskreis-Mitglieder auf dem Weihnachtsmarkt neben verschiedenen Weinen „Eau de Vie“ aus, ein etwas hochprozentiges „Wasser des Lebens“. Warum die Rockfreunde Rengsdorf sich am Weihnachtsmarkt beteiligen, erklärt deren Vorsitzender Christoph Krämer: „Als vor drei Jahren der Rengsdorfer Weihnachtsmarkt auf größere Füße gestellt wurde, sind wir auch gefragt worden, ob wir nicht etwas machen wollen. Da wir sowieso ziemlich viel Equipment haben und ein bisschen Wert auf Show legen, haben wir gesagt okay, wir machen ein bisschen Action. Deshalb sind wir mit der Feuerzangenbowle nach Heinz-Rühmann-Art dabei. Es kommt wirklich gut an.“ In diesem Jahr haben die Rockfreunde einen Freund aus Montabaur mitgebracht, der die neue Technik des „Rolled Ice“ präsentiert, bei der flüssiges Eis ähnlich einem Crepes auf einer Platte ausgebreitet und dann zu Rollen geformt wird. Die Erlöse aus dem Weihnachtsmarkt fließen komplett in die Ausrichtung des nächsten Rockfestivals im kommenden Jahr, sagt Christoph Krämer. Der Verein hat zurzeit 45 Mitglieder. In einer kleinen Programmpause hat auch Ortsbürgermeister Christian Robeneck Zeit für ein kleines Gespräch mit „Blick aktuell“: „Neu sind in diesem Jahr die Hütten, die wir von der Gemeinde haben bauen lassen. Die Vereine haben beim Streichen und Aufbau der Hütten geholfen. Das soll der Anfang eines noch größer werdenden Weihnachtsdorfes sein. Der Standort wird aber hier am Bur bleiben. Früher endete der Weihnachtsmarkt immer mit dem Besuch des Nikolauses um 18, 19 Uhr. Letztes Jahr sind ein paar Feierlustige hier hängengeblieben. Das war für uns die Anregung, dass wir gesagt haben: Okay, dann müssen wir musikalisch nach dem Ende des eigentlichen Marktes auch noch etwas anbieten. Deswegen habe ich voriges Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Neuwied die Gruppe Ohne Filter engagiert, die heute Abend hier spielen werden.“
Große Engagement der Vereine
Ausdrücklich verweist Robeneck auf das Engagement der Vereine, die in den Hütten ihre Angebote präsentieren. Das sind die evangelische Kirchengemeinde, die Maimädchen, der Frauenchor, der Männerchor und der Freundeskreis St. Pierre. In einem etwas größeren Zelt bietet Vanessa Runkel selbst hergestellte Gegenstände an, Accessoires von der Handtasche bis zum Handy-Etui. Der SV Rengsdorf ist mit einem eigenen Wagen vertreten. Die Frauen des Vereins verkaufen Mistelzweige und Dekorationsartikel und bieten zum Verzehr Kribbelchen an. Gemeinderatsmitglied Dieter Büttner verkauft seinen selbst hergestellten Honig. Zum ersten Mal beteiligte sich die Rengsdorfer Feuerwehr mit ihrer Gulasch-Kanone am Weihnachtsmarkt. Im Topf köchelte allerdings keine Gulasch- sondern Erbsensuppe. Nachdem der einstmals deutlich größere Rengsdorfer Weihnachtsmarkt nach den Worten von Christian Robeneck an Attraktivität zu verlieren drohte, hat ihm der Ortsbürgermeister durch sein Engagement seit drei Jahren wieder deutlich mehr Leben eingehaucht, sodass einer erfolgreichen Zukunft der Veranstaltung nun nichts mehr im Weg steht.
