Veranstaltungsreihe "Gegen das Vergessen"
Andrea Eckert begeisterte das Publikum
Programm bot die ganze Gefühlsbreite jüdischen Lebens
Rhein-Lahn-Kreis. Restlos begeistert war das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Kreishauses bei dem ebenso bewegenden wie schwungvollen Auftritt der Wiener Schauspielerin und Sängerin Andrea Eckert im Rahmen der Reihe „Gegen das Vergessen“. Die Besucherinnen und Besucher erhoben sich zum Abschluss von ihren Sitzen, um ihr durch minutenlangen Applaus zu danken und erfolgreich mehrere Zugaben zu entlocken. Der von vielen Fernseh- und Theaterproduktionen auch in Deutschland gut bekannten Schauspielerin war es gelungen, den durchaus schwierigen Spagat zwischen Trauer und Betroffenheit über das Schicksal der Juden und der jüdischen Lebensfreude, die sich häufig in ihren Liedern spiegelt, geradezu spielerisch und auf hohem gesanglichem und schauspielerischem Niveau zu meistern. Das von André Heller zusammengestellte Programm mit Liedern und Texten von Friedrich Hollaender, Georg Kreisler, Nelly Sach, Randy Newman und vielen anderen bot die ganze Gefühlsbreite jüdischen Lebens - von tiefster Trauer und leiser Sentimentalität bis hin zu hintersinnigem Witz und ausgelassener Lebensfreude. All dies brachte Andrea Eckert mit einer Bravour auf die Bühne, die die Besucherinnen und Besucher vom ersten Takt an in ihren Bann zog. Dass sie mit ihrer Darbietung, die den treffenden Titel „Zum Weinen schön, zum Lachen bitter“ trägt, auch in emotionale Tiefen vorstieß, wie sie auf einer Bühne wohl nur selten zu erreichen sind, zeigt die hohe Kunst ihrer gesanglichen und schauspielerischen Fähigkeiten. Bedeutenden Anteil an diesem besonderen Abend hatte auch der junge Pianist Benjamin Schatz, der mit Virtuosität und Hingabe den Stücken pianistischen Glanz verlieh. Der Auftritt war sicherlich einer der Höhepunkte in der vieljährigen Veranstaltungsreihe „Gegen das Vergessen“ im Kreishaus. Seit Ende der 80er finden im Rahmen dieser Reihe alljährlich am 9. November Konzerte, Vorlesungen, Liederabende und Ausstellungen statt, die dem Gedenken an das Leid und die Ermordung der jüdischen Bevölkerung während der Nazi-Herrschaft gewidmet sind. Seit das Kreishaus 1984 eröffnet wurde, hat die Kultur dort mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten und Literaturveranstaltungen ihren festen Platz im Jahreslauf. Zugleich stellten sich alle Landräte der moralisch gebotenen Aufgabe, das jüdische Erbe in angemessener Weise darzustellen. Dabei geht es zum einen um das Gedenken an das Leiden der jüdischen Mitbürger, das spätestens mit dem 9. November 1938, der „Reichspogromnacht“ seinen Anfang nahm, und zum anderen um die Mahnung: „Nie wieder!“, die bei den fremdenfeindlichen Ausschreitungen in den 90er-Jahren, aber auch heute besondere Aktualität hat. Zum dritten aber geht es auch um das Bewahren und die Wiederentdeckung der reichen Kultur, die mit der millionenfachen Ermordung der Juden fast verloren schien
.Pressemitteilung des Rhein-Lahn-Kreises
Landrat Frank Puchtler (links) zeigte sich tief berührt und dankte der Künstlerin Andrea Eckert und ihrem Begleiter Benjamin Schatz mit herzlichen Worten und einer großen Geschenkpackung „Emser Pastillen“, damit diese besondere Stimme gerade in der nass-kalten Jahreszeit keinen Schaden nehme.Foto: privat
