Allgemeine Berichte | 03.11.2016

Arbeitsagentur legt Ausbildungsbilanz 2015/16 vor

Auch gut qualifizierte Bewerber gehen immer häufiger leer aus

Viele junge Leute starten ihre Suche nach einer Lehrstelle zu spät

Kreis Mayen-Koblenz. Vor rund vier Wochen hat das neue Ausbildungsjahr begonnen. Für die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und einen Blick zurückzuwerfen auf den Ausbildungsjahrgang 2015/16. 3.845 junge Frauen und Männer sprachen zwischen Oktober 2015 und September 2016 bei der Berufsberatung vor, um sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen zu lassen. Im gleichen Zeitraum meldeten die Betriebe im Agenturbezirk – er umfasst die Stadt Koblenz und die Landkreise Mayen-Koblenz, Cochem-Zell und Ahrweiler – dem Arbeitgeberservice 4.196 Ausbildungsstellen. Ende September, dem offiziellen Abschluss des Ausbildungsjahres, sind 37 junge Menschen „übrig geblieben“. Ihnen stehen 284 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. „Obwohl damit rechnerisch fast acht Stellen auf jeden unversorgten Bewerber kommen, ist es nicht immer einfach, den verbliebenen Jugendlichen zu einem schnellen Start in den Beruf zu verhelfen. Das zeigt sehr deutlich, dass die Vermittlung in Ausbildung nicht bloß eine rein mathematische Aufgabe ist“, betont die stellvertretende Agenturleiterin, Christina Arend. Die Gründe offenbaren sich beim Blick auf die Wunschberufe der verbliebenen jungen Leute und das noch vorhandene Angebot: Während bei den Bewerbern etwa kaufmännische, mediale oder Ausbildungsstellen als Informatiker hoch im Kurs stehen, suchen Arbeitgeber vor allem Nachwuchs für Hotel und Gastronomie, aber zum Beispiel auch Bäcker und Bäckereifachverkäufer(in)en. „Das ist der Klassiker in der Ausbildungsberatung: Die Interessen von Arbeitgebern und Bewerbern passen manchmal einfach nicht zusammen.“ Beobachtet werden aber auch eher neue Entwicklungen. Denn anders als in der Vergangenheit sind es längst nicht mehr nur junge Leute mit mäßigen Schulabschlüssen, die am Ende ohne Job dastehen. Zunehmend sind darunter auch Abiturienten oder sogar Studenten anzutreffen. „Da wird der Trend sichtbar, nach Möglichkeit Abitur zu machen und zu studieren. Wenn dann der Notenschnitt nicht ausreicht und von der Uni eine Absage kommt, ist es meist schon recht spät, um auf dem Ausbildungsmarkt noch seinen Traumjob zu ergattern“, erklärt Arend. Eine andere Gruppe von gut qualifizierten Bewerbern, die sie ausgemacht hat, sind Studienabbrecher, deren Zahl seit Jahren ansteigt. Auch sie kämen häufig erst dann in die Berufsberatung, wenn die besten Stellen bereits vergeben seien. Allerdings hält die Expertin die mittelfristigen Berufsaussichten für diese jungen Leute dennoch für sehr gut. Schließlich gebe es grundsätzlich eine hohe Nachfrage nach qualifiziertem Nachwuchs. „Auch wenn die richtige Stelle im Augenblick vielleicht nicht zu haben ist.“ Allerdings, betont sie, gebe es durchaus realistische Chancen, dass es sogar in diesem Jahr noch klappen könne. „Denn gerade in den ersten Ausbildungswochen bemerkt der eine oder andere Auszubildende, dass der ausgewählte Beruf doch nicht zu ihm passt und springt wieder ab. Im Oktober und November ist deshalb noch viel Bewegung im Markt.“ Alle, die tatsächlich in diesem Jahr nicht zum Zug kommen, sollten unbedingt am Ball bleiben und frühzeitig ihren Berufsstart im nächsten Jahr planen, rät Christina Arend. „Noch können sie zu den frühen Vögeln gehören, diese Chance sollte niemand an sich vorbeiziehen lassen. Jetzt können Praktika gemacht und persönliche Kontakte geknüpft werden. Denn nach wie vor besetzen gerade große Unternehmen ihre Ausbildungsplätze gern frühzeitig. Unterm Weihnachtsbaum könnte bereits die Zusage für eine Stelle im nächsten Jahr liegen.“ Nutzen sollten natürlich auch jene jungen Menschen die kommenden Monate, die tatsächlich wegen ungünstiger Startbedingungen leer ausgegangen sind. Der Arbeitsagentur stünden etwa mit der Assistierten Ausbildung (AsA) oder der Einstiegsqualifizierung (EQ) hervorragende Instrumente zur Verfügung, um Defizite auszugleichen und Chancen zu verbessern. So sehe etwa AsA dort, wo es nötig erscheine, eine Begleitung der Jugendlichen vor und während der gesamten Ausbildung vor. „Eine so umfassende Unterstützung hat es nie zuvor gegeben. Aber auch das braucht natürlich Zeit. Deshalb sollte sich wirklich jeder, der noch in diesem oder im nächsten Jahre eine Ausbildung sucht, so schnell wie möglich bei uns melden.“ Jugendliche und ihre Eltern können Kontakt zur Berufsberatung über die kostenlose Servicenummer aufnehmen: Tel. (08 00) 4 55 55 00.

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