Allgemeine Berichte | 29.05.2019

Die Ära Walter Ullrich als Intendant des Kleinen Theaters Bad Godesberg und des Schlosstheaters Neuwied endet

Auf Wiedersehen mit Szenen aus Goethes „Faust I“

Unsere Redakteurin Barbara Voss besuchte Walter Ullrich in seinem Zuhause in Wachtberg.Foto: BV

Wachtberg/Bad Godesberg/Neuwied. Walter Ullrich, wer kennt ihn nicht, den Gründer des Kleinen Theaters Bad Godesberg, welches am 21. Oktober 1958 seine Pforten ursprünglich in der Ubierstraße öffnete und in diesem Jahr nun irgendwie seine Pforten schließt. Oder besser gesagt, eine Ära, nämlich die des Walter Ullrich, geht nach unglaublichen 60 Jahren zu Ende.

Ursprünglich als Kellertheater gegründet, überließ ihm die Stadt Bonn im Jahr 1969 in Anerkennung seiner Leistungen für die damalige Badestadt das Bürgermeisterhaus im Kurpark, dass durch die Eingemeindung Bad Godesbergs frei geworden war. Nach erfolgtem Umbau eröffnete er dieses Haus am 17. September 1970 und bis heute ist dort das „Kleine Theater“ untergebracht.

Der im Jahr 1931 geborene Ullrich wurde im Februar 1945 zum Volkssturm eingezogen und begann im Anschluss daran im Herbst 1945 seine Bühnenlaufbahn als Volontär an den Städtischen Bühnen Halberstadt unter dem damaligen Intendanten Waldemar Teuscher.

Im Sommer 1946 siedelte er in den Westen über und wurde direkt von Max Wendeler an das Stadttheater Bad Godesberg engagiert. Ein Jahr später verließ er Bad Godesberg und ging an das neu gründete Bergstadttheater Lüdenscheid, wo er erstmals große und bedeutende Rollen wie den Jacob in Max Halbes „Strom“, den Ferdinand in „Kabale und Liebe“, den Niclas in John Knittels „Via Mala“ aber auch die ersten komischen Rollen wie den Heinrich in „Die spanische Fliege“ spielte.

Als 1948 durch die Währungsreform die meisten der neu gegründeten Theater schließen mussten, begab er sich mit einem Theaterstück im Rahmen der gesundheitlichen Volksaufklärung auf Deutschlandtournee und synchronisierte nebenbei über 100 Filme bei der Internationalen Filmunion in Remagen. So kennen und lieben wir Walter Ullrich, den bis heute nichts unterkriegen konnte.

Unzählige Aufführungen sind im Kleinen Theater Bad Godesberg über die Bühne gegangen, Kurt Hübner, Karl-Heinz Stroux, Ulrich Erfurth und Ephraim Kishon inszenierten hier. Durch Ullrichs gute Kontakte konnte er fast alle Stars der UFA und auch der Nachkriegszeit von Marika Rökk bis Gunther Philipp für sein Theater verpflichten.

Im Jahre 1979 bot ihm zudem noch die Stadt Neuwied die Intendanz der Landesbühne Rheinland-Pfalz und des Schlosstheaters Neuwied an. Eine große Herausforderung, die er zusätzlich zu seiner Bad Godesberger Theaterleitung übernahm.

Wenn man meint, er hätte keine Zeit mehr gehabt auf der Bühne zu stehen, dann täuscht man sich, was ein Vollblut Schauspieler wie Walter Ullrich ist, der musste mindestens einmal im Jahr selbst auf der Bühne stehen.

Die Bandbreite des Schauspiels reicht von der Klassik bis zur bewährten Moderne, von der Tragödie bis zur Boulevard-Komödie. Daneben standen auch „kleine Formen“ von Oper, Operette und Musical auf dem Spielplan, wobei auch das traditionelle Weihnachtsmärchen im Spielplan seinen festen Platz hatte. In jeder Spielzeit wurden bis zu 300 Vorstellungen gegeben. Bei einer Kapazität von 161 Plätzen erreicht die Bühne eine durchschnittliche Platzauslastung von etwa 95 Prozent, wozu auch die über 1.700 Abonnenten regelmäßig beitrugen.

Nun heißt es in diesem Jahr im Sommer nach 50-jähriger Vertragslaufzeit für Walter Ullrich „der letzte Vorhang fällt“ und Frank Oppermann wird neuer Intendant des Kleinen Theaters.

Grund genug für uns, Walter Ullrich zum Abschied noch einmal einige Fragen zu stellen.

„BLICK aktuell“: Wie geht es Ihnen nach dem ganzen Hick Hack um Ihr Lebenswerk?

Walter Ullrich: Sehr gut!

Ist Frank Oppermann der richtige Mann und wie stehen Sie zu seinem Konzept?

Sein Spielplan für die nächste Spielzeit ist sehr gut und anspruchsvoll, ich hoffe, dass die Abonnenten treu bleiben und ihm seine Pläne finanziell ermöglichen.

Wird Ihr Team von der neuen Theaterleitung übernommen?

Ja, bis auf eine Mitarbeiterin, die aus Altersgründen ausscheidet.

Werden Sie Frank Oppermann in Zukunft beratend zur Seite stehen?

Selbstverständlich.

Viele interessante Schauspieler/ - innen sind bei Ihnen ein- und ausgegangen. Wer hat Sie am meisten fasziniert?

Da könnte ich zwei Dutzend Namen nennen.

An welche lustigen Anekdoten oder Pannen denken Sie gerne zurück?

Auf der Bühne gibt es manchmal lustige Versprecher. Viele Kollegen müssen dann lachen, aber ich bleibe immer ernst. Allerdings einmal hat mich doch eine junge Anfängerin aus der Fassung gebracht. In der Komödie „Der Mustergatte“ muss sie mich ans Telefon rufen mit dem Satz „Herr Bartlett, sie werden am Telefon verlangt“ . Dann sagte sie bei einer anderen Vorstellung „Herr Bartlett, sie werden am Telefon gewünscht“. Als sie dann beides verwechselte und sagte „Herr Bartlett, sie werden am Telefon verwünscht“, habe auch ich lachen müssen. Ich könnte natürlich eine ganze Menge erzählen, aber an dem geschilderten Beispiel waren es nicht nur die falschen Texte, sondern auch die maßlos erschrockenen Augen der jungen Kollegin, die mich zum Lachen gebracht haben.

Ach da fällt mir gerade noch etwas ein: Als Wilhelm Tell in der Hohlen Gasse von Küssnacht „Fort musst du Vogt, deine Uhr ist abgelaufen“ sagen musste und statt dessen sagte: „Ab musst du Vogt, deine Uhr ist fortgelaufen“ habe ich als Gessler auch nicht auftreten können, weil ich lachen musste.

Mit „Kennen Sie die Milchstraße“ öffnete das Kleine Theater am 9. Januar 1959 zum zweiten Mal seine Pforten und mit diesem Stück verabschieden Sie sich auch vom Kleinen Theater. Welche Bedeutung hat das Stück für Sie?

Es ist das einzige Stück, das 60 Jahre auf dem Spielplan stand und in dem ich nicht nur Regie geführt habe, sondern auch alle Rollen gespielt habe.

Am 16. Juni gibt es einen Abschiedsabend mit Abschiedsparty. Wird Walter Ullrich dann nochmal so richtig auf den Putz hauen oder wie darf man sich den Abend vorstellen?

Der Abschiedsabend ist mit Szenen aus „Faust I“ ein mehr feierlicher Abend, auf den Putz hauen kann man dann bei der darauffolgenden Party, es gibt Sekt und Prosecco, alkoholfreie Getränke, die Stadthalle stiftet ein Buffet, zum Abschluss gibt es auch ein Feuerwerk.

Was ist es für ein Gefühl, zum Abschied noch einmal mit den alten Weggefährten wie beispielsweise Folker Bohnet oder Claus Wilcke auf der Bühne zu stehen?

Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut dabei, aber das merkt man sicher erst hinterher.

Man hat Sie unlängst auf der Bühne im Malente Palast als Kaiser gesehen. Werden Sie auch weiterhin auf der Bühne stehen oder setzen Sie sich komplett zur Ruhe? Kann Walter Ullrich überhaupt ohne die Theaterluft leben?

Im Herbst spiele ich an der Landesbühne Neuwied und auf einer Deutschlandtournee in Schiller’s „Don Carlos“ den Grossinquisitor.

Werden Sie weiterhin mit der Landesbühne Rheinland-Pfalz im Schlosstheater in Neuwied zusammenarbeiten? Immerhin sind Sie dort seit 1979, also über 40 Jahre, der Leiter.

Ja und ich freue mich darauf.

Wie stellen Sie sich Ihren neuen Alltag vor? Werden Sie anfangen zu reisen oder was werden Sie tun?

Das was ich am liebsten mache. Theater spielen.

Mit Anouschka Renzi stand Ullrich oft auf der Bühne des Kleinen Theaters.

Mit Anouschka Renzi stand Ullrich oft auf der Bühne des Kleinen Theaters.

Unsere Redakteurin Barbara Voss besuchte Walter Ullrich in seinem Zuhause in Wachtberg.Foto: BV

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Dauerauftrag Imageanzeige
Jörg Schweiss
Wir helfen im Trauerfall
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sachbearbeiter/in (w/m/d)
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
471

Buchholz. Am Sonntag, dem 22.03.26 wurden im Rahmen eines Schadensfalls mit zwei toten und einem verschwundenen Damwild aus dem Gemeindegebiet Buchholz, Verbandsgemeinde Asbach (Kreis Neuwied) DNA-Abstriche genommen und an das Senckenberg Institut zur Analyse überstellt. Bei der Untersuchung der Proben wurde als Ergebnis „Wolf“ mit dem Haplotyp HW01 - daher zugehörig zur Mitteleuropäischen Flachlandpopulation - nachgewiesen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Maria Ginzler. Foto: privat
488

Die gebürtige Heimersheimerin hat sich im Kreisgebiet und darüber hinaus verdient gemacht.

Kreis Ahrweiler: Große Trauer um Maria Ginzler

Region. Nach kurzer Krankheit starb Maria Ginzler im Alter von 97 Jahren am Samstag, 11. April im Krankenhaus Mayen. Durch ihren ehrenamtlichen Einsatz hat sich die gebürtige Heimersheimerin im Kreisgebiet und darüber hinaus verdient gemacht.

Weiterlesen

Von links: Ortsvorsteher von Miesenheim, Stefan Kneib, gemeinsam mit Oberbürgermeister der Stadt Andernach, Christian Greiner.Foto: Stadtverwaltung Andernach / Elline Köckritz
20

Stadt Andernach verbessert Infrastruktur für Pendlerinnen und Pendler in Kooperation mit der Deutschen Bahn

Einfach umsteigen: Neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof Miesenheim

Andernach. Die Stadt Andernach hat im Stadtteil Miesenheim eine neue Fahrradabstellanlage am Bahnhof errichtet. Das Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Deutschen Bahn umgesetzt und stellt einen wichtigen Baustein für die Förderung nachhaltiger Mobilität dar.

Weiterlesen

Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Dauerauftrag
Hausmeister, bis auf Widerruf
Dauerauftrag 2026
Anzeige "Rund ums Haus"
Wir helfen im Trauerfall
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Kleinanzeigen
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Titelanzeige KW 15
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Wohnträume
  WÄRMEPUMPE ÖL/GASHEIZUNG
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Blütenfest
Leiter/in (w/m/d)
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür