In Breitenau entstand eine Initiative zur Förderung von Schulbildung in Nigeria
Aus Fremden wurden Freunde
Ulrike Freisberg und Pfarrer Geoffrey Ogbuene machten den Anfang
Breitenau. „Es ist jetzt fast 20 Jahre her, da war bei uns in der Kirchengemeinde der nigerianische Pfarrer Geoffrey Ogbuene tätig. Ich habe im Gespräch zu ihm gesagt, dass ich Projekte in seinem Heimatland gerne unterstützen würde, wenn ich wüsste, dass die Hilfe dort ankommt. Dann erzählte er mir von den Schulkindern. Damals hatte er acht Kinder, die sollte ich anschreiben, dass ihr Schulgeld weiter bezahlt wird, wenn er wieder zurück in Nigeria ist.“ – So beschreibt Ulrike Freisberg die Anfänge eines kleinen Projekts, das mittlerweile bedeutende Ausmaße angenommen hat. Aus den anfänglich acht unterstützten Schülerinnen und Schülern in Nigeria wurden über den Zeitraum 210 Kinder aus ärmlichsten Verhältnissen, denen mit der Hilfe des von Ulrike Freisberg gegründeten Vereins „Nwanne di namba – Freunde in der Fremde“ eine Schulbildung und damit eine bessere Zukunft ermöglicht wurde. Mittlerweile werden sogar schon acht weitere Jugendliche in ihrer Ausbildung bzw. ihrem Studium unterstützt. Für eine Ausbildung muss in Nigeria Lehrgeld gezahlt werden.
„So nahm das Schicksal seinen Lauf, eigentlich ganz einfach“, blickt Ulrike Freisberg heute zurück. Am Samstagabend zeigte sie im Breitenauer Pfarrheim interessierten Menschen Bilder und Videos von ihrem jüngsten Besuch in Nigeria zusammen mit ihrem Ehemann Bernhard im Januar 2019.
2006 wurde der Verein gegründet. Selbst die Grundschule in Nigeria kostet Geld, berichtet Ulrike Freisberg. „Nwanne di namba“ unterstützt meist Halbwaisen- oder Waisenkinder oder Kinder von Eltern, die komplett mittellos sind und ohne Hilfe keine Chance auf Bildung hätten. Von dem Geld aus Breitenau werden die Schulbücher, das Schulgeld und die Schuluniform bezahlt. Der monatliche Mitgliedsbeitrag im Verein beträgt zwei Euro, eine Schul- oder Ausbildungspatenschaft beläuft sich auf 13 Euro im Monat. Im Moment hat der Verein 35 Mitglieder. Er freut sich aber auch über Spenden in jeglicher Höhe von Nichtmitgliedern. Das Spendenkonto bei der Westerwaldbank ist DE33 5739 1800 0018 8068 00. Sechs Jahre dauert die Grundschulzeit, danach sind ein mittlerer Schulabschluss oder nach zwölf Jahren das Abitur möglich.
Ulrike Freisberg hat von Pfarrer Geoffrey gelernt: „Die Schule ist das Beste, das den Kindern passieren kann. Denn sie haben sonst überhaupt keine Perspektive.“ In einer Dankesrede, die beim Besuch der Freisbergs im Januar in Nigeria gehalten wurde, heißt es: „Wie ihr sehen könnt, unsere Gesichter strahlen vor Freude in eure Herzen. Viele von uns wären ohne eure Hilfe zu Bettlern und Dieben entlang der Straße geworden. Ihr habt uns groß gemacht.“
Das „Dorf“, in dem Nwanne di namba hauptsächlich aktiv ist, heißt Okpatu und hat 10.000 Einwohner. Zusammen mit Misereor haben die Breitenauer dort 2004 einen Wasserbrunnen gebaut, der heute noch funktioniert. Seit 2016 sorgen Ulrike Freisberg und ihre Mitstreiter für die Renovierung der Community Secondary School in Okpatu, der einzigen Schule nach der Primary School. Ulrike Freisberg: „Das war eine trostlose Behausung. Es gab keine Fenster, keine Türen, keinen festen Fußboden und keine sanitären Anlagen. Die Kinder mussten in den Büschen ihre Notdurft verrichten. Diese Investition konnten wir mit Hilfe von Lotto Rheinland-Pfalz und dem entwicklungspolitischen Netzwerk Rheinland-Pfalz, in dem wir Mitglied sind, verwirklichen. Aktuell wird gerade die Examenhalle renoviert, mit Fenstern, Türen, einem festen Fußboden und einem neuen Dach.“
Der Kontakt zu Pfarrer Geoffrey ist in der ganzen Zeit nie abgebrochen. Er verbringt noch jedes Jahr seinen Urlaub in Deutschland und besucht Breitenau.
Ulrike Freisberg und ihr Mann Bernhard
tanzen mit fröhlichen nigerianischen Menschen.
Im Pfarrheim hatte der Verein eine kleine Ausstellung
zusammengestellt mit Briefen und Fotos von geförderten Schülerinnen und Schülern aus Nigeria. Foto: KER
Das Foto zeigt die „Freunde ind er Fremde“ vor der Community-Secondary-School Okpatu. 320 Schüler können hier ihr Abitur machen. Seit 2016 wird hier durch Sonderspenden umfangreich renoviert. Das nächste große Projekt wird das dringend geforderte Labor sein, damit die Kinder in den naturwissenschaftlichen Fächern ihre Prüfungen ablegen können. Ohne diese Erweiterung wird das künftig nicht mehr möglich sein. Das wäre ein herber Rückschlag für die Bildung der Dorfkinder.
