Alle drei Damensitzungen der Karnevalsgesellschaft 1903 Obermendig in der Schützenhalle waren restlos ausverkauft
Aus dem Obermendiger Hexenkessel wurde ein Partydschungel
Mendig. Die Kuppe des Hochsteins präsentierte sich am vergangenen Freitag im Winterkleid. Am Eingang zur Schützenhalle in Obermendig verteilten nette Helferinnen passend zum Valentinstag rote Schokoladenherzen, die bei der über fünf Stunden dauernden Damensitzung zum Schmelzen gebracht wurden. Der „Hexenkessel“, wie die Location im Volksmund genannt wird, machte diesem Namen alle Ehre. Unter dem Motto „Ejal ob Löwe, Affe oder Hummel, Owemennesch würd zom Partydschungel“ begeisterte die Karnevalsgesellschaft 1903 Obermendig das Publikum wie in jedem Jahr mit närrischen Höchstleistungen. Das war exakt 24 Stunden später ebenso der Fall wie zum Auftakt eine knappe Woche zuvor. Die KGO veranstaltet mittlerweile pro Session gleich drei Damensitzungen, um dem Zuschauerstrom Herr werden zu können. Die Besucher durften den besonderen Reiz und die exzellente Stimmung erleben. Zwar ist die Halle nicht die größte, im Umkehrschluss bedeutet dies aber Partystimmung pur.
„Wir sind sehr zufrieden: Wieder haben wir es geschafft, ausschließlich mit eigenen Leuten drei hochkarätige Sitzungen auf die Beine zu stellen. Das ist ein Ansatz, den wir seit Jahren verfolgen und der Früchte trägt, schließlich waren alle drei Sitzungen restlos ausverkauft“, zog Sitzungspräsident Nico Junglas ein äußerst positives Fazit. „Die Gründung der neuen Jugend-Showtanzgruppe zeigt zudem, dass wir uns in besonderem Maß um den karnevalistischen Nachwuchs bemühen und als Verein in die Zukunft denken.“ Nach dem Einmarsch des Elferrats und der Kellbach-Funken bewiesen die Clowns der Kindergarde und die Jugend-Showtanzgruppe, was sie unter den beiden Trainern Angi und Andreas Müller so alles gelernt haben und dass sie zweifellos ein Faustpfand für später sind.
Büttenredner gibt es heutzutage immer weniger, da mutet das Debüt von Bruno Zengler schon seltsam an. Seine Tochter Anne Lenz brachte ihren 68 Jahre jungen Vater beim Sitzungspräsidenten Junglas ins Gespräch, nach einer kurzen Kostprobe hob der den Daumen. Ein begnadeter Unterhaltungskünstler war geboren. Zengler stand allerdings nicht in der Bütt, sondern spazierte von der einen zur anderen Seite und brachte zahlreiche Kalauer zum Besten.
Anschließend präsentierte die Jugendgarde der Kellbach-Funken (mit Sarah Uelmen als Verantwortliche der Jugendgarde und mit Sophia Stahl und Chiara Centonze als Trainerinnen der Kellbach-Funken) ihren Gardetanz. Die bekannte Gesangsgruppe „Seleweknäin“ (Sänger Nico Junglas und Christopher Endres, Gitarre Simon Schumacher, Akkordeon Stefan Schumacher, Bass David Endres, Cajon Thomas Alef) brachte die Halle zum Beben. Vor der Pause gab es zwei weitere Höhepunkte: Annette Tiede als „Hex von Owemennech“ legte in etwas anderer Form als sonst pointiert die Finger in die politischen Wunden und wurde dabei von den beiden „Allesklebern“ Frank Neideck und Thomas Alef bei ihrem Auftritt immer wieder „gestört“.
Personell aus den unterschiedlichsten Gründen gebeutelt, zauberte das Herrenballett „Johannishöfer“, ein absolutes Aushängeschild der KGO, unter der Regie von Judith und Lea Fuchs das „Märchen vom verwunschenen Prinzlein“ aufs Parkett. Die Zugabe fiel etwas kürzer aus, schließlich stand noch ein Wettbewerb in Lahnstein auf dem bereits vollen Terminkalender.
Die erste halbe Stunde nach der Unterbrechung beanspruchte das imposante Husarencorps „Jack von der Wasserschöpp“ um Kommandeur Frank Neideck und Regimentskapellmeister German Heuft. Angi Müller war für den Kadettentanz verantwortlich, Lara Skubch für das Tanzcorps. 90 Aktive gehören mittlerweile den Husaren an. Knapp 50 von ihnen standen auf den Brettern, viel mehr Leute hätten es nicht sein dürfen. Eine besondere Ehre wurde Bernd Kütscher zuteil: Er wurde zum Oberleutnant befördert.
Nicht wegzudenken ist bei einer KGO-Damensitzung das Zwiegespräch eines Ehepaars, das auch im realen Leben eines ist: Michael Hamann, zugleich der Vorsitzende der KG 1903 Obermendig, und seine Frau Caroline wuschen schmutzige Wäsche. Ihr missfiel der umschweifende Alkoholgenuss ihres Partners, er kritisierte ihre nicht vorhandenen Kochkünste. Danach ging es wieder tänzerisch weiter: Die „Owemagics“ eroberten als „Piraten“ die Bühne, angeleitet wurden sie von Malena Bahr und Vanessa Müller. Jede Bewegung war perfekt, jeder Schritt synchron.
Als „De Böd un de Herr Jescheut“ kamen Ruth Franzen-Furch und ihr Sohn Lukas Furch daher. Bei ihrem witzigen Vortrag blieb kein Auge trocken. Die „Highstone Dancers“, betreut von Angi Müller und Kai Biewald (Choreo), waren „In himmlicher Mission durch Owemennech“ unterwegs. Als Bänkelsänger leitete Andree Niederelz das große Finale ein. Nach fünf Stunden war der „Spuk im brodelnden Hexenkessel“ vorbei. Manche Gäste vergaßen das Valentinstag-Geschenk auf den Tischen, doch Obermendig haben oder hatten sie sowieso im Herzen.
Nachwuchssorgen muss sich die KG Obermendig nicht machen: Im vergangenen Jahr formierte sich eine neue Jugendtanzgruppe.
Sitzungspräsident und Sänger der Gruppe „Seleweknäin“ in Personalunion: Nico Junglas (links).
Die Highstone Dancers waren „In himmlischer Mission“ unterwegs.
„De Blöd und de Herr Jescheut“: Ruth Franzen-Furch und ihr Sohn Lukas Furch.
Mit 68 Jahren feierte Bruno Zengler sein Debüt in der Bütt.
Das Aushängeschild der KGO schlechthin: das Herrenballett „Johannishöfer“.
