Allgemeine Berichte | 04.07.2025, 09:46 Uhr

Zoo Neuwied zieht Bilanz im Artenschutzprojekt

Bedrohte Würfelnattern erfolgreich ausgewildert

68 junge Würfelnattern konnten in ein neu geschaffenes Ausweichhabitat entlassen werden.Fotos: E. Fritsch

Neuwied. Es ist ein bedeutender Meilenstein für den Schutz einer der seltensten heimischen Wirbeltierarten: 68 junge Würfelnattern konnten in ein neu geschaffenes Ausweichhabitat an der Lahn entlassen werden, um eins der drei letzten Vorkommen dieser Reptilienart in Deutschland zu sichern.

„Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg“, erklärt Biologin Alexandra Japes, Pressesprecherin des Zoo Neuwied. „Das Projekt war von Anfang an mit vielen Herausforderungen verbunden, doch die intensive Betreuung der Tiere hat sich ausgezahlt.“

Bereits im Frühjahr 2024 wurden zwölf adulte Weibchen aus dem Naturschutzgebiet „Schleuse Hollerich“ im Zoo Neuwied in speziell dafür angelegten Freiland-Paludarien untergebracht. Geplante Baumaßnahmen an der dortigen Wehranlage drohen, die dortige Würfelnatterpopulation zu schädigen, weshalb das zuständige Wasserstraßen-Neubauamt als naturschutzfachliche Maßnahme ein Ausweichhabitat in der Nähe angelegt hat. Da die Umsiedelung erwachsener Reptilien jedoch nicht erfolgversprechend ist, musste diese Maßnahme mit einem Zuchtprojekt kombiniert werden. „Die Schlangen haben bei uns insgesamt über 100 Eier gelegt und wurden unmittelbar danach durch Würfelnatterexpertin Dr. Lenz, die das Projekt begleitet, wieder an ihren Fundort zurückgebracht“, so Japes. „Da Würfelnattern keine Brutpflege betreiben haben sie nach der Eiablage nichts mehr mit ihrem Nachwuchs zu tun. Wir hoffen, dass sie die anstehenden Baumaßnahmen überstehen oder aus eigenem Antrieb abwandern. Trittsteinhabitate, also kleine Lebensräume, die durch die Behörde zwischen dem jetzigen Standort und dem geschaffenen Ausweichhabitat angelegt wurden, sollen dabei helfen.“

Rund 100 Jungschlangen schlüpften im Sommer 2024 – ein beeindruckender Zuchterfolg. 68 der kleinen Reptilien konnten nun ausgewildert werden. „Mit einigen Verlusten haben wir leider von vornherein rechnen müssen“, bedauert die Biologin. „Einige sind aus der Winterstarre nicht wieder aufgewacht, andere hatten eine Pilzerkrankung oder sind ertrunken. Aber der überwiegende Teil ist sehr gut gewachsen und war jetzt fit fürs Freiland.“

Ein besonderes Augenmerk bei der Vorbereitung der Tiere lag auf der Ernährung: „Wir haben selbst Fische gezüchtet und mit Ausnahmegenehmigung lebend an die Schlangen verfüttert, damit sie das Jagen lernen– eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass sie sich nach der Auswilderung eigenständig versorgen können.“

Bevor die Reptilien Ende Juni in das neu angelegte Ausweichhabitat nahe der Lahn entlassen wurden, wurden sie gründlich untersucht: Durch Dr. Lenz wurden die Tiere gewogen, vermessen und einem Gesundheits-Check unterzogen. Zudem erhielt jedes Tier einen kleinen, farbigen Punkt – dieser verschwindet mit der nächsten Häutung, ermöglicht jedoch in der Zwischenzeit ein gezieltes Monitoring. So kann beobachtet werden, wie sich die Schlangen nach der Freisetzung verhalten und ob sie sich gut im neuen Lebensraum zurechtfinden.

„Wir hoffen sehr auf positive Rückmeldung aus dem Monitoring“, so Japes. „Da es nach Expertenschätzungen nur noch weniger als 1000 adulte Würfelnattern in Deutschland gibt, die sich auf nur drei natürliche Vorkommen beschränken, welche alle in Rheinland-Pfalz liegen, kommt uns für das Überleben dieser Art in Deutschland eine besondere Verantwortung zu. Artenschutz ist für uns eben nicht nur ein Schlagwort, sondern unser größter Motivator.“

Pressemitteilung Zoo Neuwied

Die Vermessung einer Würfelnatter.

Die Vermessung einer Würfelnatter.

68 junge Würfelnattern konnten in ein neu geschaffenes Ausweichhabitat entlassen werden. Fotos: E. Fritsch

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Monatliche Anzeige
Holz Loth-Entsorgung
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Messezeitung Rheinbacher Ausbildungsmesse
Empfohlene Artikel
Im Rahmen der Veranstaltungsreiche „Medizin verstehen“ informiert Dr. Thomas Lepping (Chefarzt Akutgeriatrie und Frührehabilitation, li.) über typische Anzeichen, mögliche Auslöser sowie Vorbeugung und Behandlung von Delir-Zuständen.  Foto: Joachim Gies | Marienhaus
92

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Operation ist gut verlaufen, doch plötzlich ist die 90-jährige Patientin nicht mehr wiederzuerkennen: Sie ist unruhig, verweigert Medikamente und fragt nach ihrem bereits verstorbenen Ehemann. „Hinter der plötzlich auftretenden Verwirrtheit kann ein akutes Delir stecken“, erklärt Dr. Thomas Lepping, Chefarzt der Akutgeriatrie und Frührehabilitation am Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Weiterlesen

Das Band wird durchschnitten – die Wiederaufbaumaßnahmen in der Niederhut sind abgeschlossen.
76

Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Heute ist ein besonderer Tag für unsere Stadt, denn man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Niederhutstraße eine Hauptschlagader von Ahrweiler ist. Ein wichtiges Zeichen für den Fortschritt unseres Wiederaufbaus, denn diese Straße ist weit mehr, als Asphalt, Pflaster und neue Leitungen. Sie ist ein Teil der Innenstadt Ahrweilers, ein Ort der Begegnung und des täglichen Lebens.

Weiterlesen

Gegen das Verschwindenlassen von Menschen, insbesondere in El Salvador und Nicaragua, richtete sich ein Infostand der Neuwieder Gruppe von Amnesty International.
31

Neuwied. Gegen das Verschwindenlassen von Menschen, insbesondere in El Salvador und Nicaragua, richtete sich ein Infostand, den die Neuwieder Gruppe von Amnesty International aufgebaut hatte. Die AI Aktivisten prangerten vor allen Dingen diese Menschenrechtsverletzung in Diktaturen an, und sendete eine Petition an die Regierungsstelle von El Salvator, zu deren Unterschrift aufgerufen wurde und viele Passanten diese Form des Protestes mit ihrer Unterschrift unterstützten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Pixabay.com
2809

Für rund zweieinhalb Stunden blieb es dunkel:

05.09.: Langer Stromausfall in Remagen und Sinzig

Sinzig/Remagen. Am Samstagabend kam es um 20.07 Uhr zu einem Kurzschluss im Bereich der Umspannanlage Sinzig. In der Folge fiel im Bereich von 31 Netzstationen der Strom aus. Betroffen waren Haushalte in Sinzig und Remagen.

Weiterlesen

Nach der Flut bewiesen Gisela Dieringer und Brigitte Gafinen Durchhaltevermögen.
1319

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach mehr als 150 Jahren endet eine außergewöhnliche Familien- und Unternehmensgeschichte: Das traditionsreiche Schuhhaus Rollmann in Bad Neuenahr schließt seine Türen. Damit verliert die Innenstadt ein Geschäft, das für Generationen von Kundinnen und Kunden weit mehr war als nur ein Ort zum Schuheinkaufen, sondern einen Platz für Begegnungen und Gespräche. Nun haben sich die...

Weiterlesen