Sympatischer Virtuose am Flügel ist Preisträger des „STERN Villa Musica 2024“
„Bei uns werden junge MusikerInnen zu Persönlichkeiten“
Engers. Die Landesstiftung Villa Musica mit ihrer Kammermusik-Akademie für Ausnahmekünstler in Schloss Engers vergibt alljährlich einen Preis, den „STERN Villa Musica“. Die Künstlerische Leiterin Professorin Ervis Gega zeichnete für 2024 den Pianisten Knut Hanßen aus Hannover aus, der sich in vielen Kammermusik-Projekten nicht nur als virtuos, sondern auch als ausgezeichneter Teamplayer bewiesen hat und mit den berühmten Musikern, die als Dozenten zur Villa Musica kommen, auf Augenhöhe spielte. „Bei uns werden junge MusikerInnen zu Persönlichkeiten, manche auch zu Stars“, sagte die künstlerische Leiterin, die selbst einmal Stipendiatin der Landesstiftung war und dann als Geigerin erfolgreich wurde. Villa Musica-Stipendiaten sind nicht nur hochbegabt, sondern bereits meisterlich in ihrem Fach. Zur Villa Musica kommen sie, weil sie hier Pult an Pult mit den Größen ihrer Zunft Programme erarbeiten und aufführen können. So holen sie sich den Feinschliff auf dem Weg zu künstlerischer Reife.
Der mit 5000 Euro dotierte „STERN Villa Musica“ wird gestiftet vom Förderverein der Landesstiftung. Deren Vorsitzende Barbara Harnischfeger überreichte zusammen mit Ervis Gega einen Pokal und die Urkunde. Für die Leifheit Stiftung Nassau, welche 2024 das Preisgeld an den Förderverein gespendet hat, war deren Stellvertretender Vorsitzender, Peter Josef Mertes, bei der Verleihung anwesend.
Knut Hanßen, der an der Hochschule in Hannover bereits Lehrkraft für besondere Aufgaben ist, bewies beim solistischen Preisträger-Konzert im Dianasaal von Schloss Engers seine Sonderklasse als Pianist. Er spielte drei nächtlich dunkle, faszinierende Klavierwerke aus Klassik, Romantik und Impressionismus: Mozarts Pariser a-Moll-Sonate von 1778, Schumanns Nachtstücke Opus 23 von 1839 und „Gaspard de la Nuit“ von Ravel, eines der kompliziertesten Klavierwerke, die jemals geschrieben wurden. Das Villa Musica-Publikum erlebte dabei einen Musiker, der Mozart „mit Geschmack und Empfindung“ spielte, der mit Ravels Schauermusik am großen Steinway-Flügel des Diana-Saales fingertechnisch spektakuläre Klänge zauberte und dabei völlig gelassen und unprätentiös wirkte. Was bei Konzerten, welche die Villa Musica-Freundeskreis-Vorsitzende Barbara Harnischfeger präsentiert, immer dazugehört ist ein Gespräch mit dem Künstler. Dabei kam der Preisträger dem Publikum nahe und überzeugte menschlich gleichermaßen wie als Pianist. Zum Erstaunen des Publikums erklärte Hanßen, dass man bei dem Ravel-Stück manchmal zwei Tasten gleichzeitig anschlagen müsse, deshalb sei es gut, dass er einen großen Daumen habe. Ravel selbst habe mit seinem Daumen sogar drei Tasten fassen können. Es gebe bei YouTube eine Aufnahme mit dem Komponisten selbst zu sehen und zu hören.
In die Auswahl für den „STERN Villa Musica“ kommen junge angehende Profis am Ende ihrer dreijährigen Stipendiatenzeit. Die künstlerische Leitung und die großen Lehrmeister schauen darauf, wer nicht nur solistisch brillieren kann, sondern auch in der Lage ist, sich einzufügen, sich auf Tempo, Lautstärke und Stilfragen zu einigen. Im Ensemble ist die Tongebung aufeinander abzustimmen. Musikalischer Ausdruck muss gemeinsam erreicht werden. Das A und O bei der Kammermusik ist das aufeinander Hören und das gemeinsame Atmen.
Das brauchen Profi-Musiker nicht nur in kleinen Besetzungen, sondern auch wenn sie ins Orchester gehen. Und Villa-Musica-Absolventen sind so gut: sie bekommen alle eine Orchesterstelle, wenn sie das wollen, sagt der Manager der Kammermusikakademie, Kai Link, der den Pool von jeweils 60 bis 80 StipendiatInnen seit Jahren im Blick hat.
Der als „Villa Musica STERN“ ausgewählte Pianist Knut Hanßen ist schon mit vielen Wettbewerbspreisen ausgezeichnet worden und er lehrt bereits an der Musikhochschule Hannover andere junge Pianisten. Warum bewarb er sich, als er schon 29 Jahre alt war und sein Bachelor- und Masterstudium hinter sich hatte, überhaupt noch als Stipendiat bei der Villa Musica, fragte ihn Barbara Harnischfeger im Gespräch vor Publikum. Die Antwort: „Weil die Villa Musica einen exzellenten Ruf hat und weil man hier die Chance bekommt, Kammermusik auf höchstem Niveau zu machen, mit hochkarätigen Leuten im Team. Davon konnte ich im Studium nur träumen.“ Das ist doch mal ein schönes Kompliment.
