Der Bad Neuenahr Hotelier Michael Lentz zeichnet kein positives Bild für die Branche
„Bei vielen geht es um die blanke Existenz“
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Für die Gastronomie und die Hotellerie kam die Nachricht wie ein Schock: Im November bleiben die Türen zu. Doch wie gehen Gastronomen mit der schweren Situation um? BLICK aktuell fragte Michael Lentz, Inhaber des Hotel Central Garni aus Bad Neuenahr, nach seiner Sicht der Dinge.
BLICK aktuell: Durch den „Lockdown light“ sind vor allem die Gastronomie und die Hotels betroffen, die nun erneut schließen mussten. Wie beurteilen Sie die Maßnahmen der Bundesregierung?
Michael Lentz: In Anbetracht der Lage und Entwicklung der allgemeinen Zahlen, insbesondere der Krankenhausaufenthalte und der akut hilfsbedürftigen Personen, muss man die Entscheidungen der Politik respektieren.
Die Reduktion der persönlichen Kontakte ist wohl der einzig richtige Weg um eine Überlastung unseres Gesundheitssystem abzuwenden. Leider spürt man in der Kreisstadt auch im Einzelhandel die Folgen des „Lockdown light“, auch hier fehlen die Kunden aus dem Tourismus den Restaurants, Cafés und Hotellerie.
BLICK aktuell: Bereits durch den Lockdown ab März sind einige gastronomische Betriebe in finanzielle Schieflage geraten. Der Bund hat finanzielle Hilfen zugesagt - reicht diese Unterstützung um die Verluste aufzufangen?
Lentz: Da der erste Lockdown im März, unmittelbar vor Saisonstart, erfolgte, kamen viele Betriebe erst gar nicht in ihr diesjährige Saisongeschäft und mussten vielfach auf Rücklagen oder entsprechende Kredite zurückgreifen.
Das geht an die existenzielle Substanz, da helfen keine weiteren Kredite. Bei vielen geht es um die blanke Existenz. Nun sind wir gespannt, ob und wie die entschiedenen Unterstützungen für den andauernden „Lockdown light“ ausfallen.
Es hängen sehr viele Arbeitsplätze davon ab, ob und wann die Gastronomie und Hotellerie wieder starten kann. Wir sind nun einmal kein Industrie- oder Produktionsstandort, hier ist der Tourismus der Wirtschaftsmotor.
BLICK aktuell: Nach dem optimistisch stimmenden Sommer brachten die steigenden Infektionszahlen und die damit verbundenen Maßnahmen einen Dämpfer. Wie ist die Stimmung im Betrieb in Hinblick auf die Zukunft?
Lentz: Nicht rosig, als erstes ging es mit den Tagestouristen los, danach kamen Camping- und Caravan-Touristen sowie die Ferienwohnungen. Die Hotels kamen ziemlich zum Schluss. Die Gäste hatte schlichtweg Angst und wussten, zumeist durch die nicht einheitlichen Regelungen der einzelnen Bundesländer, ob sie buchen sollten und ob sie ihre Reise überhaupt antreten konnten.
Dies gerade aus den wichtigen Anrainer wie Nordrhein-Westfalen und den BeNeLux-Ländern. Die Buchungen ab März wurden fast allesamt storniert und neue kamen nur zögerlich.
BLICK aktuell: Gibt es besondere Angebote mit denen Sie zukünftig den Umsatz wieder in Schwung bringen möchten?
Lentz: Als mittelständisches Unternehmen hat man nicht die Möglichkeiten über den Preis oder kostenlose Zugaben zu agieren. Die Preise/Erlöse sind, bedingt durch die Macht der Onlineportale, ohnehin schon ein paar Jahre festgefroren. Wir können nur durch Unterstützung der Veranstaltungsakteure vor Ort und unserem persönlichem, familiären Charakter punkten
ROB
