Meckenheimer Firmlinge zu Gast beim Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch
„Berlin wird bald mehr Katholiken als Köln haben...“
Meckenheim. Mit erkennbarem Stolz und sichtbarer Freude berichtete der Erzbischof von Berlin und früherer Weihbischof von Köln von „seinem“ Bistum. Es umfasst nicht nur Berlin, sondern Nordsachsen, Brandenburg und zieht sich hin bis zur Küste. „Die halbe deutsche Ostseeküste gehört zu uns“ betonte der Bischof mit einem Schmunzeln. Allerdings sei die Dichte der Katholiken mit Westdeutschland nicht vergleichbar. Das hat viel mit der religionsunfreundlichen Haltung des früheren DDR-Regimes zu tun.
Dennoch, im Gegensatz zu Westdeutschland nimmt die Zahl der Katholiken deutlich zu. Das wird besonders in Berlin sichtbar. Zum einen bedingt durch Zuzüge aus Westdeutschland zum anderen durch viele Neueintritte. Allein in der letzten Osternacht gab es in Berlin fast 150 Erwachsenentaufen. „Bald wird es in unserem Berlin zahlenmäßig mehr Katholiken als in der Kölner City geben“ stellte der Weihbischof fest. Es freut ihn auch besonders, dass der innere Zusammenhalt der Katholiken im Osten unvergleichbar enger und bekenntnisorientierter ist.
Fast 30 Firmlinge machten sich mit ihrem Katecheten Günter Klein und einer weiteren Begleiterin auf den Weg nach Berlin. Antisemitismus war das Thema, das sich wie ein „roter Faden“ durch die vier Tage zog.
Beim Besuch der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am Vortag erfuhren die Firmlinge im Gespräch mit deren Vertretern, dass jüdische Gläubige im Alltag immer wieder Anfeindungen ausgesetzt sind. Ob Kindergärten oder Schulen, Restaurants oder Synagogen, ohne Polizeischutz geht es leider nicht. Auch die Jugendlichen mussten sich beim Besuch der Neuen Synagoge Kontrollen unterziehen, die sich nicht durch solche in Flughäfen unterschieden.
Interessiert stellten die Jugendlichen Fragen zum Alltagsleben in jüdischen Familien. Aber auch, warum antisemitische Haltungen nicht nur bei rechten Gruppierungen, sondern auch bei einem Teil muslimischer Mitbürger verstärkt zu finden seien. Das war auch eine Frage, die bei einer speziellen Führung im Jüdischen Museum in Berlin eine Rolle spielte. Bei allen gegebenen Antworten, die Hoffnung auf eine baldige Normalisierung im gegenseitigen Umgang hielt sich in Grenzen.
Neugier war erkennbar, als die Firmgruppe die „Berliner Nacht der Religionen“ nutzte, um die Ibn Rushd-Goethe Moschee zu besuchen. In einem kurzen Vortrag und einer sich anschließenden Diskussion konnten die Jugendlichen hören, worin sich diese Moschee, die von der Berliner Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates vor einem Jahr gegründet wurde, unterscheidet. So erfuhren die Jugendlichen auch, welchen Anfeindungen eine Moschee durch andere konservative Moscheevereine ausgesetzt ist, die sich bewusst abgrenzt und beispielsweise Frauen oder Homosexuellen gleichberechtigt offensteht. Bei dieser Gemeinde ist Antisemitismus mit Sicherheit kein Thema, aber ihre Auffassungen zu diesem Thema sind leider noch nicht zu verallgemeinern.
Auch der Erzbischof berichtete, wie schwierig sich die Zusammenarbeit mit muslimischen Verbänden gestaltet. Dennoch dürfen wir nicht aufgeben. Aber es wird noch viel Zeit vergehen, um im interreligiösen Umgang den erforderlichen gegenseitigen Respekt zu erzielen.
Auch dafür betete der Erzbischof mit den Jugendlichen, bevor er der Gruppe den Segen spendete. Abschließend wünschte er den jungen Gästen Standhaftigkeit und ein festes Bekenntnis zu ihrem Glauben. „Es lohnt sich!“ betonte er.
Sehr freute sich der Bischof über einen Meckenheimer Bildband als Gastgeschenk, kennt er doch Meckenheim von zahlreichen Visitationen und Firmungen aus seiner Zeit als Weihbischof.
Natürlich kam bei dieser Reise auch das Berliner Leben nicht zu kurz. Die Gruppe war auf Einladung von MdB Dr. Norbert Röttgen zu Gast im Deutschen Bundestag, erlebte die Sicht vom Berliner Fernsehturm bei Nacht und tanzte im angesagten „Club Matrix“ ab.
„Diese Reise machte deutlich, wie eng Politik und Religion, aber auch Glaube und Gesellschaft miteinander verwurzelt sind“ zog der Firmling Tobias Grohs für sich das Fazit dieser Reise.
