Stadt Meckenheim richtet Sammelunterkünfte her
Bis zu 70 Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sollen im ehemaligen Jobcenter unterkommen
Das derzeit leer stehende Gebäude am Neuen Markt wird zu 24 unterschiedlich großen Wohneinheiten umgebaut - Auch im städtischen Gebäude im Ruhrfeld sollen Kriegsvertriebene untergebracht werden
Meckenheim. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auf Befehl von Präsident Wladimir Putin wirkt sich auch auf die Stadt Meckenheim aus. Mittlerweile seien bereits 220 Kriegsflüchtlinge aus dem überfallenen Land in der Blütenstadt angekommen, die bislang weit überwiegend bei Privatleuten Unterkunft gefunden haben, so Bürgermeister Holger Jung (CDU). Einige vertriebene mit besonderen Anforderungen oder Handicaps habe die Stadt einem Hotel untergebracht.
Doch Jung rechnet praktisch täglich mit neuen Vertriebenen aus der Ukraine, deshalb habe man sich auf die Suche nach möglichen Sammelunterkünften gemacht und dabei zwei derzeit leerstehende städtische Gebäude ins Auge gefasst: Das ehemalige Jobcenter am Neuen Markt sowie das ehemalige Impfzentrum im städtischen Gebäudekomplex im Ruhrfeld. „Wir müssen vor die Lage kommen“, weist Jung darauf hin, dass in Krisenlagen idealerweise schon alle notwendigen Vorkehrungen getroffen sein müssten, bevor der Fall der Fälle überhaupt eintritt. Dieses Ziel habe die Stadt Meckenheim nun wohl erreicht.
Denn die Stadt habe aus den Erfahrungen der vorherigen Flüchtlingsbewegung 2015 gelernt und beschlossen, nicht wieder Turnhallen als Sammelunterkünften zu zweckentfremden. Zumal ohnehin vier städtische Turnhallen bei der Starkregenkatastrophe schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden und drei davon noch nicht wieder in Betrieb seien. Auch an eine Privatsphäre sei in einem solchen Gebäude nicht zu denken, da könne man noch so viele Trennwände ziehen.
Im ehemaligen Jobcenter am Neuen Markt ist das alles einfacher, zumal der frühere Bürokomplex über abschließbare Einzelzimmer verfügen sowie über Sozialräume, Küchen, Waschküchen und Sanitäranlagen. Hier können bis zu 70 Personen in 24 unterschiedlich großen „Wohneinheiten“ unterkommen. Zudem spricht die zentrale Lage für das Gebäude, denn Geschäfte, Supermärkte, die Schulen und das städtische Hallenbad mit weiteren Duschmöglichkeiten sind in direktem Umfeld. Ein Team der Stadtverwaltung, des Bauhofs und örtlicher Handwerksunternehmen hat in den vergangenen Tagen unter der Leitung des stellvertretenden Ordnungsamtschefs Joachim Neienhuis-Wibel das derzeit in der Vermarktung befindliche Gebäude als Sammelunterkunft hergerichtet.
Neben Zweibettzimmer gibt es hier nun auch größere Räume, in denen Familien in einem geschlossenen Bereich unter sich bleiben können. Während die Betten noch aus der jüngsten Flüchtlingsbewegung stammen, wurden Tische und Stühle aus einem schwedischen Möbelhaus besorgt. Auch gebrauchte, aber auf Dauerbetrieb ausgelegte Waschmaschinen und Kühlschränke wurden besorgt, zudem eine Reihe von kleinen und platzsparenden Pantry-Küchen mit angeschlossenem Speisezimmer eingerichtet. Im Hinterhof ist sogar eine kleine Raucherecke eingerichtet, auf dem dazugehörigen kleinen Rasenstück dürften auch hin und wieder gegrillt werden.
Wobei beim Umbau eine Reihe von Auflagen zu beachten waren, schließlich handelte es sich um eine offiziell gemeldete Sammelunterkunft. So soll ein rund um die Uhr besetzter Wachdienst dafür sorgen, dass die Sammelunterkunft ein Rückzugsraum für die Kriegsvertriebenen bleibt, „wir wollen hier keinen Besuchstourismus“, betonte Jung bei einem Besuch vor Ort. Vier bis fünf städtische Mitarbeiter kümmern sich durchgehend um die Belange der Flüchtlinge, im Foyer ist ein Infopoint vorgesehen mit einem städtischen Sozialarbeiter, der die Flüchtlinge in allen Fragen berät und die notwendigen Kontakte zu Behörden und Institutionen verschafft.
Beispielsweise müssen alle Personen, die in einer Sammelunterkunft aufgenommen werden wollen, zuvor einen Medizincheck über sich ergehen lassen. Nicht nur um den individuellen Gesundheitszustand zu überprüfen und eventuell notwendige Behandlungen in die Wege zu leiten, sondern auch um gerade in Zeiten von Corona die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten zu vermeiden.
Ein Meckenheimer Arzt im Ruhestand konnte dafür gewonnen werden, diese Eingangsuntersuchung in einem eigenen Zimmer im Rathaus durchzuführen und seine ukrainischen Patienten an die benötigten Facharztpraxen in Umgebung zu überweisen, wo unter anderem eine Tuberkulose-Diagnostik mit Röntgenbildern erfolgt.
JOST
Auch eine Küchenzeile wurde eingerichtet. Foto: Volker Jost
Bürgermeister Holger Jung (li.) und der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Joachim Neienhuis-Wibel überzeugten sich bei einem Besuch vor Ort, dass die städtische Sammelunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine im ehemaligen Jobcenter am Neuen Markt Einsatz klar ist. Fotos: -JOST- Foto: Volker Jost
