Friedrich-Bodelschwingh-Realschule plus feierte ihr Jubiläum - Berufsvorbereitung, Inklusion und Integration sind Schwerpunkte
Blick zurück auf 50 bewegte Jahre
Puderbach. Am vergangenen Wochenende kamen die Jugendlichen gerne in die Schule. Denn hier wurde gefeiert. Die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule in Puderbach, erst Hauptschule, später Regionale Schule und seit 2009 Realschule plus, ist 50 Jahre alt geworden. Spiele, Musik, Essen und Trinken, ein Flohmarkt und viel Information (für die Eltern) erwarteten die Besucher der Geburtstagsfeier. Begonnen hatte der Tag am Samstag mit einem Empfang und Festreden im Bürgerhaus. Daran nahmen Bürgermeister Volker Mendel, Ortsbürgermeister Manfred Pees und für den Landkreis Neuwied der für Schulen zuständige Erste Beigeordnete Michael Mahlert teil.
Der große Schulhof war für die Geburtstagsparty zur großen Freiluft-Terrasse umfunktioniert worden. Das war bei dem sommerlichen Wetter am Samstag auch gut möglich. Die Aktivitäten verteilten sich über das gesamte Schulgelände und die Gebäude. Auch in der Turnhalle konnte gespielt und geklettert werden. Nur das Hallenbad blieb aus bekannten Gründen ungenutzt. Schulleiter Ralf Waldgenbach erwähnte das auch mit Bedauern in seiner Ansprache: „Nur rund zwei Jahre konnte das tolle neue Schwimmbad genutzt werden. Wegen Baumängeln und der sich anschließenden Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten zieht sich die notwendige Renovierung leider bis heute hin.“ Auch viele ehemalige Lehrer und sogar solche aus Führungsfunktionen statteten der Schule zu ihrem Jubiläum einen Besuch ab. Zur Feier des Tages spielte die Band „The Beat! Radicals“ fetzige Lieder, die sowohl den jungen als auch den älteren Gästen sehr gefielen. Schulleiter Waldgenbach lobte im Gespräch mit BLICK aktuell das Engagement der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, der Lehrer und des Schulelternbeirats bei der Vorbereitung des Fests. Noch vor 60 Jahren war die Schullandschaft der Verbandsgemeinde Puderbach geprägt von kleinen Volksschulen auf den Dörfern, möglichst dezentral und gut für die Kindern zu erreichen. 1962 setzte sich die Idee der sogenannten „Mittelpunktschule“ am Standort Puderbach durch. Das bedeutete gleichzeitig die Auflösung der einklassigen Schulen in Reichenstein, Breitscheid, Niederwambach und Weroth. 1966 besuchten schon 384 Grund- und Volksschuloberstufenschüler die damalige Mittelpunktschule. Deren Weiterentwicklung und die gleichzeitig erkennbar werdende Notwendigkeit, noch mehr Platz für Schüler zu schaffen, führten zu der Idee einer von der Grundschule getrennten Hauptschule. Schon vor der eigentlichen Einweihung am 15.09.1969 bezogen 14 Klassenlehrer und Lehrerinnen, vier Fachlehrer- und Lehrerinnen und 495 Hauptschülerinnen und -schüler in insgesamt 14 koedukativen Klassen das neue Schulgebäude. Damit hatte sich die Schulsituation in der Region Puderbach völlig gewandelt: Von den ursprünglich 20 Schulen sind heute nur noch die Holzbachtalgrundschule Puderbach, die Märkerwaldgrundschule Urbach und die Grundschule in der Au in Raubach, die Gustav-W. Heinemann-Förderschule in Raubach und die Realschule plus in Puderbach übrig geblieben. Der erste Schulleiter der damaligen Hauptschule Friedrich-von-Bodelschwingh war Erhard Blum. Ihm zur Seite arbeitete Konrektor Alfred Schumacher. Die Gesamtkosten von Erschließung der Bau des Schulgebäudes - nach der Idee eines römischen Atriums entworfen - kosteten den Steuerzahler damals rund 400.000 D-Mark. Schon 1973 war das Schulgebäude wieder zu klein und es musste angebaut werden, in Form von drei Pavillons.
Berufsvorbereitung, Inklusion, Integration, EDV und internationaler Austausch sind Schwerpunkte der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule. Seit 1971 wird ein Austausch mit einer Schule im französischen Barenton gepflegt.
1994 kam es wieder zu einer Umstrukturierung der Friedrich-von-Bodelschwingh-Hauptschule – sie wurde eine Regionale Schule und bot das Erreichen eines mittleren Bildungsabschlusses - der Mittleren Reife - als festes Profil an. Seit dem Schuljahr 2001/2002 gibt es ein Ganztagsangebot. Eine weitere Wegmarke in der Entwicklung der Schule war das Jahr 2009. Die Schulstrukturreform überführte die Regionale Schule Puderbach in eine Realschule plus. Damit verbunden kam es zur Übertragung der Trägerschaft von der Verbandsgemeinde Puderbach in die Hände des Kreises Neuwied. Im Februar 2014 übernahm Ralf Waldgenbach die Leitung der Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule Puderbach. Seine Abschlussworte in der Ansprache beim Festakt waren: „Getreu unserem Schulmotto „Gemeinsam lernen, leben und gestalten“ punkten wir heute mit Attributen, die für eine Gesellschaft von großer Bedeutung geworden sind: Gemeinsames Lernen und individuelle Förderung für jedes Kind. Wir verstehen unsere Schule als Lern- und Lebensraum und lassen Platz für Kreativität und Gestaltung. Wir sind eine Schule für alle Kinder aus der Region, wir nehmen jedes Kind so an, wie es ist und versuchen, es bestmöglich zu fördern aber auch zu fordern. Wir sind eine Schule mit Courage und stellen uns auch den Widrigkeiten. Diese Haltungen wollen wir auch in der Zukunft beibehalten und weiter kultivieren, auf dass sie weiterhin unser Profil schärft. Und wie? Mit einer aktiven und engagierten Elternschaft, einem motivierten und kompetenten Kollegium und mit der Unterstützung der Gremien des Kreises, der Verbands- und Ortsgemeinde. Denn nur so können wir auch in den nächsten 50 Jahren die Zukunft der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler mit Erfolg gestalten.
Wie ein riesiger Biergarten wirkte der große Schulhof beim Fest am vergangenen Samstag. Das sommerliche Wetter trug zusätzlich zum Gelingen der Veranstaltung bei.
Die „Beat! Radicals“ sorgten musikalisch für Stimmung beim Schulfest - und ließen auch mal diese drei Schülerinnen an die Gitarren. Fotos: KER
