Der Neubau der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz wird wohl um die 60 Millionen Euro kosten
Brücken sind notwendig und teuer
Keine Einsturzgefahr, obwohl Zustand einiger Brücken nicht ausreichend ist
Region. „Bridge over troubled Water“ war 1970 ein Hit von Simon and Garfunkel. Heute ist das bei vielen Brücken umgekehrt, da ist nicht das Wasser unruhig, sondern die „Bridge“ selbst. Das gilt für einige Rheinbrücken und Straßenbrücken im Bereich von Blick aktuell, über deren Zustand wir angesichts des verheerenden Brückeneinsturzes in Genua berichten. Die bedeutendste ist die Pfaffendorfer Brücke in Koblenz, deren Neubau wohl nächstes Jahr begonnen wird. Die im Jahr 1953 auf Unterbauten aus dem 19. Jahrhundert errichtete Brücke über den Rhein weist deutliche Schäden auf und kann die auf mittlerweile über 40.000 Fahrzeuge am Tag angewachsenen Verkehrslasten nicht mehr dauerhaft genug aufnehmen. Schon 2012 ergaben Untersuchungen des städtischen Tiefbauamts, welche Schäden zu beseitigen sind. Zu erneuern seien Übergangskonstruktionen, Entwässerungseinrichtungen, Teile der Kragarmplatten und Brückengeländer. „Bei der vorhandenen Längsfuge zwischen der Fahrbahntafel und dem Kragarm über den Hohlkästen handelt es sich um eine systembedingte Schwachstelle aus der ursprünglichen Bauwerksplanung“, hieß es damals und weiter: „Bei beiden Widerlagern sind die Ursachen von Feuchteschäden zu beseitigen. Eine Beton- und Mauerwerkssanierung ist erforderlich. Wegen vorhandener Schäden an den Brückenlagern werden diese schon in diesem Jahr erneuert. Gleichzeitig werden die Pfeilerköpfe verstärkt, damit ein Auswechseln der Lager unter Verkehr möglich wird.“
Inzwischen haben eingehende Untersuchungen ergeben, dass eine Verstärkung des Bauwerks, vor allem wegen den Schwerlastern, die 5 Prozent des Gesamtverkehrs ausmachen, technisch zwar möglich, wirtschaftlich aber nicht vertretbar ist.
Denn mit um die 60 Millionen Euro wäre diese Sanierung fast so teuer wie eine neue Brücke, deren Bauarbeiten wohl nächstes Jahr beginnen. Die neue Brücke wird als Stahlverbundbrücke mit offenen Vouten (Verstärkung eines Trägers am Auflager) im Stützbereich ausgeführt. Diese Bauweise, die nicht nur sehr robust und wirtschaftlich ist, fügt sich relativ zurückhaltend in das Stadt- und Landschaftsbild ein und erinnert ein wenig an die historische Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1864. Die Planung berücksichtigt unter anderem die Belange der Rheinschifffahrt, der Denkmalpflege, des Natur- und Umweltschutzes, des Verkehrs, sowie die Einbindung in das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die neue Brücke wird mit einer Hauptstützweite von 160 Metern künftig eine deutliche Erleichterung für den Schiffsverkehr darstellen. Das System besteht aus zwei nebeneinanderliegenden begehbaren Hohlkästen aus Stahl, die über Schrägstreben auf den neuen Pfeilern aufgelagert werden. Auf diesen Hohlkästen liegt eine Fahrbahnplatte aus Stahlbeton.
Der neue Überbau wird zunächst flussabwärts neben der bestehenden Brücke auf Hilfsstützen errichtet. Nach dessen Fertigstellung wird der Verkehr darauf umgeleitet. Die alte Brücke wird dann einschließlich der beiden Flusspfeiler abgerissen. Dann erfolgen der Neubau der Pfeiler und der Umbau der historischen Widerlager auf beiden Rheinseiten. Anschließend wird die neue Brücke quer in die derzeit vorhandene Straßenachse geschoben. Dies geht natürlich nur bei einer etwa 14-tägigen Vollsperrung der Bundesstraße 49.
Brücken werden alle drei Jahre begutachtet
Wenn Brücken sanierungsbedürftig sind, heißt das nicht, dass sie, wie die Autobahnbrücke in Genua, bald einstürzen, denn die Brücken in Rheinland-Pfalz untersucht der Landesbetrieb Mobilität (LBM) regelmäßig. Alle drei Jahre werden die Brücken begutachtet und der Zustand des Bauwerks bis ins Detail dokumentiert. Dabei unterscheidet der LBM zwischen einer Hauptprüfung und einer einfachen Prüfung, die alternierend stattfinden. Bei der Hauptprüfung nehmen Fachleute die Brücken mit Hilfe moderner Technik genau unter die Lupe und untersuchen, ob die Brücke immer noch so tragfähig ist, wie es das Bauwerksbuch vorschreibt. An den Holz- und Stahlkonstruktionen dürfen keine Risse oder Verformungen auftreten. Das Bauwerk muss außerdem fest im Untergrund verankert sein. Auch die Fahrbahn und die Entwässerungssysteme werden untersucht. Die einfache Prüfung wird ohne Geräte als reine Sichtprüfung vorgenommen, die aber auch Funktionsteile wie Lager, Gelenke und Übergangskonstruktionen mit einbezieht. Eine außerplanmäßige Überprüfung gibt es, wenn es auf der Brücke beispielsweise zu einem Unfall kam, bei dem wichtige Teile der Konstruktion beschädigt wurden. Werden Schäden gefunden, sorgt der LBM dafür, dass diese schnell und wirtschaftlich behoben werden. Den Bauwerken werden in der Prüfung Zustandsnoten gegeben. Diese reichen von 1,0 (sehr guter Zustand) bis 4,0 (ungenügender Zustand). Diese Zustandsnoten sind die Basis für die weitere Instandsetzung bzw. Erneuerung. So ähnlich arbeitet auch die Bundesanstalt für Straßenwesen (bast) die bundesweit für fast 40.000 Brücken an Bundesfernstraßen zuständig ist. Die bast hat untersucht, dass 42 Prozent der Brücken befriedigend und 33 Prozent ausreichend sind.
B 9-Brücke Unkelstein wird neu gebaut
Die B 9-Hochstraße in Sinzig zählt jedoch nicht dazu, denn sie muss in Kürze grundlegend saniert werden. Dazu gehören: Erneuerungen der Abdichtung, des Fahrbahnbelages, der Bauwerkskappen, der Schutzplanken und Geländer, der Übergangskonstruktionen, der Bauwerksentwässerung Betoninstandsetzung der Überbauunterschichten und der Unterbauten sowie der teilweise Austausch der Lager. Die Kosten schätzt der LBM auf 8,5 Millionen Euro. In einem nicht ausreichenden Zustand ist die B 9 Brücke Unkelstein und wird deshalb neu gebaut, derzeit geplant und ein Baurechtsverfahren ist in Arbeit. Bei der Deutschen Bahn sind Zugpausen für den Abriss des alten Bauwerks notwendig. Die hat der LBM für das Jahr 2021 bei der DB bereits beantragt, weil damit gerechnet wird, dass dann die neue Brücke schon fertig ist.
„Bis zur Erneuerung werden wir notwendige betriebliche und bauliche Unterhaltungsmaßnahmen durchführen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“, schreibt dazu die Pressesprecherin des LBM.
Ganz anders sieht es aus bei der Raiffeisenbrücke von Neuwied nach Weißenthurm über die die B 256 führt. Sie ist genau 40 Jahre alt und wurde vor einigen Jahren gründlich saniert. Auf der Rheinbrücke und den Vorlandbrücken auf beiden Seiten wurden in jüngster Vergangenheit die Schutzeinrichtungen erneuert. Diese Arbeiten sind abgeschlossen. Im Frühjahr 2019 ist eine Erneuerung des unter dem Überbau fahrenden Besichtigungswagens geplant. Diese Arbeiten finden jedoch außerhalb der Straßen und daher ohne Beeinträchtigung des Verkehrs statt. Weitere Arbeiten an der Brücke sind zurzeit nicht geplant. Das gilt für die Eisenbahnbrücke von Neuwied-Engers nach Urmitz jedoch nicht. An der Kronprinzenbrücke, die 1918 eingeweiht, im letzten Kriegsjahr 1945 gesprengt und in den 50er Jahren als Fachwerkbrücke errichtet wurde, nagt der Zahn der Zeit. So beginnen in diesem Jahr bereits erste Sanierungsarbeiten. Hierzu gehören unter anderem Korrosionsschutzmaßnahmen sowie eine Teilerneuerung der Brüstung (Versetzung einiger Steine der Natursteinmauer). „Der Großteil der Arbeiten wird jedoch erst kommendes Jahr umgesetzt. Hierbei handelt es sich um gängige Instandhaltungsmaßnahmen. Ein sicherer Betrieb der Kronprinzenbrücke ist stets gewährleistet. Der Gesamtbetrag für alle Maßnahmen ist sechsstellig“, erklärte ein Bahnsprecher gegenüber Blick aktuell. Die genannten Brücken sind nur kleine Beispiele für viele andere. Allein in Koblenz rechnet die Stadt für die Instandsetzung ihrer Brücken in den kommenden zehn Jahren mit Baukosten von über 100 Millionen Euro. Hinzu kommen Kosten für Baupreissteigerungen, Planung, Baurechtschaffung, Bauüberwachung sowie laufende Instandhaltung von nochmals ca. 65 Millionen Euro.
HEP
Marode ist auch die Vorlandbrücke der vielbefahrenen Koblenzer Rheinüberquerung.
Über die Neuwieder Raiffeisenbrücke führt die wichtige Bundesstraße 256. Die Brücke wurde vor einigen Jahren gründlich saniert.
Der Unterbau der Neuwieder Raiffeisenbrücke macht einen guten Eindruck.
An der Kronprinzenbrücke zwischen Neuwied-Engers und Urmitz beginnen noch in diesem Jahr erste Sanierungsarbeiten.
Der Zahn der Zeit nagt an der Kronprinzenbrücke.

Verstehe ich das jetzt richtig? Nächstes Jahr soll mit dem Neubau der Pfaffendorfer-Brücke angefangen werden und zeitgleich wird ab Januar 2019 (für ca. 2,5 Jahre) die Südbrücke gemacht. Koblenz, dich kann man lieben.