20. Meckenheimer Kulturtage eröffnet
Bürgermeister Bert Spilles: „Kultur mach glücklich“
Meckenheim. Bereits in der 20. Auflage wurden am vergangenen Freitag die Meckenheimer Kulturtage durch Bürgermeister Bert Spilles eröffnet. In der evangelischen Friedenskirche ging Spilles auf die vielfältige Kulturlandschaft in Meckenheim ein und betonte, dass Kultur schon immer ein wesentlicher Bestandteil des Lebens in der Stadt war. Er erinnerte daran, dass bereits im Jahre 1946 das Volksbildungswerk als Vorläufer der heutigen Volkshochschulen Theaterbesuche, Vorträge und Konzerte anbot. Im Rahmen dieser Veranstaltung las auch der spätere Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll in Meckenheim und auch die Borromäus-Bücherei wurde wieder eingerichtet. Im heutigen Blumenhof befanden sich die Lichtspiele und damals wie heute bereicherten die Traditionsvereine das kulturelle Leben in der Stadt.
Was aber macht heute das Besondere der Kulturtage aus und was ist das Rezept einer gelungenen Veranstaltungsreihe. Dieser Frage ging der Stadtchef in Form eines Rezeptes nach. Man nehme, diese Formulierung ist man ja eher aus der Küche gewöhnt, aber hier ist es vor allem der Bürgerverein, dem das kulturelle Leben der Stadt eine Herzensangelegenheit ist, sodass er vor 20 Jahren die Initiative zu den Kulturtagen ergriff. Man benötigt einen belebenden Schuss bildender Künstler und Musiker und eine kräftige Prise von rührigen Frauen und Männern in Heimatverein und Museumsverein, die Meckenheims Vergangenheit sichtbar machen und kulturelle Identität vermitteln. Dazu eine Handvoll Schauspieler, würzig, aromatische Kirchengemeinden, einen Schuss fremder Kulturen und eine erfrischende Prise Literatur, Gespräch und Vortrag. Das alles rühre man zusammen, lasse es einen Monat köcheln und koste es immer wieder einmal.
Kultur ist kein Luxus, Kultur ist ein Lebensmittel
So oder so ähnlich funktionieren auch die Meckenheimer Kulturtage und der Besucher erkennt so Bert Spilles: „Kultur ist kein Luxus, Kultur ist ein Lebensmittel“. Kultur macht aber auch glücklich, wie der Stadtchef in seinen weiteren Ausführungen betonte und er griff auf den Philosophen Ernst Bloch zurück, der einmal gesagt hat, dass Wissenschaft radiziertes, Kunst aber potenziertes Leben sei. Unter Radizieren versteht man das Wurzelziehen in der Mathematik, also ein rückwärts gewandtes Denken, rein logisch und wissenschaftlich. Die Kunst aber, so der Philosoph potenziert das Leben, da sie vorausdenkt, also von der Gegenwart in die Zukunft reicht. Sie gibt dem Menschen eine Ahnung davon, was jenseits er der Wirklichkeit liegen könnte, und vermittelt so eine Idee von Erhabenheit.
Dies wurde auch bei der Eröffnungsveranstaltung sichtbar, wo das Kölner Südstadt Orchester den Tango in die voll besetzte Kirche trug. Kein ganz einfaches Thema für die Eröffnung von Kulturtagen, allerdings hat dieser Tanz und diese Musik viele Anhänger, so viele, dass extra noch Stühle in die Kirche nachgestellt werden mussten. Das 17-köpfige Orchester, welches sich im Jahre 2010 im Rahmen von Workshops für Tango-Orchester der offenen Jazzhaus Schule-Köln unter der Leitung von Stephan Langenberg gegründet wurde, bringt den Geist und das Leben des argentinischen Tangos auf die Bühnen der Region. Die „Non-Tipica“ –Besetzung aus Bläsern, Streichern, Akkordeons, Bandoneons plus Bass, Klavier und Gesang – zelebriert und bricht den Tango Argentino mit all seinen Facetten, vom historischen Tango und Tango Nuevo bis hin zum Klezmer-Tango, mit seiner ihm typischen Expressivität, Leidenschaft und Melancholie. Das Publikum in Meckenheim zeigte sich mehr als angetan von der Vorstellung der Musiker und spendete reichlich Applaus. STF
