Allgemeine Berichte | 21.09.2025

In Mayschoß machen Bürger ihrem Frust über das Vorgehen der ISB bei der Hilfe zum Wiederaufbau Luft

„Bürokratische Hürden treiben Betroffene in die Verzweiflung“

Anneliese Baltes und Thorsten Rech haben das Treffen initiiert und Beispielfälle gesammelt. Foto: GS

Mayschoß. Mehr als vier Jahre sind seit der Flut im Ahrtal vergangen. Und noch immer haben etliche Betroffene noch immer nicht die „schnelle und unbürokratische“ Hilfe bekommen, die seitens der Landesregierung und des Bundes kurze Zeit nach der Flut im Juli 2021 zugesagt wurde. Es ist eingetreten, was CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach schon vor zweieinhalb Jahren bei einer Veranstaltung in Marienthal prognostiziert hatte: „Von 2021 versprochener schneller und unbürokratischer Hilfe kann nicht mehr die Rede sein. Typisch deutsche Antrags- und Formularwut lässt den von Bund und Land großspurig angekündigten Intercity zum Bummelzug mutieren.“

Eigentlich sollte alles wie folgt ablaufen: Den von der Flut betroffenen Menschen sollte ihre durch das Hochwasser entstandenen Schäden seitens der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) ersetzt werden. Betroffenen ohne Versicherungsschutz sollten 80 Prozent der entstandenen Schäden durch die ISB ersetzt werden. Geschädigten mit einem Versicherungsschutz wurde versprochen die mögliche Lücke zwischen Versicherungsschutz und tatsächlichem Schaden durch die ISB schließen zu können.

„Bewilligt ist nicht ausgezahlt“

Allein fehlt mittlerweile etlichen Betroffenen der Glaube. Auch wenn Finanzministerin Doris Ahnen in einer Presseerklärung der ISB zum vierten Jahrestag der Flut erklärt hatte: „Bislang konnten 3789 private Gebäudeanträge, 11925 Hausratanträge und 765 gewerbliche Anträge auf Wiederaufbauhilfe mit mehr als 1,4 Milliarden Euro und einer Bewilligungsquote von rund 96 Prozent bewilligt werden.“

„Bewilligt ist aber nicht ausgezahlt, sagt Thorsten Rech aus Mayschoß. Der Gastronom von „Bahnsteig 1“ hat zusammen mit Gemeinderatsmitglied Anneliese Baltes mobil gemacht, um bei einer als Pressekonferenz deklarierten Veranstaltung im vollbesetzten Mayschosser Bahnhof mit Betroffenen dem Thema eine Bühne zu geben. Rech: „Wir haben allein innerhalb von vier Wochen mehr als 50 Fälle gesammelt, die ihre Problematik öffentlich machen möchten. Es ist uns darüber hinaus vollkommen bewusst, dass viele weitere, die vergleichbare Probleme haben, sich scheuen damit an die Öffentlichkeit zu gehen, weil sie um im Nachgang negative Effekte seitens der ISB fürchten.“ Ein Umstand, der im Publikum bestätigt wurde.

Beispiel Bahnhof Mayschoß

Rech geht indes offen mit Problemen und Zahlen um, hofft auf Änderungen der bei der Systematik der ISB, die aus der Ferne von den Betroffenen immer wieder neue Gutachten fordert: „Als Eigentümer des Bahnhofs Mayschoß waren wir versichert. Es bleibt danach aber eine unversicherte Schadenssumme von gut 400000 Euro. Wir sind inzwischen fertig. Das Gebäude ist neu aufgebaut. Hierbei haben wir bereits eine hohe Summe Eigenmittel verwenden müssen. Das Nebengebäude und die Finalisierung der Heizung (noch immer ein Provisorium) können wir ohne die versprochenen Gelder der ISB nicht allein stemmen. Bei einer Schadenslage von 100 Prozent haben wir den Antrag vor zweieinhalb Jahren gestellt. Bewilligung haben wir keine. Immer wieder Nachfragen und Zweifel am mehrfach überarbeitenden Gutachten von einem zweifellos professionellen und im Thema befindlichen Gutachter.“ Rech spricht von einem „Spiel auf Zeit“ und keinerlei Möglichkeit der direkten Kommunikation zur unmittelbaren Klärung scheinbar offener Punkte. „Wir haben bereits Ortstermine angeboten und über Ministerien, Minister und den Bundespräsidenten einen Anschub versucht. Fehlanzeige. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Keine Bewilligung vorhanden. Wir sind wohl Teil der vier Prozent.“

Lange Verfahrensdauern

Dem Initiator des Treffens stellt sich aber darüber hinaus die dringende Frage, wie viel Prozent der bewilligten Gelder wurden inzwischen schnell und unkompliziert ausgezahlt? Also Sachstand „Antrag bewillig“ (96 Prozent) und Auszahlung offen respektive nicht abgeschlossen. Wo hakt es bei der ISB? Denn das Kernproblem sei, dass nicht nur die Bewilligungsquote, sondern der Auszahlungsfortschritt über Handlungsfähigkeit, Planungssicherheit und Abschluss des Wiederaufbaus entscheide. Deutliche Kritik im Saal gab es für „Lange Verfahrensdauern trotz vollständiger Unterlagen“ oder „wiederholte Gutachten-Nachforderungen“ und „fehlende Klärung vor Ort“.

„Wir wollen Lösungen“

Anneliese Baltes macht bei aller massiver Kritik an der Vorgehensweis der ISB klar: „Wir wollen keine Konfrontation, wir wollen Lösungen -. Transparent, zügig, fair. Und Dominik Gieler, Verbandsbürgermeister von Altenahr, unterstrich, weil terminlich verhindert, in einem schriftlichen Statement an die Versammlung der Betroffenen im Mayschosser Bahnhof: „Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr stehe ich an der Seite der Betroffenen und hoffe, dass die von den Flutbetroffenen initiierte Pressekonferenz den nötigen öffentlichen Druck erzeugt, damit endlich Bewegung in diese Verfahren kommt. Für mich ist es nicht akzeptabel, das Flutbetroffene im Ahrtal durch bürokratische Hürden bis in die Verzweiflung getrieben werden.“ GS

Anneliese Baltes und Thorsten Rech haben das Treffen initiiert und Beispielfälle gesammelt. Foto: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Monatliche Anzeige
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag Imageanzeige
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Koblenz blüht
Ostergruß
Innovatives rund um Andernach
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalreferent/in
Empfohlene Artikel
Schülerinnen und Schüler der Bienenklasse 3c der KGS Meckenheim sind am Standort Meckenheim der Bücherbrücke in die Bücher vertieft. Foto: Stadt Meckenheim
30

Meckenheim. Die Bücherbrücke Meckenheim/Alfter verzeichnet eine rege Nutzung durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen der Leseförderung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen befinden sich unter anderem Blütentraum, Hüppekästchen, Rasselbande und zahlreiche weitere Kindertagesstätten. An beiden Standorten der Bücherei steht der Mittwochvormittag im Zeichen der Vorschulprogramme, bei denen die Kinder bib(liotheks)fit gemacht werden.

Weiterlesen

Mit 17 Anträgen zur Neuaufnahme in diesem Jahr wurde fast der Spitzenrekord von 2020 geknackt.
49

Leutesdorf. Pascal Berger, Vereinsvorsitzender begrüßte alle Anwesenden zur Jahreshauptversammlung am 28. März und es wurde nach Feststellung einer ordnungsgemäßen Einladung und Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte eine Gedenkminute den Verstorbenen gewidmet.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2263

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Anlagenmechaniker
fit für`s Alter?
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
First Friday Anzeige März
Rund ums Haus
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Anzeige KW 14
Ostergrußanzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige
Stellenanzeige Kita