Den „Knipp-Montag“ heuer digital gefeiert
Bummes und Vesper kamen meist zu Hause zum Einsatz
Cochem. Das krachende Dutzend Böllerschüsse von der Reichsburg blieb auch in diesem Jahr eine Woche nach Ostermontag nicht ungehört. Diese kündigten einmal mehr den traditionellen Knipp-Montag, Cochems offiziell höchsten Feiertag – oder auch Nationalfeiertag der Kreisstädter, an. Der fiel aber in 2020 aufgrund der aktuellen Corona-Krise ein klein wenig anders aus. In dieser Form wird er in seiner langjährigen Geschichte auch als Besonderheit in die Stadtgeschichte eingehen. Heuer feierte man besagten Feiertag nämlich digital über eine zuvor eingerichtete WhatsApp-Gruppe, zu der man sich im Vorfeld angemeldet bzw. zusammengefunden hatte. So wurde zwar auf der legendären Knipp-Wiese oberhalb der Reichsburg die offizielle Knipp-Fahne gehisst, doch der übliche Wanderandrang der Einheimischen blieb natürlich aus. In diesem Jahr feierte man im Kreise der Familie überwiegend zu Hause, wobei hier der eigene Garten, der Balkon oder die Terrasse als zuvor eingerichtete Location durchaus eine Alternative waren. Andere versuchten es als Solisten
oder Paarwanderer im heimischen Grüngürtel, natürlich bestens ausgerüstet mit dem weingefüllten „Bummes“ (Keramikkrug) und der obligatorischen „Muur“ (Möhre) als Verschluss. Dazu gesellte sich ebenso wie beim Feiern im privaten Areal des eigenen Anwesens auch eine deftige Vesper, zu der neben Brot, Fleischwurst, Käse und bunten Partyeiern, auch Veggie-Sticks und Kartoffel- bzw. Nudelsalat gehörten.
Ursprung des Knipp-Montag ist die verhinderte Burgerstürmung
Den traditionellen Ursprung des Knipp-Montag findet man bereits im 17. Jahrhundert, als ein Burgknecht, am ersten Sonntag nach Ostern, den Fußweg nach Faid zu seiner Angebeteten einschlug. Auf einer Waldwiese erkannte er plötzlich feindliche Soldaten, worauf er zur Burg zurückeilte, wo man sich aufgrund seiner Erkenntnisse augenblicklich auf Verteidigung einstellte. Als am nächsten Morgen der feindliche Trupp französischer Soldaten angriff, konnte man deren Versuch einer Burgerstürmung erfolgreich abwehren. Der Burgherr zeigte sich ob dieses Erfolgs gegenüber seinen Männern dankbar und erkenntlich, indem er diesen und der gesamten Bevölkerung an diesem Montag für immer dienstfrei gewährte. Und so essen, trinken und feiern die Cochemer noch bis heute ihren höchsten Feiertag Knipp-Montag. Diesmal allerdings nicht gemeinsam auf der Knipp-Wiese, sondern ausschließlich über Handykontakt mit tollen privaten Fotos.
-TE-
Auf der Knipp-Wiese wurde zu Böllerschüssen von der Reichsburg traditionell die Knipp-Fahne gehisst.
Der Knipp-Montag wurde heuer meist zu Hause im Garten, dem Balkon oder auf der Terrasse gefeiert.
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