Allgemeine Berichte | 28.06.2017

23. Carl-Loewe-Musiktage begannen am Freitag mit einer Salon-Soiree in der Burg Unkel

Burgserenade sorgte für nicht enden wollenden Applaus

Der musikalische Leiter Marc Unkel hat wieder ein variantenreiches Programm für den Geschichtsverein ausgearbeitet

Zusammen mit dem Fagottisten Eduard Drobek eröffnete Marc Unkel die Salon-Soiree. DL

Unkel. Mit einer „Burgserenade“ eröffnete der Geschichtsverein Unkel am Freitagabend seine 23. Carl Loewe-Musiktage, für die Landrat Rainer Kaul wieder die Schirmherrschaft übernommen hat. „Schon seit 1995 bemühen wir uns in jährlichen Konzerten, die in vielen Fällen vergessene Musik Loewes aufzuführen. Diese Bemühungen entsprechen dem Anliegen der Familie Loewe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, so der Vorsitzende des Vereins Poet Bovy. Als „Mutter“ der schon legendären Carl Loewe-Musiktage kann man seine Vor-Vorgängerin Heide Lorenz bezeichnen, die eben vor 23 Jahren die Gründung des Geschichtsvereins mitinitiiert hatte, um die Veranstaltung zu organisieren.

Auf Initiative eines Opernsängers aus Baden bei Wien war die Internationale Loewe-Gesellschaft mit Sitz in der österreichischen Hauptstadt Anfang der 90er Jahre an die Stadt Unkel herangetreten mit der Frage, ob nicht auch dort, wie in der Loewe-Geburtsstadt Löbejun anlässlich des 200. Geburtstages von Carl Loewe 1996, die Erinnerung an den Komponisten der Romantik durch Konzerte belebt werden könnte.

Carl Loewe hat nie selber in Unkel gelebt

Dabei hatte der Komponist selber nie in Unkel gelebt. Höchstens einen Blick auf die romantische Rheinpromenade der Kulturstadt hatte er während einer Schiffsreise von Mainz über Bonn nach Köln werfen können. Allerdings war seine älteste Tochter, Julie, zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten 1869 in Kiel mit ihrem Mann, dem Kapitän zur See James Arthur von Bothwell, und mit ihrer Mutter Auguste nach Unkel in das Freiligrathhaus gezogen. Da sich die Stadt nicht in der Lage sah, entsprechende Konzerte zu organisieren, hatte Lorenz das Projekt in die Hand genommen, das nun schon seit Jahren Musikfreunde aus der weiteren Umgebung nach Unkel lockt.

„Schon vor der Renovierung dieses herrlichen Anwesens hat Gabriele Freifrau von Weichs unserem Verein ihren Salon für Konzerte zur Verfügung gestellt. Felicitas und Clemens von Weichs führen diese Tradition ihrer Mutter fort, ein großes Glück für den Geschichtsverein und und für Unkel“, bedankte sich Poet Bovy bei den Hausherren, dass sie ihre Privaträume für die „Salon-Soiree im Herrenhaus“ sowie für den Liederabend „Luther und die Reformation“ am Sonntagnachmittag mit dem Tenor Mark Rosenthal und Marc Unkel am Flügel der Öffentlichkeit zugänglich machten. Leider müssen wir heute auf die Frau unseres musikalischen Leiters, Joanne Walter-Unkel verzichten, die an einer Sommergrippe erkrankt ist“, informierte er die Gäste des Konzerts.

Das eröffnete der Pianist und Eduard Drobek in dem wunderschönen Ambiente mit dem Sonatensatz g-Moll für Fagott und Klavier des Russen Michail Glinka aus Smolensk (1804-57). Anschließend trug die Harfinistin Andrea Thiele die Sonate c-Moll vor, das der böhmische Komponist und Pianist Jan Ladislav Dussek (1760-1812) speziell für dieses Zupfinstrument, eines der ältesten Instrumente der Menschheit, geschrieben hatte. Schier nicht enden wollte der Applaus, nachdem Marc Unkel und der Geiger Hirotaka Aisawa die 1887 von dem Franzosen Camille Saint-Saens (1835-1921) komponierte „Havanaise“ beendet hatten, die mit ihrem typischen Tanzrhythmus im Zweiertakt auf die kubanische Herkunft des befreundeten Geigers Rafael Diaz Albertini anspielen soll, mit dem der Pianist 1885 auf Tournee gewesen war.

Häufige Besuche auf Schloss Züllchow bei Stettin

„Marc Unkel hat zu der Salon-Soiree einen schönen Text geschrieben, der auf der Rückseite des Programms eine Brücke von unserer Auftaktveranstaltung zu den beliebten Salon-Soirees des 19. Jahrhunderts schlägt“, informierte Heide Lorenz die Konzertgäste, nachdem der musikalische Leiter diese mit der kürzesten Komposition des Namensgebers der Unkeler Musiktage in die Pause geschickt hatte. Er berichtete von den Carl Loewes häufigen Besuchen bei Sophie Caroline Auguste Tilebein auf Schloss Züllchow bei Stettin, die als unbeschreiblich geistvoll beschrieben wird und die „über alle Zweige der Kunst ein treffendes und reiches Urteil“ gehabt haben soll. Während sich Carl Loewe selber scherzhaft als „Züllchower Hof-Kapellmeister“ bezeichnet haben soll, notierte die Hausherrin 1831: „Es wird viel Musik getrieben, gute mit Loewe, schlechte ohne ihn. Loewes seltener Genialität verdanken wir unvergesslich schöne musikalische Sommerabende.“

Einen unvergesslichen Sommerabend bescherten auch die vier Musiker ihren Zuhörern stilvoll im Salon der Burg Unkel, in dem Marc Unkel und Hirotaka Aisawa zunächst mit Carl Loewes „Legende vom Heiligen Franziskus“ die Pause beendeten, um später den „Zapateado“ des spanischen Geigers und Komponisten Pablo Sarasate (1844) folgen zu lassen. Carl Loewe selber war dann mit seinem „Indian Tale“ vertreten, das die Harfinistin als Solistin ebenso intoniert wie die „Fantaisie“ von Saint-Saens, während Marc Unkel und Edurd Drobek mit dem „Capriccio“ von Julius Weissenborn (1837-88) die Salon-Soiree beendeten.

Liederabend „Luther und die Reformation“

Auch am Sonntagnachmittag war der Geschichtsverein wieder in der Burg Unkel zu Gast, nun mit seinem vom Marc Unkel und dem Tenor, Mark Rosenthal, bestrittenen Liederabend „Luther und die Reformation“.

Auftreten soll Joanne Walter-Unkel, Englischhorn und Oboe, zusammen mit Doris Lange-Haunhorst, Flöte, Martin Haunhorst, Violine, und Marc Unkel, Klavier, beim abschließenden Kammerkonzert „Edelfalk und Zugvögel – Naturbilder der Romantik“ am Freitag, 30. Juni ab 19.30 Uhr. Restkarten gibt es unter Tel. (0 22 24) 61 77 sowie 7 59 16 und 1 02 54 beziehungsweise bei Photo Florian-Schädlich, Frankfurter Straße 25, in Unkel. DL

Burgserenade sorgte für nicht enden wollenden Applaus

Zusammen mit dem Fagottisten Eduard Drobek eröffnete Marc Unkel die Salon-Soiree. Fotos: DL

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