Hoher Besuch an der Grundschule Dohr
Claus Kanngiesser gab ein Privatkonzert
Dohr. Der weltberühmte Musiker und Professor Claus Kanngiesser stellte in der Grundschule Dohr sein Cello vor. Er musizierte vor einem interessierten jungen Publikum. Die Schüler hörten beeindruckt den klassischen Tanzstücken zu, die so alt waren, wie das Cello selbst, das Claus Kanngiesser spielte. Die Kinder staunten nicht schlecht, als er ihnen verriet, dass sein Cello vor 296 Jahren in Handarbeit gebaut wurde. Der Bogen, mit dem er sein Cello streicht, besteht aus besonderem Holz und ist mit Haaren bespannt, die von den Schwänzen der Pferde stammen. Da die Pferdehaare sehr stark sein müssen, nutzt man ausschließlich die Haare von Pferden aus der Mongolei, die noch in natürlicher Umgebung aufwachsen. Claus Kanngiesser beherrscht die ganze Bandbreite des Cellospiels meisterhaft. Er entlockt seinem Cello wunderbare Melodien, die er gefühlvoll mit geschlossenen Augen zu Gehör bringt. Die Kinder waren sehr verwundert, dass Claus Kanngiesser alle Musikstücke auswendig spielte.
Als die Schüler ihn fragten, wie er auf die Idee gekommen sei, das Cellospielen zu lernen, lächelte der Professor und erzählte den Kindern die Geschichte: „Ich wurde in eine musikalische Familie geboren. Als ich fünf Jahre alt war, brachte mir meine Mutter, die Klavierlehrerin war, das Klavierspielen bei. Mein Vater und mein älterer Bruder spielten Geige. Da unserem musikalischen Quartett jedoch noch ein Bassinstrument fehlte, ereignete sich eines Tages folgendes: Es war wie Weihnachten. Ein Glöckchen klingelte und ich durfte ins Wohnzimmer kommen. Als ich den Raum betrat, stand dort ein kleines Cello vor mir. Ich war neun Jahre alt. So hat alles angefangen. Ich merkte sehr schnell, dass mir das Cellospiel mehr Freude bereitete als das Klavierspiel. So konzentrierte ich mich auf mein neues Instrument und übte jeden Tag fleißig . So wurde das Cello mein neues Hobby.“
Schon im Alter von 26 Jahren war Claus Kanngiesser so ein hervorragender Cellist, dass er als Professor an die Musikhochschule nach Saarbrücken berufen wurde. Neben seiner Lehrtätigkeit gab und gibt er noch heute gerne Konzerte, um die Menschen mit seiner Musik zu erfreuen. Er gestand, dass er viel lieber vor Publikum spielt als in Tonstudios für die Aufnahmen von Schallplatten oder CDs.
Die Kinder waren fasziniert, dass sein Beruf ihn in viele Länder der Erde geführt und mit vielen interessanten Persönlichkeiten zusammengebracht hat. Wenn Claus Kanngiesser im Flugzeug sitzt, sitzt sein Cello immer neben ihm, weil es viel zu wertvoll ist, um es im Gepäckraum zu bewahren. Sein Cello besitzt sogar ein eigenes Flugticket. Die beiden reisen unter den Namen: Mr. Kanngiesser und Mrs. Cello.
Als alle Fragen beantwortet waren, spielte Claus Kanngiesser auf Wunsch der Schüler noch ein letztes etwas moderneres Musikstück aus dem letzten Jahrhundert. Die Lehrerinnen freuten sich, dass es dem Musiker so gut gelungen ist, die Kinder für die klassische Musik zu begeistern. Ein syrisches Mädchen aus der dritten Klasse fasste die Stimmung so zusammen: „Die Musik hat mich bewegt.“
